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Neues Denkmal im Gedenken an Opfer des Todesmarsches am Friedhof Sierning

Am Sierninger Friedhof wurde im Rahmen eines feierlichen Gedenkaktes ein Denkmal fĂŒr zehn dort am 19. April 1945 erschossene ungarische Juden des Todesmarsches enthĂŒllt und das neu gestaltete Massengrab von 26 KZ-HĂ€ftlingen des KZ Saurer Werke vorgestellt.

Denkmal fĂŒr am Friedhof Sierning am 19. April 1945 erschossene ungarische Juden des Todesmarsches (c) Dr. Ines Bernt-Koppensteiner

Neu gestaltetes Massengrab von 26 KZ-HĂ€ftlingen des KZ Saurer Werke (c) Dr. Ines Bernt-Koppensteiner


Erinnern – gedenken – mahnen

Einen wichtigen Schritt in Richtung Aufarbeitung der jĂŒngeren Vergangenheit unternahmen die Pfarre und die Gemeinde Sierning am 26. Oktober 2017.

Im Zuge der Recherchen fĂŒr das Buch "nirgendwohin. TodesmĂ€rsche durch Oberösterreich im April 1945" konnten die nĂ€heren UmstĂ€nde des Todes der am Sierninger Friedhof in einem Massengrab bestatteten HĂ€ftlinge des KZ Saurer Werke in Wien-Simmering und der am Friedhof erschossenen ungarischen Juden eines Todesmarsches geklĂ€rt werden.
Kurz nach dem Erscheinen des Buches entschlossen sich Pfarrer Mag. Karl Sperka und BĂŒrgermeister Manfred Kalchmaier, ein Mahnmal fĂŒr die in der Gemeinde ermordeten Opfer des NS-Regimes zu setzen.

Im Zusammenwirken von Gemeinde, Pfarre und Mauthausen Komitee Steyr, vertreten durch Mag. Karl Ramsmaier, entwarf der Sierninger Bildhauer Mag. Karl Reiter eine schlichte, aussagekrÀftige GedenkstÀtte und gestaltete das Massengrab neu. Der Hinweis "erschöpft - erschlagen - erschossen" bezeugt das Schicksal der hier bestatteten Opfer. 23 zugeklappte TÀfelchen erinnern daran, dass den Verfolgten bewusst ihre IdentitÀt genommen wurde, sodass wir auch heute ihre Namen nicht kennen. Drei aufgeklappte kleine Tafeln tragen die Namen derer, die im Laufe der Nachforschungen identifiziert werden konnten.

Das Mahnmal am Eingang des Friedhofs in unmittelbarer NĂ€he des Exekutionsortes der ungarischen Juden weist durch die Einschusslöcher auf die dort stattgefundenen Erschießungen am 19. April 1945 hin. Die erwĂ€hnte Zahl "10 Opfer" wurde einem Exhumierungsprotokoll vom 14. MĂ€rz 1946 entnommen. Zeitzeugen sprechen von mehr jĂŒdischen Opfern, was aber durch Archivquellen bisher nicht belegt werden konnte.

Dieses Mahn-Denk-Mal fĂŒr die ungarischen Juden im Eingangsbereich wurde in einem feierlichen Gedenkakt am 26. Oktober 2017 um 17 Uhr enthĂŒllt und das neu gestaltete Massengrab an der SĂŒdseite des Friedhofs in einer Lichterprozession besucht.

Damit ist nach Kirchdorf, wo seit 2015 vor der evangelischen Kirche ein Denkmal steht, in einem weiteren Ort, durch den diese Todeskolonne im April 1945 getrieben wurde, ein Erinnerungszeichen gesetzt und wenigstens drei KZ-Opfern ihre IdentitĂ€t, die ihnen bewusst geraubt wurde, zurĂŒckgegeben.
Es soll aber auch uns Nachgeborene zu Zivilcourage ermutigen, nicht wegzuschauen, wenn Ausgrenzung, Diskriminierung, Unrecht geschehen.

Autorin: Dr. Ines Bernt-Koppensteiner, September 2017

 

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