Forum O├ľ Geschichte

Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit


Verkehr - Stra├čen

In Marchtrenk gab es mehrere Kategorien von Verkehrswegen:
Gemeindestra├čen I. und II. Kategorie, Bezirksstra├čen und die Reichsstra├če. Die Stra├čen wurden regelm├Ą├čig im Fr├╝hjahr und Herbst beschottert. Das Material wurde aus der Gemeindeschottergrube bezogen oder von Privatpersonen gestellt.

1902 wurde die Gemeindestra├če von Wei├čkirchen bis zur Reichsstra├če in Marchtrenk zu einer Bezirksstra├če erhoben. F├╝r viel Aufregung sorgte damals eine Automobil-Fernfahrt von Paris nach Wien. Die k. k. ober├Âsterreichische Statthalterei erlie├č dazu eine Reihe von Vorschriften. F├╝r Marchtrenk hie├č es: ÔÇ×In geschlossenen Ortschaften darf die Fahrgeschwindigkeit nicht gr├Â├čer sein als die eines Pferdes im frischen Trabe. Bei allen geschlossenen Ortschaften ÔÇŽ ist der Bev├Âlkerung die Ankunft jedes Fahrers durch ein Hornsignal bekanntzugeben.ÔÇť

In einer anderen Zeitung stand geschrieben: ÔÇ×Von Wels f├╝hrt der Weg ├╝ber Marchtrenk und die Welserheide bei miserabler Stra├če an Linz vorbei nach Ebelsberg.ÔÇť Die Stra├če d├╝rfte tats├Ąchlich in einem sehr schlechten Zustand gewesen sein, da es deswegen im Gemeinderat immer wieder zu Klagen gekommen war.

1903 wurde beschlossen, einen ordentlichen Gehweg zum Bahnhof herzustellen.

1904 wurden die Grundanrainer aufgefordert, bei den Gemeindestra├čen den Kot von den Stra├čen abzuziehen.

1905 wurde der Automobilverkehr auf den Gemeindestra├čen verboten!

1909 sollte die Bahnhofuferstra├če (?) beim ├ťbergang unterhalb des Bahnhofs Marchtrenk verbreitert werden. Der Gemeindeweg von Oberbuch ├╝ber Niederbuch nach Oftering wurde angelegt.

1912 lie├č der Gemeindeausschuss das Eisschie├čen auf ├Âffentlichen Stra├čen im Ortsgebiet verbieten.

1913 wurde die k.k. Bezirkshauptmannschaft ersucht, die Reichsstra├če ÔÇô auch durch den Ort Marchtrenk ÔÇô wegen der gro├čen Staubplage teeren zu lassen. In dieser Zeit wurden zahlreiche kleinere Br├╝cken neu gebaut oder erweitert.

1914 kam es zu einer Wettfahrt von 70 Fahrzeugen, die von Wels Richtung Neubau fuhren. 15 Gendarmen wurden hierf├╝r eingesetzt.

1915 wurde beschlossen, dass die Bahnhofstra├če bis zur unteren ├ťbersetzung auf sieben Meter verbreitert wird. Die Gesamtarbeiten wurden von der k. u. k. Milit├Ąrbauleitung durch russische Kriegsgefangene ohne jede Entsch├Ądigung geleistet. Die Gesamtarbeiten kosteten 6.000 Kronen.

1923 beschloss die Gemeinde, wegen der gro├čen Staubplage eine Materialbeistellung zu leisten. An den Ortsausg├Ąngen sollten Tafeln f├╝r die Autofahrer aufgestellt werden und die Fahrgeschwindigkeit durch den Ort wurde mit sechs Stundenkilometer festgelegt.

1925 wurde erstmalig (!) die Bundesstra├če ge├Âlt.

1925 sollte eine Autobuslinie Wei├čkirchen ÔÇô Marchtrenk-Bahnhof eingef├╝hrt werden. Der Betreibergesellschaft wurde ein Kredit ├╝ber 3.000 Schilling gew├Ąhrt. (Ganz allgemein muss gesagt werden, dass die Beschl├╝sse des Gemeindeausschusses nicht immer umgesetzt wurden und die Frage, ob sie durchgef├╝hrt wurden, ist manchmal schwer zu beantworten!). F├╝r das Befahren der Gehwege wurde eine Strafe zwischen 30.000 und 300.000 Kronen angedroht.

1925 kaufte der Industrielle Becker das erste Auto, mit dem auch Herr Karl Hofwimmer als sein Chauffeur fuhr. Sp├Ąter erwarb dieser die Konzession als Taxifahrer.

1926 wurde ein Verbot des Herausackerns auf Gemeindestra├čen erlassen (Gilt heute noch!).

1928 ersuchte die Gendarmerie, eine Stoppuhr f├╝r den Stra├čendienst anzukaufen.

1928 wurde beantragt, dass das Verbot des Befahrens der Gehwege erneuert und auf Motorr├Ąder ausgedehnt wird.

1929 beantragte Kaufmann Lang die Abtragung der Lichtanlage bei der Kreuzung vor seiner Tankstelle. Dies wurde bewilligt, aber die neue Anlage musste er selbst bezahlen.

1933 wurde die f├╝r den Verkehr gesperrte Stra├če durch das ehemalige k. u. k. Kriegsgefangenenlager ge├Âffnet. Sie wurde von der Landesregierung unentgeltlich an die Gemeinde abgetreten. Das Land ├╝bernahm die Ufermannstra├če.

1936 wurde vom Bundesministerium der Ausbau der Bundesstra├če bewilligt. Hofrat F. wollte f├╝r den Lageplan 5.000 Schilling, er wurde auf 3.500 Schilling heruntergehandelt. Im Ortszentrum kam es zu einer Verkleinerung oder g├Ąnzlichen Entfernung der Vorg├Ąrten.

1938 wurden Fahrradkennzeichen ausgegeben. Gravierender war die Einf├╝hrung der Rechtsfahrordnung; bis dahin galt ÔÇô wie heute noch in Gro├čbritannien ÔÇô Linksverkehr.

Ganz allgemein ist festzuhalten, dass in den Jahren 1900 bis 1938 die Menschen sehr viel mehr zu Fu├č gingen und auch die ├Âffentlichen Verkehrsmittel (Bus und Bahn) sehr stark in Anspruch nahmen. Auf der Reichsstra├če fuhren zahlreiche Pferdefuhrwerke, erst ab den beginnenden 30er Jahren vermehrt auch Motorr├Ąder und Autos. Viele fuhren mit dem Fahrrad in die Schule oder in die Arbeit bis nach Wels und Linz. Deshalb gab es nur sehr wenige Unf├Ąlle.

Text: Reinhard Gantner, 2018
 


"Marchtrenk 1900-1938. Ein kleines Dorf in schwerer Zeit" - Dokumentation einer Ausstellung des Museumsvereins Marchtrenk - Welser Heide vom 20. bis 28. Oktober 2018 im Full Haus Marchtrenk.

┬ę 2019