Forum OÖ Geschichte

Langes Warten, banges Hoffen


Vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages herrschte eine lange Zeit des Bangens und des vergeblichen Verhandelns. Hoffnung und Hoffnungslosigkeit wechselten einander ab. Obwohl die Österreicher sich schon lange Zeit reif fĂŒr eine völlig selbstĂ€ndige Verwaltung und Politik fĂŒhlten, dauerte es dennoch lange, bis sich dieser Wunsch erfĂŒllte.

Kalter Krieg
Ein Grund fĂŒr die lange Wartezeit ist der „Kalte Krieg“, der zwischen dem von der UdSSR angefĂŒhrten sogenannten „Ostblock“ und dem von den USA angefĂŒhrten WestmĂ€chten herrschte. Zwischen den beiden GroßmĂ€chten war ein Kampf entbrannt, der mit AufrĂŒstung und Kriegsdrohungen, nicht aber mit Waffengewalt gefĂŒhrt wurde. Mitten in diesen Machtkampf hinein geriet Österreich. Denn hier waren sowohl die West- als auch die OstmĂ€chte durch Besatzungstruppen vertreten. Die Verhandlungen waren sehr schwierig geworden, denn es ging plötzlich nicht mehr nur um Österreich, sondern auch um den Einfluss der beiden gegnerischen Staaten in Europa und in der ganzen Welt. Stalin, das Staatsoberhaupt der Sowjetunion, ließ keine Verhandlungen zu. Erst nach seinem Tod im Jahr 1953 trat eine gewisse Entspannung ein, die letztlich im Jahr 1955 zu einer Einigung und zur Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages fĂŒhrte.

Moskauer Deklaration
Schon vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten im Jahr 1943 die Alliierten in der Moskauer Deklaration erklĂ€rt, dass Österreich zu den Opfern der deutschen Nationalsozialisten zĂ€hlte. Es sollte deshalb wieder als freier und unabhĂ€ngiger Staat errichtet werden. Darauf allerdings mussten die Österreicher lange warten.

In der Moskauer Deklaration wurde freilich auch die Mitschuld der Österreicher am nationalsozialistischen Terrorsystem und am Krieg betont. Denn viele Österreicher hatten nicht nur den Anschluss an Deutschland im Jahr 1938 begrĂŒĂŸt, sondern waren auch an Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt oder sahen tatenlos zu.

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In der Moskauer Deklaration wurde freilich auch die Mitschuld der Österreicher am nationalsozialistischen Terrorsystem und am Krieg betont. Denn viele Österreicher hatten nicht nur den Anschluss an Deutschland im Jahr 1938 begrĂŒĂŸt, sondern waren auch an Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt oder sahen tatenlos zu.
Noch lange nach dem Krieg aber benutzten die Österreicher die Moskauer Deklaration als Ausrede, selbst keine Mitschuld am furchtbaren Zweiten Weltkrieg zu haben.

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Aufhebung der Grenzkontrollen
Die Wartezeit war zu einer großen Belastung und zu einer Geduldprobe fĂŒr die Bevölkerung geworden. In Oberösterreich war es durch die doppelte Besatzung noch lange nicht möglich, sich frei zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Zone zu bewegen. Nach wie vor wurde auf der NibelungenbrĂŒcke in Linz oder auf der EnnsbrĂŒcke bei Enns – zumindest auf der russischen Seite – streng kontrolliert. Als schließlich am 8. Juni 1953 diese Grenzkontrollen aufgehoben wurden, feierte man in ganz Oberösterreich, und insbesondere in Linz ein Freudenfest. Von nun an brauchte man keinen auch keinen IdentitĂ€tsausweis mehr. Es gab einen Hoffnungsschimmer, dass Österreich bald seinen Staatsvertrag bekommen wĂŒrde. Aber es dauerte schließlich noch zwei ganze Jahre, bis es soweit sein sollte.

 

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