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Antike Münzfunde in Oberösterreich


Der Boden des heutigen Bundeslandes Oberösterreich gab und gibt neben zahlreichen anderen Objekten immer wieder antike Münzen frei. Bereits aus dem Jahr 1297 ist hiefür ein erster Beleg überliefert: In einer Chronik des Stiftes St. Florian wird von einem Fund goldener römischer Münzen aus der Gegend von Steyr berichtet. Ab dem früheren 19. Jahrhundert erfolgte sodann eine wissenschaftliche Registrierung, wenn möglich auch eine Sicherung der Originale selbst, die sich heute in den Museen des Landes, zu einem Teil auch in Privatbesitz befinden.

Schatzfunde und Einzelfunde
Die Fundstücke treten uns einerseits in Form von Schatzfunden entgegen, als von den Besitzern verborgene Barschaften, die aus heute meist nicht mehr bekannten Gründen nicht mehr gehoben werden konnten und erst viel später wieder aufgefunden wurden und werden, sei es durch Zufall, durch gezieltes Suchen oder im Zuge von archäologischen Untersuchungen und Grabungen. Wir kennen innerhalb der derzeitigen Grenzen Oberösterreichs mit heutigem Stand zwei keltische und ca. 25 römische Münzschatzfunde, die zusammen einige tausend Stücke enthielten, soweit wir Stückzahlen überhaupt noch rekonstruieren können.

Zahlenmäßig einen ungleich größeren Umfang als die Depots weist das Einzelfundaufkommen auf, wo man alleine aus Lauriacum mit vermutlich 30.000 bis 40.000 registrierbaren Münzen rechnen muss (ein 2006 angelaufenes, auf sechs Jahre anberaumtes Forschungsprojekt unter der Federführung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wird hier in nächster Zeit genauere Aufschlüsse ermöglichen). Es entstammt zu einem kleineren Teil den archäologischen Befunden (und ist damit durch die Stratifizierung eine wertvolle Datierungshilfe), zum größeren aus Streufunden, die teils zufällig, beispielsweise im Zuge von Bauarbeiten oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten, in den letzten Jahrzehnten vermehrt mit Hilfe von Metallsuchgeräten zu Tage treten. Naheliegenderweise häufen sich die Funde in den bekannten römischen Siedlungen, allen voran Lauriacum und Ovilava, für das eine Bearbeitung (Vondrovec 2003, vgl. Literaturverzeichnis) vorliegt, aber beispielsweise auch aus Linz, Windischgarsten, Eferding oder Schlögen. Die Streufunde erstrecken sich – sieht man vom Hochgebirge ab – auf das gesamte Gebiet südlich der Donau, und sogar aus dem Mühlviertel, also jenem Landesteil, der damals jenseits des Limes lag, ist ein „Schleier“ aus Fundmünzen bekannt, der sich naheliegenderweise im donaunahen Südteil verdichtet, aber in einzelnen Exemplaren durchaus auch in den Norden des Bundeslandes reicht (z. B. Freistadt, St. Veit/M.).

Keltische Zeit
Nach dem Zeugnis der Funde begann auf dem Boden des heutigen Bundeslandes Oberösterreich erstmals in spätkeltischer Zeit Münzgeld umzulaufen. Wenn wir hier aufgrund der Fundlage mit unserem Wissen auch noch ganz am Anfang stehen – wir verfügen derzeit über nicht mehr als etwa 500 registrierte Exemplare – , scheint sich vielleicht doch bereits der erste Umriss einer Währungslandschaft abzuzeichnen, wobei allerdings hervorgehoben sei, dass die überwiegende Mehrzahl der bekannten Münzen aus der Großsiedlung Neubau stammt und unsere Beobachtungen daher noch recht punktuell sind. Das heutige Oberösterreich scheint demnach ein Raum gewesen sein, in den Geld aus verschiedenen Richtungen einströmte (Abb. 1). Aus dem Norden kam das Geld der Boier, Goldstatere und deren Teilstücke sowie Silberkleingeld, aus dem Süden die norischen Tetradrachmen, allerdings in geringeren Quantitäten. Die Hauptmasse des Geldes jedoch gelangte aus dem Westen hierher, Gold- und Silbermünzen, die mit dem Stamm der Vindeliker in Bayern in Zusammenhang gebracht werden: Bildlose oder mit nur fragmentarischen Bildern ausgestattete „Regenbogenschüsselchen“, i. e. Goldstatere, silberne Quinare und vor allem silbernes Kleingeld, weniger als ein Gramm wiegend, meist einen Kopf auf der Vorder- und ein Pferd auf der Rückseite zeigend, das nach derzeitigem Wissensstand das gängige Kleinkurant zumindest des oberösterreichischen Zentralraumes darstellte. Seit einigen Jahren können wir auch gallische Potinmünzen (aus einer Bronze-Zinn-Legierung) aus heimischem Boden nachweisen, die den weiten Weg aus dem heutigen Frankreich und der Schweiz hierher fanden. Hingegen lässt sich ostkeltisches Geld, das den unteren Donaulauf und den Balkan dominierte, derzeit nur in Enns und damit nur ganz im Osten des Landes nachweisen, unter Umständen stellte auch damals bereits die Enns eine Art „Währungsgrenze“ dar. Derzeit nicht zu beantworten ist die Frage, ob in keltischer Zeit eine Münzproduktion auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich stattgefunden hat, allerdings weisen einige Funde der letzten Zeit in diese Richtung.

