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Kinder nach dem Krieg


Hunger jeden Tag
Nach dem Krieg herrschte in fast allen Orten Oberösterreichs Chaos. FĂŒr Kinder war die Situation sehr schwierig. Viele von ihnen hatten ihre Familie verloren oder waren so arm, dass es kaum genug zu essen gab. Ein seltenes, aufregendes Erlebnis war es, wenn man von Soldaten SĂŒĂŸigkeiten oder Kaugummi geschenkt bekam. Kinder liefen den amerikanischen Soldaten nach und bettelten um „Sweets“ und „Chewing Gum“. Auch in der russischen Zone hatten die Kinder vor den Soldaten keine Angst, denn die russischen Soldaten waren ebenfalls sehr nett zu Kindern. Kinder sangen fĂŒr die Soldaten Lieder und konnten sich auf diese Weise Zuckerl und Schokolade „verdienen“.

Harte Arbeit
Auch Kinder mussten zu dieser Zeit hart arbeiten. Das Sammeln von Kohlen- und HolzstĂŒcken, von Tannenzapfen und Reisig, von KrĂ€utern und Beeren zĂ€hlte zur Arbeit, die Kinder verrichten mussten. Am Land wurden sie fĂŒr die Ernte- und Feldarbeit eingesetzt oder zum Aufpassen auf jĂŒngere Geschwister.

GefÀhrliche SpielplÀtze
FĂŒr viele Kinder war das Spielen mit liegen gebliebenen Fahrzeugen oder gefundener Kriegsmunition oder ein spannendes Erlebnis. Aber die Gefahr war groß, dass diese Geschoße noch explodierten. Das Spielen zwischen den TrĂŒmmern war ĂŒberaus gefĂ€hrlich, da die zerbombten GebĂ€ude in den StĂ€dten jederzeit einstĂŒrzen konnten.

Kindheit ohne Vater
Die Kinder waren mit der Angst groß geworden, ihren Vater oder Bruder im Krieg zu verlieren. Beinahe alle VĂ€ter waren in den Krieg gezogen. Zu Kriegsende kamen viele von ihnen nicht zurĂŒck, weil sie entweder im Krieg gestorben oder spĂ€ter in Kriegsgefangenschaft geraten waren. Einige kehrten erst nach mehreren Jahren heim. Buben mussten in die Rolle der VĂ€ter schlĂŒpfen und ihre Aufgaben ĂŒbernehmen. Sie mussten stark sein, die Geschwister beschĂŒtzen und die Mutter unterstĂŒtzen. Wenn der Vater nach einigen Jahren aus der Gefangenschaft zurĂŒckkehrte, war plötzlich wieder der Vater „der Mann im Haus“. Das war nicht immer einfach!

Der Krieg und die SchĂŒler
In der Schulchronik der ECS Wels-Pernau fĂŒhrte ein Lehrer im Jahr 1945 Aufzeichnungen ĂŒber den Verbleib von Familienangehörigen nach dem Krieg.

Von den SchĂŒlern ist der Vater gefallen bei

05

kam der Vater als KrĂŒppel bei

03

kam der Vater krank heim bei

08

kam der Vater noch nicht heim bei

20

ist der Bruder gefallen bei

06

kam der Bruder als KrĂŒppel heim bei

06

kam der Bruder krank heim bei

03

kam der Bruder noch nicht heim bei

15

ist die Wohnung durch Bomben vollstÀndig zerstört bei

08

teilweise zerstört bei

14

Quelle: Schulchronik ECS Wels-Pernau (Stand 15. 10. 1945)

 

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