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Der „Sieg“ der Gegenreformation in Oberösterreich


Trotz der Maßnahmen der Katholischen Reform in Oberösterreich konnten die Evangelischen – wenngleich unter erschwerten Bedingungen – ihren Glauben praktizieren. Doch die GegensĂ€tze zwischen Katholiken und Evangelischen wurden immer schĂ€rfer. 1619 wurde mit Ferdinand II. schließlich ein ĂŒberzeugter AnhĂ€nger der Gegenreformation Kaiser.

Ein Jahr spĂ€ter kam es am Weißen Berg bei Prag zu einem Kampf zwischen den lutherischen Adeligen aus Böhmen, die von den evangelischen Adeligen aus Oberösterreich unterstĂŒtzt wurden (Protestantische Union), und den katholischen Truppen von Kaiser Ferdinand, die von den Bayern UnterstĂŒtzung erfuhren (Katholische Liga). Der unmittelbare Anlass fĂŒr diese Schlacht war, dass Ferdinand II. 1617 auch König von Böhmen geworden war, was die evangelischen Mitglieder des böhmischen Adels nicht akzeptieren wollten. Die Protestantische Union verlor die Schlacht.

Als Dank fĂŒr ihre UnterstĂŒtzung erhielten die Bayern von Kaiser Ferdinand das Land ob der Enns (Oberösterreich) als Pfand. Ab 1620 kamen daher zahlreiche bayerische Soldaten, Beamte und katholische Priester aus Bayern in unser Gebiet und die Gegenreformation wurde in Oberösterreich mit aller HĂ€rte durchgesetzt. In der Folge kam es in hier auch zum Bauernkrieg des Jahres 1626.

1624 erließ Kaiser Ferdinand II. schließlich das so genannte Reformationspatent: Die evangelischen Schulen wurden schlossen, alle evangelischen Prediger und Lehrer wurden innerhalb von acht Tagen aus dem Land gewiesen. Die ĂŒbrige Bevölkerung musste sich binnen sechs Monaten entscheiden, ob sie evangelisch bleiben oder katholisch werden wollten. Blieben sie evangelisch, mussten sie das Land verlassen. GeschĂ€tzt wird, dass im Zuge der Gegenreformation rund 100.000 Menschen Österreich verließen. Unter ihnen war ein ĂŒberaus bedeutender Wissenschaftler, der mehr als zehn Jahre in Linz gelebt hatte: Johannes Kepler.

Manche lebten ihren Glauben aber ihm Geheimen weiter (Geheimprotestantismus). Sie versammelten sich in der Nacht zum Gottesdienst; ihre GebetbĂŒcher versteckten sie in Nischen, DoppelwĂ€nden und -böden oder in hohlen BĂ€umen.
ReformationskommissĂ€re, welche die Menschen mit Druck wieder zur katholischen Religion zurĂŒckfĂŒhren wollten, waren daher auch noch Mitte des 17. Jahrhunderts tĂ€tig. Ein besonders gefĂŒrchteter war Graf Joachim Enzmilner (Enzmillner), der sich in Windhaag bei Perg ein prĂ€chtiges Schloss mit einer umfangreichen Bibliothek erbauen ließ.

DAS SCHLOSS WINDHAAG

Joachim Enzmilner, Graf von und zu Windhaag, ließ sich in Windhaag bei Perg zwischen 1642 und 1648 ein Schloss erbauen, das mit zahlreichen Kunstwerken ausgestattet war. Die Bibliothek umfasste rund 22.000 BĂŒcher. Enzmilner hatte allerdings nur ein einziges Kind, das ĂŒberlebte: Eva Magdalena. Diese trat gegen den Willen ihrer Eltern ins Kloster ein. Nach dem Tod des Vaters 1678 ließ Eva Magdalena das Schloss abreißen und aus dem Baumaterial in Windhaag ein Kloster errichten. Dieses wurde bald darauf durch einen Brand zerstört, allerdings wieder aufgebaut. Als Eva Magdalena 1700 starb, hatte sie den ganzen Reichtum ihres Vaters fĂŒr die BautĂ€tigkeit aufgebraucht.

AUSFLUGSTIPP:

AUSFLUGSTIPP: Besuche das Museum in Altenburg (Gemeinde Windhaag bei Perg). Dort erfĂ€hrst du mehr ĂŒber Joachim Enzmilner, den Grafen von Windhaag. Außerdem kannst du am Enzmilner-Kulturwanderweg zwischen Windhaag, MĂŒnzbach und Altenburg wandern. Dort warten zahlreichen Wissensstationen auf dich.

Hier findest du mehr Information zum Museum in Altenburg und zum Enzmilner-Kulturwanderweg.

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