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Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit


Karl Rössing

Ein sehr bekannter Künstler, den kaum wer in Marchtrenk kennt
Geboren wurde er am 25. September 1897 in Gmunden. Der Vater war Schlossverwalter des Herzogs von Cumberland ebenda. Studium an der Kunstgewerbeschule in München, dann Rückkehr nach Gmunden.

  • 1922 Heirat mit der Künstlerin Erika Glöckner.
  • 1922 – 1931 Berufung an die Kunstgewerbeschule in Essen und ab 1926 Professor an der Folkwangschule.
  • 1931 – 1934 in Linz.
  • Von 1934 – 1944 Lehrtätigkeit an der staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin- Schöneberg. Gegen Ende des Krieges wird seine Wohnung mit vielen unersetzlichen Kunstwerken zerstört.
  • 1947 Berufung an die staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, 1953 – 1955 Rektor der Akademie.
  • 1961 Wahl zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
  • 1962 Ehrenmitglied der Akademie in Stuttgart.
  • Ende 1977 Ãœbersiedelung nach Marchtrenk zu seiner Nichte Inge Linsboth, die ihm in der Griesmühle ein zu Hause bot. Er starb am 19.8.1987 in Wels.

Zahlreiche Ausstellungen in München, Nürnberg, Albertina in Wien, Staatsgalerie Stuttgart, Landeskulturzentrum Ursulinenhof in Linz, Kunsthistorisches Museum in Wien, etc.

Der Künstler erkennt bei sich selbst mehrere Schaffensperioden. Das Frühwerk und die Lebensmitte waren dem Holzstich und der Buchillustration gewidmet. Zwischen 1917 und 1955 hat Karl Rössing 52 Buchtitel illustriert. 1949/1950 endet mit 181 Stichen zur Odyssee von Homer das Holzstichwerk. Es beginnen die großformatigen Linolschnitte. Diese Schaffensperiode hat Rössing 1982 beendet. Er beginnt neu mit Entwürfen zu großformatigen Zeichnungen. In späteren Jahren folgen Eigenschöpfungen und Bildwerke, die zum Teil zeitkritisch sind.

Karl Rössing hat in Zyklen gearbeitet. Einer größeren Kunstöffentlichkeit wird er durch sein Werk „Mein Vorurteil gegen diese Zeit“ bekannt, das im Jahr 1932 in einem Berliner Verlag erscheint. Da die Inhaber des Verlags Juden waren, verboten die Nationalsozialisten dieses Buch, jedoch ohne ihn in die Reihe der „Entarteten Künstler“ zu stellen. Zwischen 1927 – 1931 entstanden die Holzstichzyklen „Bilderbuch für Erwachsene“ und „Traumblätter“.

Karl Rössing war Humanist im klassischen Sinn. Er ist ein Einzelgänger gewesen und hat in der Kunst des 20. Jahrhunderts eine gewisse Sonderstellung eingenommen, die ihn zu Zeiten auch isoliert hat und die dem verdienten Ruhm im Wege stand.

Text: Reinhard Gantner, 2018
 


"Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 20. bis 28. Oktober 2018 im Full Haus Marchtrenk.

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