Forum O√Ė Geschichte

Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit


Die österreichische Währung. Lagergeld. Notgeld

Kronen und Heller
1892 erfolgte mit der Einf√ľhrung der Kronenw√§hrung die dringend notwendige W√§hrungsreform. Der Gulden wurde durch die Krone zu je 100 Heller ersetzt.

1900
wurde die Krone alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel.

1914 ‚Äď 1918
Es begann der Verfall der Kronenw√§hrung. Der Gro√üteil der Mittel f√ľr den Krieg wurde durch Kriegsanleihen, vor allem aber durch Verschuldung des Staates bei der Nationalbank aufgebracht. Die Geldmenge stieg w√§hrend des Krieges von 3,4 auf 42,6 Milliarden Kronen. Die Verbraucherpreise erh√∂hten sich um etwa das Sechzehnfache.

1919
√Ėsterreich lie√ü ab 12. M√§rz die Banknoten mit dem Aufdruck ‚ÄěDeutsch√∂sterreich‚Äú versehen. M√ľnzgeld war bereits w√§hrend des Krieges knapp geworden. Zuerst verschwanden die Silber- und Goldm√ľnzen, dann die Scheidem√ľnzen aus Kupfer und Nickel. An ihrer Stelle gab es nur mehr M√ľnzen aus Eisen.

Lagergeld
F√ľr die Kriegsgefangenen bestand in den Lagern die M√∂glichkeit Geld zu verdienen. Durch das Lagergeld sollte eine Flucht der Gefangenen erschwert werden, damit sie sich nicht Zivilkleidung und Lebensmittel beschaffen konnten.

Marchtrenk: ‚ÄěDie gefangenen russischen Bauern verrichteten Erd- und Feldarbeiten. Sehr viele waren im Inneren des Lagers besch√§ftigt beim Bau der Baracken, bei der Kanalisation, Legung der R√∂hren, der Eisenbahnlinie, usw. F√ľr die Arbeit erhielten die Kriegsgefangenen einen geringen Lohn, nur Handwerker hatten die M√∂glichkeit 80 bis 150 Heller t√§glich zu verdienen‚Äú.

Notgeld
Bereits Ende 1918 hatte sich der Kleingeldmangel so zugespitzt, dass das Finanzministerium den √∂ffentlichen K√∂rperschaften empfahl in Eigenregie ‚ÄěNotgeld‚Äú auszugeben. In etwa lie√üen 1.300 Gemeinden ‚Äď teils sehr aufwendig wegen der Sammler ‚Äď Notgeld drucken.

1921
Im Sommer geriet die Geldentwertung au√üer Kontrolle. Im August erreichten die Lebenshaltungskosten das 14.000fache der Vorkriegszeit. Das Geld war ‚Äěwertlos‚Äú geworden. W√§hrend viele ihre Besitzt√ľmer zu einem Spottpreis ver√§u√üern mussten, bereicherten sich Schieber und Spekulanten. Auf der Suche nach einem S√ľndenbock erhielten antisemitische und fremdenfeindliche Ressentiments neue Nahrung.
 

1922
√Ėsterreich erhielt ‚Äď unter Hinweis auf eine drohende Staatskrise ‚Äď vom V√∂lkerbund eine Anleihe in der H√∂he von 650 Millionen Goldkronen gew√§hrt. Es wurden strenge Kontrollen auferlegt.

1924
mit Gesetz vom 20.12.1924 wurde die Schillingrechnung eingef√ľhrt und ein Umrechnungskurs von 10.000 Kronen zu einem Schilling festgelegt.

1925
Stabilit√§t bildete ‚Äď nach den Erfahrungen der Hyperinflation und des W√§hrungszusammenbruchs ‚Äď das oberste Prinzip der √∂sterreichischen Wirtschaftspolitik. Der Schilling erhielt im Volksmund die Bezeichnung ‚ÄěAlpendollar‚Äú.

1938
Mit dem 12. M√§rz 1938 endete die staatliche Souver√§nit√§t. F√ľnf Tage sp√§ter wurde die deutsche Reichsmark als W√§hrung eingef√ľhrt. Der Umrechnungskurs betrug 1 Reichsmark zu 1,50 Schilling. Diese Aufwertung war eine populistische Ma√ünahme des nationalsozialistischen Regimes, um die eigentlichen Ziele der Okkupation zu verdecken. Durch den Zugriff auf den Gold- und Devisenschatz der √Ėsterreichischen Nationalbank konnten die v√∂llig ersch√∂pften Devisenreserven des NS-Staates wieder aufgef√ľllt werden. 78,3 Tonnen Feingold im Wert von 467,7 Millionen Schilling, sowie Devisen und Valuten im Wert von 60,2 Millionen Schilling wurden nach Berlin transferiert.

Quelle: √Ėsterreichische Nationalbank
Text: Reinhard Gantner, Christian Fischer, 2018


"Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 20. bis 28. Oktober 2018 im Full Haus Marchtrenk.

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