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Fundorte aus der Hallstattkultur


Hallstatt – Gräberfeld und Salzbergwerk
Im Hochtal über dem am Hallstätter See gelegenen Ort Hallstatt im Salzkammergut wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bisher cirka 4000 eisenzeitliche Gräber geborgen. Den Beginn der Forschungen machte k & k Bergmeister Johann Georg Ramsauer, der den Großteil des bisher bekannten Fundmaterials ergraben hat. Seither wurden die Grabungen in Hallstatt immer wieder von unterschiedlichen Personen und Institutionen aufgenommen.

Die frühe Entdeckung und das aufsehenerregende Fundmaterial bewogen die Forschung im 19. Jahrhundert zur Benennung einer ganzen urgeschichtlichen Periode Mitteleuropas: die ältere Eisenzeit wird seither Hallstattkultur genannt.

Über rund 400 Jahre hinweg – seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. – wurden im Hallstätter Hochtal Gräber angelegt. Die außergewöhnlich reiche Ausstattung der Toten, die sowohl verbrannt als auch unverbrannt beigesetzt wurden, muss im Zusammenhang mit dem Salzbergwerk stehen, dessen Eingänge sich ebenfalls im Hochtal befanden.

Die Funde aus Hallstatt weisen auf weitreichende Kontakte der alpinen Welt in der älteren Eisenzeit hin. Fundmaterial aus Slowenien und reicher Bernsteinschmuck sind nur zwei Beispiele für kulturellen Austausch, der sich im archäologischen Material widerspiegelt.

Archäologische Bergbauforschung
Parallel zur Erforschung des prähistorischen Gräberfeldes widmet sich die Archäologie seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts auch der Rekonstruktion prähistorischer Salzabbautechniken im Hallstätter Bergwerk.

Funde aus vorchristlicher Zeit haben bereits die Bergleute der frühen Neuzeit gemacht. Die Schichten, in denen sie alte Werkzeugbruchstücke und Kleidungsreste fanden, nannten sie „Heidengebirge“. Auch heute noch nimmt jede archäologische Bergbauforschung von den Stollen und Werken des modernen Bergbaues ihren Ausgang. Der Bergdruck hat die prähistorischen Aufschlüsse bereits vor Jahrhunderten wieder geschlossen – und dabei den für die Archäologie wertvollen Mist samt Werkzeug- und Kleidungsresten eingeschlossen. Den Mist- bzw. Fundschichten folgt die Forschung unter erschwerten Bedingungen wie Feuchtigkeit, Finsternis und Kälte. Trotz moderner Ausrüstung unterscheidet sich archäologische Bergbauforschung in dieser Hinsicht nicht maßgeblich von prähistorischem Salzabbau.

Seit dem Neolithikum (Jungsteinzeit) ist in Hallstatt mit Salzproduktion zu rechnen. Erst ab der mittleren Bronzezeit (ca. 1400 v. Chr.) lässt sich Bergbau mit Sicherheit nachweisen. Die prähistorischen Fundstellen im Hallstätter Salzbergwerk werden in drei Gruppen unterteilt, die nach ihrer Lage im Berg als Nord-, Ost- und Westgruppe bezeichnet werden. Nach dem daraus geborgenen Fundmaterial werden sie in die Bronze-, ältere Eisen- und Latènezeit datiert. Durch die Ergebnisse der aktuellen Forschungen ist mit einer weiteren Differenzierung dieses Bildes zu rechnen.

Vor allem die Reste von Werkzeugen, die sich durch die speziellen Bedingungen im Salzberg (keine zersetzenden Mikroorganismen, Salz) hervorragend erhalten haben, geben der modernen Forschung Aufschluss über die professionelle Bergbauarbeit in der Urgeschichte. Neben den bronzenen Pickeln und hölzernen Pickelschäftungen blieben Tragsäcke, Schaufeln und Kleidungsreste sowie Hauben und Schuhe im Mist, den die Bergleute auf den Stollensohlen zurückgelassen haben, erhalten.

Das in großen Mengen geförderte Salz muss in irgendeiner Form von Hallstatt aus verteilt worden sein, wobei Ablauf und Struktur dieser Verteilung bisher unklar sind. Indirekt geben zahlreiche Funde aus dem Gräberfeld, die sichtlich nicht in Hallstatt erzeugt wurden, Aufschluss über die weitreichenden Kontakte der Menschen dieser Zeit.

Gräberfeld Mitterkirchen
Das Gräberfeld von Mitterkirchen (Bez. Perg) ist neben dem namengebenden Hallstatt der reichste bisher bekannte Fundort Oberösterreichs aus der Hallstattkultur. Hier konnten 80 von der landwirtschaftlichen Bearbeitung schon stark in Mitleidenschaft gezogene Gräber geborgen werden. Ihre Ausstattung mit Keramikgefäßen, Waffen, Schmuck etc. entspricht dem Formenspektrum der älteren Hallstattkultur (um 700 v. Chr.).
Herausragendes Beispiel des Grabbrauches der frühen Hallstattkultur ist jenes Grab von Mitterkirchen, in dem eine Frau auf einem vierrädrigen Wagen samt umfangreichem Geschirrsatz, Pferdegeschirr, Schmuck und Speisebeigaben bestattet war.

