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Amerikanische Zone


Verbrüderungsverbot
Da Österreich im Zweiten Weltkrieg mit den Deutschen gekämpft hatte und nun ein ehemaliges Feindland (ex-enemy) der Amerikaner war, gab es zu Beginn der Besatzung für die Amerikaner das Verbot mit der österreichischen Bevölkerung Freundschaft zu schließen. Man nennt dies „Non-Fraternisation“ oder „Verbrüderungsverbot“.

Es war verboten, gemeinsam spazieren zu gehen, zu spielen oder gemeinsam etwas zu trinken – selbst das Händeschütteln mit Österreichern war den amerikanischen Soldaten nicht erlaubt. Vor allem bei den Kindern hielten sich die Soldaten aber überhaupt nicht an dieses Verbot: Sie freundeten sich rasch mit ihnen an und schenkten ihnen Süßigkeiten.

Immer wieder verliebten sich auch Frauen in amerikanische Soldaten und begannen mit ihnen ein Verhältnis. Das wurde von den Österreichern überhaupt nicht gern gesehen. Man bezeichnete diese Frauen abwertend als „Ami-Bräute“.

Neugierig auf Amerika …
Lange jedoch konnte das Verbrüderungsverbot nicht eingehalten werden – die amerikanischen Soldaten waren neugierig auf das Leben der Österreicher und umgekehrt war es genau so. Das Verbrüderungsverbot wurde deshalb schon im August 1945 wieder aufgehoben.

Außerdem brachten die Amerikaner viele neue Dinge aus ihrer Heimat mit, die es zuvor in Österreich nicht gegeben hatte: Soldaten verteilten Kaugummis und andere Süßigkeiten an die Kinder, sie brachten das Getränk Coca Cola nach Österreich und noch viele weitere Dinge, die man in Europa zuvor nicht gekannt hatte, wie Nylonstrümpfe oder spezielle Lebensmittel. Auch die Musikrichtung Rock ’n’ Roll lernten die Österreicher erst durch die Amerikaner kennen.

Ältere Leute, welche diese Zeit noch selbst miterlebt haben, erinnern sich meistens sehr positiv an die amerikanische Besatzung, obwohl es auch negative Erlebnisse mit den Amerikanern gegeben hatte: Es sind Beispiele bekannt, wo amerikanische Soldaten einfach Leute aus ihren Wohnungen hinauswarfen, um selbst dort einzuziehen.

 

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