Forum OÖ Geschichte

Steyrdurchbruch. Ein geologisches PhÀnomen | Rudolf Stanzel

In ErgĂ€nzung zum Blogeintrag ĂŒber das Alleinstellungsmerkmal des Bezirkes Kirchdorf entstand ein weiterer Kurzbeitrag zum Steyrdurchbruch von OSR Rudolf Stanzel.

Steyrdurchbruch (Foto: Dralon) - wikipedia (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)


STEYRDURCHBRUCH. Ein geologisches PhÀnomen


Die meisten Aufnahmen vom Steyrdurchbruch zeigen das schöne JugendstilgebĂ€ude des E-Werkes im Vordergrund, dann sieht man die tiefe Schlucht, den Durchbruch der Steyr. Meist kann man am Ende dieser Klamm eine Konglomeratwand erkennen, wie sie fĂŒr das ganze Steyrtal charakteristisch sind. Aber gerade hier hat die Ursteyr fĂŒr ein kurzes StĂŒck nicht in das ihr von den GletscherbĂ€chen vorgezeichnete Schotterbett gefunden. Sie musste sich hier durch einen querstehenden RĂŒcken von Dolomitgestein sĂ€gen. Die Ursache fĂŒr dieses PhĂ€nomen finden die Geologen in eiszeitlichen VorgĂ€ngen.

Die letzte Eiszeit (WĂŒrm) endete vor 12.000 Jahren. Ihr Gletscher reichte aus dem Ennstal ĂŒber den Pyhrn nur bis in das Becken von Windischgarsten. Die gewaltigen Massen des Schmelzwassers fĂŒllten zuerst das untere Teichltal und dann das Steyrtal mit Schotter an (Niederterrasse). Als es kein Eis mehr gab und die GletscherbĂ€che versiegten, musste sich das spĂ€rliche OberflĂ€chenwasser sein eigenes Bett suchen. Unser heutiges Flussnetz entstand. Aber die FlĂŒsse hatten es nicht einfach, denn die von den Gletschern geschaffenen TĂ€ler waren fĂŒr sie viel zu breit. PopulĂ€r ausgedrĂŒckt: die FlĂŒsse „schlottern“ eigentlich durch die vom Eis geschaffenen TĂ€ler.

Beim Steyrdurchbruch verstellte eine Schotterbank der Ursteyr den Weg und die Steyr begann, sich in den Dolomitsporn zu graben. Einmal ein GefĂ€lle gefunden, blieb es dabei. Im Fels konnte die Steyr nicht mehr schlottern und mit gebĂŒndelter Kraft schuf sie im Laufe der Zeit die romantische Klamm, den Steyrdurchbruch.

 

(Rudolf Stanzel, im Juni 2016)



© 2019