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Höfisches Leben im Mittelalter


Ende des 15. Jahrhunderts weilte Kaiser Friedrich III. fĂŒr mehrere Jahre mit seinem Hof im Linzer Schloss.
Am kaiserlichen bzw. königlichen Hof, aber auch an Höfen von Erzbischöfen (z. B. in Salzburg) gab es eine Reihe von Hofbediensteten. Zu den wichtigsten HofĂ€mtern zĂ€hlten der Truchsess, der fĂŒr die herrschaftliche Tafel zustĂ€ndig war, sowie der Marschall, welcher Hofhaltung und Zeremoniell ĂŒberwachte und die Oberaufsicht ĂŒber die Wache fĂŒhrte. Der KĂ€mmerer wiederum war fĂŒr die zentrale Verwaltung des Besitzes eines Herrschers zustĂ€ndig. Diese Ämter waren besonders ehren- und verantwortungsvoll, daher wurden sie von mĂ€chtigen FĂŒrsten ausgefĂŒhrt. Weitere wichtige Ämter bei Hof waren der KĂŒchenmeister, der JĂ€ger- sowie der Forstmeister. Jeder Hof besaß fĂŒr die Verwaltung des Reiches und die Rechtssprechung zudem einen Hofrat mit Beratern sowie eine eigene Kanzlei. Auch die Wachen gehörten natĂŒrlich zum Personal bei Hof.

Das höfische Leben verlange, bestimmte Verhaltensregeln genau einzuhalten. Man spricht hier von höfischer Etikette. Die besonders geschĂ€tzten höfischen Tugenden waren u. a. Anstand (zuht), das Maßhalten (maze) und Freigebigkeit (milte). Aber auch fĂŒr das Verhalten bei Tisch bestanden Vorschriften (tischzuht). Man sollte nicht gerĂ€uschvoll essen, sich vor dem Trinken den Mund abwischen und sich nicht zu große StĂŒcke aus der SchĂŒssel nehmen.

WĂ€hrend der Alltag bei Hofe ziemlich eintönig ablaufen konnte, brachten Feste und Hoftage besonderes Leben mit sich. Diese waren verbunden einem Festmahl und Geschenken fĂŒr die GĂ€ste. Auch das Volk erhielt bei großen Festen Speise und Trank. NatĂŒrlich spielte die Musik an den Höfen eine wichtige Rolle. Doch diese wurde nicht nur zu großen Festen gespielt. Musiker und fahrende SĂ€nger machten immer wieder an Höfen und Burgen Station oder hielten sich dort fĂŒr lĂ€ngere Zeit auf. Sie unterhielten die höfische Gesellschaft mit ihren Werken.

Der 1519 in der Welser Burg verstorbene Kaiser Maximilian I. zelebrierte dieses höfische Leben besonders gern. Er ließ zudem Jagden und Turniere veranstalten. Die Herrscher konnten bei solchen Festen auch ihre Macht, ihre hohe Stellung und ihren Reichtum wirkungsvoll zur Schau stellen. Dieses Verhalten nennt man ReprĂ€sentation. Im Mittelalter war diese ReprĂ€sentation besonders wichtig, da sie eine gute Möglichkeit war, allen Anwesenden zu zeigen, wer der rechtmĂ€ĂŸige Herrscher ist.

 

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