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Alleinstellungsmerkmal fĂŒr den Bezirk Kirchdorf. Ein Vorschlag von Rudolf Stanzel

OSR Rudolf Stanzel aus Windischgarsten, passonierter Heimatforscher und profunder Kenner der Region, hat einige Überlegungen zu den geologischen Besonderheiten des Bezirkes Kirchdorf formuliert.

Die Teichl auf der Wurzer Alm mit einer durch Erodierung abgeschnittenen Schlinge (Foto: OSR Rudolf Stanzel)

Teichlboden auf der Wurzer Alm. Niedermoor mit MĂ€ander, links kennzeichnen Latschen das Hochmoor. (Foto: Windischgarstner Kurier)

Das Foto zeigt eine fĂŒr die Teichlschlucht typische Konglomeratwand. (Foto: Chr. Habersack, Quelle: Windischgarstner Kurier)


ALLEINSTELLUNGSMERKMAL FÜR DEN BEZIRK KIRCHDORF
Ein Vorschlag von Rudolf Stanzel



FrĂŒher war man mit Besonderheit, Einzigartigkeit zufrieden, heute muss es ein ASM, ein Alleinstellungsmerkmal sein, um auszudrĂŒcken, was den Bezirk auszeichnet, was nur er besitzt. Durch meine langjĂ€hrige TĂ€tigkeit als Heimatforscher bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die Entwicklung unserer Landschaft wĂ€hrend der Eiszeiten wirklich ein ASM ist. Noch kenne ich keinen Bezirk in Österreich, dessen morphologische Ausgestaltung durch die Gletscher der Eiszeiten so einzigartig und vielfĂ€ltig ist.

Drei TĂ€ler kennzeichnen unseren Bezirk, und drei FlĂŒsse kann man ihnen zuordnen: die Krems, die Steyr und die Teichl. Drei TĂ€ler, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten. Dieser Umstand hat vor allem in der Entwicklung zum Ende der letzten, der WĂŒrm-Eiszeit, seine Ursache.

Die drei vorausgegangenen, grĂ¶ĂŸeren Eiszeiten hatten von den Alpen aus einen geschlossenen Eisschild aufgebaut, dessen EndmorĂ€nen im Alpenvorland liegen. Die SteinbrĂŒche von KremsmĂŒnster und eine markante SeitenmorĂ€ne, die sich von dort bis zum Magdalensberg zieht, sind gute Beispiele dafĂŒr.

Jetzt kommt das Besondere. Der WĂŒrmgletscher, ĂŒber den Pyhrnpass kommend, blieb im Becken von Windischgarsten stecken und ließ dort schon seine EndmorĂ€nen liegen. Er erreichte das Alpenvorland wie der Traun- und der Salzachgletscher nicht mehr. Beim Abschmelzen fĂŒllten die GletscherbĂ€che die TĂ€ler mit Schotter aus, aber nur entlang der Teichl und der Steyr. Das Kremstal blieb davon verschont, weil der Hungersbichl bei Klaus der Steyr den Weg verlegte und sie nicht in das Kremstal ließ. Das wirkte sich auch in der morphologischen Gestaltung deutlich aus und bildet so ein wichtiges ASM!

Ich kenne keine Gegend in Österreich, wo zwei so unterschiedliche TĂ€ler nebeneinander entstanden sind. Da der tief eingrabende Fluß mit den Konglomeratschluchten – dort der breite, frĂŒher versumpfte Talboden; da die wilde, aggressive Steyr – dort die ruhige, gemĂ€chliche Krems mit flachen Ufern.

Wieder ganz anders die dritte Tallandschaft, das Garstnertal.

Die Teichl hat einen so extravaganten (Lebens)Lauf, dass ich ihr den Titel D i v a  gegeben habe. Schon der Ursprung ist unvergleichlich. Es ist eigentlich ein TĂŒmpel, der aber den stolzen Namen Brunnsteinersee trĂ€gt. Schon nach einer kurzen Strecke verschwindet die Teichl zum erstenmal und taucht dann im Kessel der Wurzeralm auf. Ein kurzer Hinweis fĂŒr die Geologen: die Polje Wurzeralm ist eine Jurainsel im Triasmeer.

Die Teichl mĂ€andert zuerst durch ein Hochmoor und dann im Teichlboden durch ein oft verkanntes Niedermoor, das allerdings hoch, nĂ€mlich auf 1500 m liegt. um dann ganz zu verschwinden. Zuerst kann man sie im Untergrund noch rumoren (rodln) hören, dann aber treibt sich das Teichlwasser im Höhlensystem des Warscheneckstockes umher und nur ein Teil davon – das haben Markierungsversuche ergeben – tritt 700 m tiefer im Tal beim Teichlursprung wieder aus.

Bei der Leonhardikirche hĂŒpft sie ĂŒber den Wall eines Felssturzes hinunter, in Spital am Pyhrn verlegen ihr MorĂ€nen den Weg, zwingen sie nach Westen in die Gleinkerau, wo sie dann endlich das Windischgarstner Becken erreicht, das am Ende der Eiszeit (ca. 12.000 v. Chr.) ein tiefer See war, den sie mit ihrem Geschiebe auffĂŒllen musste. Diese TĂ€tigkeit der Teichl erkennt man heute noch an den flachen Ufern. Von Teichlbruck an Ă€ndert sich das entscheidend.

GestĂ€rkt durch den Dambach zeigt sich die Diva jetzt von einer ganz anderen Seite. Von der Stillen – was ihr slawischer Name besagt – wird sie zum rauschenden Gebirgsbach mit steilen Ufern, vielen SchotterbĂ€nken, Schnellen und TĂŒmpeln, ein Dorado fĂŒr Fischer und Kanuten.

Bis zu ihrer MĂŒndung grĂ€bt sich die Teichl ĂŒber 40 m in die Niederterrasse ein und schafft damit die nur Einheimischen bekannte Teichlschlucht, die genauso wie die Steyrschlucht unter Schutz gestellt werden sollte, denn schon nagen die Bagger daran oder – schlimmer noch – droht das Verschwinden in einem Stausee.

Das Einzigartige besteht darin, dass solche Konglomeratschluchten sich nur in jenen TÀlern erhalten, wo der letzte Gletscher nicht mehr bis in das Alpenvorland vordrang. Schnell ist unwiederbringlich zerstört, was in Jahrtausenden entstand.

Drei TĂ€ler, drei FlĂŒsse, drei Landschaften – diese einzigartige Dreimaligkeit mĂŒsste als Alleinstellungsmerkmal fĂŒr den Bezirk Kirchdorf genĂŒgen.

(Rudolf Stanzel, im Mai 2016)



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