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Stanzel, Rudolf: Die historische Proviantstra├če. Stra├če mit Vergangenheit ÔÇô Wanderweg mit Zukunft. 2005

Wanderung des Jahres 2005: Die historische Proviantstra├če | Stra├če mit Vergangenheit ÔÇô Wanderweg mit Zukunft | Vom Markt Windischgarsten in das Ennstal und weiter zum Erzberg | Von OSR Rudolf Stanzel | 2005

Der Markt Windischgarsten, Quelle: Franziszeischer Kataster, DORIS

Wanderung des Jahres 2005

DIE HISTORISCHE PROVIANTSTRASSE. Stra├če mit Vergangenheit ÔÇô Wanderweg mit Zukunft. Vom Markt Windischgarsten in das Ennstal und weiter zum Erzberg

 

DIE VERGANGENHEIT

Die Stra├če ├╝ber den Hengstpass war von altersher eine wichtige Verbindung zwischen dem Garstnertal und dem mittleren Ennstal. Als Saumpfad d├╝rfte der Pa├č schon von den Kelten begangen worden sein. Einige Funde im Dambachtal weisen darauf hin. Die R├Âmerzeit brachte mit der norischen Reichsstra├če ├╝ber den Phyrn den Anschlu├č an ein ÔÇô wir w├╝rden heute sagen ÔÇô internationales Verkehrsnetz, das Windischgarsten/Gabromagus dank des ├ťberganges in das Ennstal zu einer kleinen Handelsniederlassung gedeihen lie├č.

Gr├Â├čere Bedeutung erhielt der Hengstpa├č etwa 1000 Jahre sp├Ąter, als sich zum Ende des Mittelalters die Eisengewinnung am Erzberg und die Verarbeitung in den nahegelegenen T├Ąlern rasch entwickelte. Kaiser Friedrich III. verstaatlichte 1449 sowohl die Eisen- wie auch die Salzwirtschaft, indem er zur Verwaltung dieser Kammerg├╝ter eigene Beamte einsetzte. Das war sozusagen die Geburtsstunde der Eisenwurzen und des Salzkammergutes.

In der Eisenwurzen ergaben sich zwar bald gr├Â├čere Probleme: die Ern├Ąhrung der vielen Arbeiter in der engen, landwirtschaftlich wenig ertragreichen Gebirgst├Ąlern rund um den Erzberg wurde zunehmend schwieriger. ├ähnlich war es bei der Versorgung mit Holzkohle, die sowohl bei der Erzeugung des Eisens wie auch bei seiner Verarbeitung in immer gr├Â├čeren Mengen notwendig war. Die habsburgischen Kaiser mussten eingreifen, um einen Zusammenbruch der Eisenindustrie und das Versiegen einer wichtigen Einnahmequelle zu verhindern. Die sogenannten Widmungsbezirke wurden geschaffen.

Zur Besorgung des Proviantes erhielten die Eink├Ąufer aus der Eisenwurzen gewisse Vorrechte. So durften sie auf dem Markt in Windischgarsten als erste einkaufen. Hatten sie ihren Bedarf gedeckt, dann erst waren die anderen an der Reihe.

Mit Ro├č und Wagen wurden die Lebensmittel ├╝ber den Hengstpass in das Ennstal gebracht, und die Stra├če erhielt den Namen ÔÇ×Proviantstra├čeÔÇť.

1625 schlossen sich die Radherren (Verh├╝ttung), die Hammerherren (Schmieden) und die Verleger (Handel) zur m├Ąchtigen Innerberger Hauptgewerkschaft zusammen. Innerberg war die Bezeichnung f├╝r das Gebiet auf der Nordseite des Erzberges, die Stadt Eisenerz hie├č fr├╝her so. Der Hauptort auf der S├╝dseite war Vordernberg. Auch die Innerberger Herren erkannten die Bedeutung der Proviantstra├če ├╝ber den Hengstpass und ├╝bernahmen zeitweilig die Kosten der Erhaltung.

Die Fuhrwerke kehrten nat├╝rlich nicht leer nach Windischgarsten zur├╝ck. Sie durften aber keineswegs das gute, f├╝r die Versorgung der Sensenwerke und f├╝r den Fernhandel vorgesehene Eisen transportieren, sondern nur schlechtere Eisensorten, die man bald als ÔÇ×ProvianteisenÔÇť bezeichnete. Die Innerberger Hauptgewerkschaft duldete keine Konkurrenz.

 

DER WANDEL

Der erste B├╝rgermeister von Windischgarsten, der Lehrer Leopold Westermayr (1850-1867), war ein weitblickender Mann. Mit Geschick und Eifer betrieb er einen Neubau der alten Proviantstra├če und fand daf├╝r von Windischgarsten bis zu Laussabaueralm, also auf einer L├Ąnge von 14 km, eine vollkommen neue Trasse.

Beim Anlegen der alten Stra├čen hatten n├Ąmlich unsere Vorfahren die Flu├čt├Ąler gemieden, denn dort gab es Hochwasser und die Erhaltung der Br├╝cken war kostspielig. Sie blieben auf den H├Ąngen hoch ├╝ber dem Flu├čbett und nahmen daf├╝r Umwege und auch steile Wegstrecken in Kauf.

Mitte des 19. Jahrhunderts er├Âffnete die Technik neue M├Âglichkeiten, und so wagte man, die neue Hengstpa├čstra├če entlang des Dambaches zu bauen, auch wenn der Bach bis Rosenau f├╝nfmal ├╝berquert werden musste. Das Nadel├Âhr beim Pfarrhof in Windischgarsten war das letzte und schwierigste St├╝ck. Dort musste ein Bauernhof weichen, damit man den Durchstich am Dambach entlang anlegen konnte.

