Forum O√Ė Geschichte

Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit


Die Schule

1872 wurde unter tatkr√§ftiger Mithilfe (= Robot) der Bev√∂lkerung ein neues Schulgeb√§ude errichtet. Um die Jahrhundertwende besuchten 310 Kinder diese Schule. Obwohl sich 1889 in der zweiten Klasse 108 (!) Kinder befanden, wehrte sich die Gemeinde gegen eine Teilung dieser Klasse. Der L√∂sungsvorschlag der Gemeinde: 8 Kinder bleiben sitzen und wiederholen die Klasse. Nach Elternprotesten wurden bis 1901/02 die Klassen im Halbtagsunterricht gef√ľhrt.

1900 wurde beschlossen das Schulhaus um ein Stockwerk zu erweitern.

1901 fasste die Gemeinde den Beschluss, dass die (hohe) Biersteuer zur Deckung und Tilgung der Schulhaus-Baukosten verwendet werden.

Ab 1902 mussten die Eltern die Schulsachen f√ľr ihre Kinder selbst bezahlen, nur in Notf√§llen die Gemeinde. Die Ortschaft Unterneufahrn wurde aus dem Schulsprengel Oftering aus- und in den Schulsprengel Marchtrenk eingegliedert. Anl√§sslich des 60j√§hrigen Regierungsjubil√§ums von Kaiser Franz-Josef wurden vier neue Lehrerwohnungen mit 6 Zimmern und zwei K√ľchen, ein Gemeindeausschuss-Sitzungssaal und zwei Gemeindekanzleien als Anbau an das Schulhaus errichtet.

1914 verlangte der Jagdp√§chter, dass das Holzsammeln und Beerenpfl√ľcken verboten wird. Die Schulkinder sollten keine Vogelnester und H√ľhnergelege zerst√∂ren und auch das Wild nicht beunruhigen. Da der Rauchfangkehrer-Meister die Kamine durch eine l√§ngere Zeit nicht reinigte, musste wegen der rauchenden √Ėfen der Unterricht eingestellt werden.

Schuldirektor von 1897 bis 1926 war Rudolf Rainer. Er wurde Ehrenb√ľrger.

1925 wurde gemäß des Bundesgesetzes 413 die Neukonstituierung des Ortsschulrates beschlossen. An die Stelle des Ortsschulinspektors mussten dem Ortsschulrat 6 Vertreter der politischen Parteien angehören.

1928/29 wurde in der 6ten Klasse f√ľr Knaben ein Handfertigkeitsunterricht eingef√ľhrt. Es sollten Vorkenntnisse f√ľr gewerbliche Berufe erworben werden. Es kam auch zur Gr√ľndung einer b√§uerlichen Fortbildungsschule, die 18 Burschen und 5 M√§dchen besuchten.

1929 gab es in der 1. Klasse 75 Kinder. Es wurde ein Lehrmittelzimmer und das Wohnzimmer einer Lehrerin zu einer Klasse vereint. Erstmalig wurde auch ein schul√§rztlicher Dienst eingef√ľhrt. Es gab erstmals den Schulfunk mit einem 3-R√∂hren-Apparat.

1930 sprach der sozialdemokratische Gemeindevertreter Max Zauner den Wunsch aus, dass alle Kinder mit Schulb√ľchern von der Gemeinde beteiligt werden m√∂gen.

1931 trat Oberlehrer Vinzenz M√ľller in den Ruhestand. Vom Unterrichtsministerium erhielt er den Titel ‚ÄěDirektor‚Äú. Er wurde auch zum Ehrenb√ľrger ernannt.

Ab 1931 erhielt die Evangelische Schule in Jebenstein f√ľr Lehrmittel eine Unterst√ľtzung von S 100,-. 1938 wurde eine Zahlung abgelehnt, da die Konfessionsschulen abgeschafft wurden.

1833 wurde von Pfarrer Biedermann das ‚ÄěGoldene Buch‚Äú eingef√ľhrt. Es war dies ein Ehrenbuch in das am Ende des Schuljahres die flei√üigsten und bravsten Sch√ľler eingetragen wurden. Das Buch wurde bis 1873 gef√ľhrt und seit 1933 wird es wieder weitergef√ľhrt.

Text: Reinhard Gantner, 2018
 


"Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 20. bis 28. Oktober 2018 im Full Haus Marchtrenk.

© 2019