Forum O√Ė Geschichte

Städtisches Leben im Mittelalter


Der Aufbau der mittelalterlichen St√§dte in Ober√∂sterreich war ann√§hernd gleich: Um einen gro√üen Stadtplatz standen meist einst√∂ckige B√ľrgerh√§user. Innerhalb der Stadtmauern befanden sich die Pfarrkirche, manchmal auch Kl√∂ster sowie oft ein Herrschaftsgeb√§ude f√ľr den Stadtherren. Die St√§dte hatten meist nur wenige tausend Einwohner.

Die mittelalterlichen St√§dte waren direkt einem Stadtherren unterstellt. In √Ėsterreich war dies meist der Landesherr selbst, also der Herzog von √Ėsterreich. Der Stadtherr setzte auch einen Stadtrichter ein, der als Zeichen seiner Gerichtshoheit ein Schwert trug. Daneben gab es einen Stadtrat, der in wichtigen Angelegenheiten entschied.

In diesen St√§dten spielten zwei Berufsgruppen eine besondere Rolle: Kaufleute und Handwerker. Die Kaufleute geh√∂rten ‚Äď so wie die Geistlichen ‚Äď zur st√§dtischen Oberschicht und besa√üen meist ein Haus. Handwerker dagegen geh√∂rten der Mittelschicht an und ihnen erging es nicht immer besonders gut: Nur der Meister konnte Inhaber eines Betriebes und eines Hauses sein, lediglich er war auch Vollb√ľrger. Die Handwerksgesellen dagegen verdienten wenig und konnten meist erst dann zum Meister aufsteigen, wenn ihr eigener Meister starb. Besonderen Einfluss √ľbten eigene Handwerksvereinigungen, die Z√ľnfte, aus. Diese sorgten daf√ľr, dass die Zahl der Betriebe in der Stadt gleich blieb oder der Einwohnerzahl angepasst wurde. Sie kontrollierten Qualit√§t und Preis der Waren, k√ľmmerten sich aber auch um in Not geratene Zunftmitglieder.

Daneben gab es in den St√§dten aber auch Angeh√∂rige von ‚Äěunehrenhaften‚Äú Berufen: Abdecker (Sie waren f√ľr die Beseitigung von Tierkadavern zust√§ndig.), Lumpensammler oder Henker. Das Betteln war in den St√§dten verboten, Bettler geh√∂rten der Unterschicht an.

Die Juden in den Städten bildeten ebenfalls eine Randgruppe. Sie mussten eine Sondersteuer bezahlen. Neuere Forschungen zeigen aber, dass sie keineswegs immer ausgegrenzt wurden. In den meisten Städten lebten die Juden nicht in eigenen Vierteln, sondern neben den anderen Bewohnern.
Freilich kam es auch zu Verfolgungswellen (Pogromen), z. B. 1338 in vielen √∂sterreichischen St√§dten und 1420 vor allem in Linz, Wels, Steyr und Enns, weil man den Juden etwa Hostiensch√§ndung (z. B. Zerstechen der Hostien) vorwarf. Diese Verfolgungen gingen meist von der breiten Bev√∂lkerung aus, die h√§ufig in finanzieller Abh√§ngigkeit von j√ľdischen Geldverleihern stand und Schulden bei ihnen hatte.

Besonders wichtig f√ľr das Leben in der Stadt war die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Daf√ľr baute man Brunnen und h√∂lzerne Wasserleitungen mit Verbindungsst√ľcken aus Metall, um Wasser von umliegenden Quellen in die Stadt leiten zu k√∂nnen. Dagegen wurde der Unrat meist in den Stra√üen entsorgt, die dementsprechend schmutzig waren. Die Stra√üenkehrer trugen daher hohe Schuhe, um nicht im Schmutz zu versinken. Ein gro√ües hygienisches Problem bereitete es, dass in vielen H√§usern kein ‚ÄěPlumpsklo‚Äú vorhanden war und die Menschen daher die Notdurft in Hauswinkeln verrichteten.

Dagegen gab es in den St√§dten bereits Hospit√§ler (Spit√§ler), in denen Alte und Kranke versorgt wurden. F√ľr Leprakranke und Menschen mit anderen ansteckenden Krankheiten wurden eigene Leprosen- oder Siechenh√§user errichtet, so etwa auch in Linz.
Im Spätmittelalter entstanden in den Städten auch Schulen, die von einem Schulmeister geleitet wurden.

Besondere H√∂hepunkte in der Stadt waren die kirchlichen Feste im Jahreskreis und die Jahrm√§rkte. Dabei boten Kaufleute ihre Waren an, Spielleute und Gaukler f√ľhrten ihre Kunst vor. Tanz und sportliche Bewerbe wurden abgehalten und diese boten eine willkommene Abwechslung zum Alltag.

 

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