Homepage des Freilichtmuseums Mitterkirchen

Gräberfeld von Uttendorf – Jüngere Hallstattkultur in Uttendorf
Vierrädrige Wagen kommen auch im Bestattungsbrauch der jüngeren Hallstattkultur vor, wie das reiche Wagengrab von Uttendorf im Innviertel deutlich macht. Auch hier fanden sich neben den Resten des Wagens zahlreiche weitere Beigaben wie eine Lanzenspitze, ein Gürtelblech, zwei prunkvolle bronzene Kreuzattaschenbecken und der berühmte Goldhalsreifen.

Wagen in Gräbern
Wagen in Gräbern werfen die Frage nach ihrer Bedeutung auf. Einerseits scheinen sie im Leben der Menschen, mit denen sie begraben sind, eine Rolle als Fahrzeug und möglicherweise als Statussymbol gespielt zu haben, andererseits können sie in der Vorstellung der Hinterbliebenen und der Toten als Gefährt in ein wie auch immer geartetes Jenseits gedient haben. Letztendlich lassen sich diese religiösen Anschauungen für schriftlose Epochen nur schwer rekonstruieren. Sicher ist jedoch die weite Verbreitung der Sitte und des damit verbundenen geistigen Hintergrundes über große Teile Mittel- und Westeuropas.

Mit dem Ende der Hallstattkultur werden auch keine vierrädrigen Wagen mehr in Gräber mitgegeben. In der jüngeren Periode der Eisenzeit, der Latènezeit, findet der zweirädrige Wagen Verwendung.

Der Goldhalsreifen von Uttendorf

„Indessen ich am anderen Morgen noch im Schlafe lag, klopfte es an der Thür, ein Bote trat ein und benachrichtigte mich mit folgenden Worten von dem großen Ereigniß: „Se soit´n schnell außi kema, ham a guidene Kron g´funden.“ Ich traute meinen Ohren nicht und ließ mir während ich meine Augen rieb den Fund beschreiben. Es war kein Zweifel. Hocherfreut und begierig das Wunderding zu sehen, kleidete ich mich schnell an und eilte hinaus.“

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„Indessen ich am anderen Morgen noch im Schlafe lag, klopfte es an der Thür, ein Bote trat ein und benachrichtigte mich mit folgenden Worten von dem großen Ereigniß: „Se soit´n schnell außi kema, ham a guidene Kron g´funden.“ Ich traute meinen Ohren nicht und ließ mir während ich meine Augen rieb den Fund beschreiben. Es war kein Zweifel. Hocherfreut und begierig das Wunderding zu sehen, kleidete ich mich schnell an und eilte hinaus.“

Mit diesen Worten beschrieb einer der Pioniere der oberösterreichischen Archäologie – Hugo von Preen – den Beginn jenes Tages im Jahr 1885, an dem der Goldhalsreifen in einem Grabhügel, gelegen im Innviertler Mattigtal in der heutigen Gemeinde Helpfau-Uttendorf, entdeckt wurde.

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Goldhalsreifen sind zwar eine Seltenheit, aber in ähnlicher Form und Machart auch aus Südwestdeutschland und Ostfrankreich bekannt. Sie datieren in die jüngere westliche Hallstattkultur (ca. 550 v. Chr.). Goldhalsreifen werfen wie alle seltenen und prunkvollen Gegenstände in der prähistorischen Forschung die Frage nach dem sozialen Stellenwert derjenigen Personen auf, in deren Gräbern sie gefunden wurden. Häufig wird auch heute noch der irreführende Begriff „Fürstengrab“ verwendet, obwohl zu wenig über die sozialen Verhältnisse der Hallstattkultur bekannt ist, um solche Begriffe aus unserer eigenen Kultur übertragen zu können. Nicht immer müssen reiche Beigaben in einem Grab zwangsläufig bedeuten, hier eine Person von hohem sozialen Rang oder gar Herrscher oder Herrscherin vor sich zu haben. Aus dem Grabbrauch für die Toten lässt sich nur schwer auf die Welt der Lebenden der Hallstattkultur schließen, weswegen viele Fragen offen bleiben müssen.
Der Goldhalsreifen hat einen Durchmesser von 21 cm, sein Gewicht beträgt 240,41 g.

Unter anderem wurden in Ottensheim und Linz-St. Peter weitere Gräberfelder aus der älteren Eisenzeit entdeckt.
Siedlungsfunde aus der Hallstattkultur sind bisher mit Ausnahme von Waschenberg bei Bad Wimsbach-Neydharting und Ansfelden in Oberösterreich keine bekannt.

Ansfelden
Unweit der Mündung der Krems in die Traun liegt auf einem Bergsporn die befestigte Höhensiedlung "Burgwiese" in Ansfelden. Sie war während der älteren Eisenzeit dicht besiedelt, wie durch Ausgrabungen in den Jahren 1999 bis 2002 festgestellt werden konnte. Die zahlreichen Funde, darunter Bronzeschmuck und eine Bernsteinperle aus dem Baltikum, zeigen, dass der Ort zur Zeit der Hallstattkultur auch am Fernhandel beteiligt war. (Peter Trebsche)

Autorin: Jutta Leskovar, 2006

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