Als 1860 die neue Hengstpa├čstra├če er├Âffnet wurde, entlastete sie die Proviantstra├če vom Durchzugsverkehr, sodass sie sich wandeln konnte: in Ortsn├Ąhe wurde sie eine Gemeindestra├če, weiter drau├čen zu einem G├╝terweg und auf weite Strecken zu einem herrlichen Wanderweg. Der Beschaulichkeit ├╝berlassen, wurde die Altstra├če unter den Spazierg├Ąngern und Wanderern immer beliebter. Sie sch├Ątzen die reizvollen Ausblicke auf das Tal, auf die wechselnden Kulissen der Gipfel und sp├╝ren auch die Romantik der Geschichte, die sich auch in den vielen Kapellen und Wegkreuzen ausdr├╝ckt. Au├čerdem finden sich Rastst├Ątten in angemessenen Abst├Ąnden, damit keinem Wanderer auf der Provianstra├če der Proviant ausgeht. Es bieten sich auch genug M├Âglichkeiten, auf k├╝rzeren oder l├Ąngeren Wegen wieder heimzukehren.

 

VERLAUF UND ERLEBNIS

Gleich zu Beginn in Windischgarsten an der Stra├čengabel links Hengst ÔÇô rechts Pyhrn, bieten sich zwei M├Âglichkeiten: entweder folgt man dem Dambach und den Schildern des Millionenweges ÔÇô das w├Ąre allen geologisch Interessierten und Sonnenempfindlichen zu empfehlen ÔÇô oder man folgt ÔÇô wie wir es tun ÔÇô wirklich der alten Proviantstra├če steil hinauf zum Pfarrhof. Nach einer guten Stunde treffen beide Wege im Fraitgraben wieder zusammen.

Uns f├╝hrt nun der Rosenauerweg, auf dem die Millionenwanderer heimkehren, leicht steigend aus Windischgarsten hinaus auf eine Anh├Âhe. Der Rundblick ist gewaltig. Im Westen imposant der Stoderkamm, im Norden das langgestreckte Sengsengebirge und im Osten die Hallermauern mit dem Pyhrgas.

Von der St├╝blh├Âh hinunter in das D├Ârfl m├╝sste es geologisch hei├čen: von der Mor├Ąne hinunter in das Zungenbecken des Gletschers der W├╝rmeiszeit. Er ist eindeutig an den Resten des Edlbacher Moores und der schwarzen Erde zu erkennen. Jetzt entsteht dort die Pyhrn-Priel Golfanlage [Stand 2005, Anm. d. Red.].

Sanft wellig geht es bergan, aber beim Geh├Âft ÔÇ×Hansel im GrabenÔÇť stehen wir j├Ąh vor einem steilen Abbruch. Die Mor├Ąne ist von den Schmelzwassern weggesp├╝lt worden und ein kleiner Nachkomme, der Fraitbach schl├Ągelt sich unten dahin. Der Fraitgraben wird beim Pilgerkreuz gequert. Fr├╝her war dort eine Furt, heute steht uns eine Br├╝cke zur Verf├╝gung. Ein sch├Âner, 70 Mio. Jahre alter Schneckenstein aus dem Gosaumeer ist dort zu bewundern. Links kommt der Millionenweg von einem Wasserfall herauf und rechts ginge es zur renovierten Ramitscheder M├╝hle.

Der Proviantweg verl├Ąsst den Graben, erreicht wieder das Mor├Ąnenniveau der vorhergehenden Seite und zieht dann hinauf zum Gasthof Zottensberg. Bei der neuen Hubertuskapelle wieder ein wundersch├Âner Ausblick ├╝ber das ganze Garstnertal. Am Abhang des Imitzberges entlang geht es dem Dambachtal entgegen. Links unten liegt der Ort Rosenau am Hengstpa├č mit dem gro├čen Holzplattenwerk, einst ein Sensenwerk. Das hohe Alter der Trasse dokumentiert sich in der Dirngraber und gleich darauf in der Sagbauern Kapelle. Die Stra├če quert nun das breite, vom Gletscher ausgehobelte Dambachtal. Auch hier hat das Eis in einem kleinen Moor, in sch├Ânen Endmor├Ąnen mit einem Teich seine Spuren hinterlassen.

An zwei Wegkreuzen, und fast an der Jausenstation Ebental vorbei nimmt der Weg wieder ein steiles St├╝ck in Angriff, um aus dem Tal herauszukommen, die Roseleiten. Eigentlich m├╝sste sie ÔÇ×Rosse leidenÔÇť hei├čen, so ÔÇ×gachÔÇť und weit geht es dort bergauf. Dann kommt aber schon der h├Âchste Punkt der Proviantstra├če und man erreicht die Egglalm mit der Schmerzensmann-Kapelle. Das beh├Ąbige, stockhohe Rasthaus und die Wirtschaftsgeb├Ąude weisen darauf hin, dass hier einst ein richtiger Bauernhof ganzj├Ąhrig bewirtschaftet wurde. Von dort geht es bergab zur Kapelle vom Roten Kreuz. Sie wurde vor einigen Jahren neu errichtet und mit dem traditionellen, heute nur mehr in Freilichtmuseen zu findenden, Rantlhang gesch├╝tzt. Von der Pa├čstra├če herunter st├Â├čt hier der vom Nationalpark gestaltete Almenweg auf den Proviantweg. Bei der Jausenstation Laussabauernalm kommt man wieder auf die heutige Hengstpa├čstra├če und zur Landesgrenze.

Zum Schluss sei noch verraten, dass auch der Pflanzenliebhaber und der Schwammerlfreund in diesem Almgebiet auf seine Rechnung kommt.

 

Reine Gehzeit: 4-5 Stunden


Autor: Rudolf Stanzel, 2005

 

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