Römische Zeit
Die frühesten römischen Fundmünzen entstammen noch der Zeit der Republik (Abb. 2), einer Periode also, als das Regnum Noricum noch nicht Teil des Imperium Romanum war. Ob diese „Republiksdenare“ Relikte des Handels in vorrömischer Zeit darstellen, oder bis in die Kaiserzeit hinein im Umlauf blieben und damit erst später heimischen Boden erreichten, bleibt im Einzelfall oft unklar; sicher ist lediglich, dass die immer wieder auftauchenden minderlegierten Legionsdenare, die Marcus Antonius während der großen Auseinandersetzung mit Octavian prägen ließ, sicherlich bis in das dritte nachchristliche Jahrhundert hinein umliefen, solange eben, bis der langsam entwertete römische Denar ihren Standard erreichte und sie nicht mehr „schlechtes“ Geld waren, das man rasch wieder auszugeben trachtete. Der kaiserzeitliche Fundniederschlag beginnt bereits unter Augustus, wenn auch vorerst in nur vergleichsweise geringen Quanititäten, nimmt dann ab den Flaviern zu und erreicht in der großen Inflationskatastrophe der Sechziger- und Siebzigerjahre des 3. Jahrhunderts einen ersten quantitativen Höhepunkt. Die Hauptmasse des Fundgutes besteht aus den Kleingeldnominalien Sesterz, Dupondius und As, seltener aus silbernen Denaren und nur ganz vereinzelt aus goldenen Aurei (Abb. 3).
Neben dem reichsrömischen Geld finden sich immer wieder vereinzelt Prägungen der römischen Kaiserzeit, jedoch griechischer Herkunft, teils großformatige Medaillons mit elaborierten Darstellungen. Diese könnten neben ihrer Geldfunktion vielleicht auch den Charakter von Erinnerungsstücken, ähnlich den Medaillen aus nachantiker Zeit, getragen haben und wurden vermutlich durch aus dem Osten des Imperiums an den Donaulimes verlegte Soldaten „importiert“.

Im 3. Jahrhundert, als das wohlgefügte römische Münzsystem zusammenbricht, wird der Antoninian im Wert von zwei Denaren das Hauptnominal, in der Inflationszeit sogar die einzige „überlebende“ Münzsorte, die allerdings von einer guthaltigen Silbermünze zu einem fast reinen Buntmetallstück absinkt (Abb. 4). Der damit verbundene Kleingeldmangel führte Anfang des 3. Jahrhunderts kurzfristig zur Ausgabe von lokalem Notgeld, nach derzeitigem Wissensstand dürfte sich in Lauriacum eine Produktionsstätte derartiger Geldersatzmittel befunden haben, die zum einen als Nachgüsse nach originalen Erzmünzen ausgeführt wurden, zum anderen jedoch mit lokalen Stempeln geprägt wurden, wobei man als Schrötlinge entweder mit einer Messinghaut überzogene Eisenstücke oder minderwertige Buntmetalllegierungen – letzteres scheint eine Besonderheit Lauriacums gewesen zu sein – verwendete.

Kaiser Diocletianus hat nochmals versucht, das römische Münzwesen zu erneuern, was aber nur eine kurze Zeitspanne hindurch gelang, bevor das Silber wieder vom Markt verschwand. So ist die Spätantike von einer bimetallischen Währung in Gold bzw. Erz gekennzeichnet, wobei naturgemäß das kupferne Kleingeld vorherrscht (Abb. 5). Trotz diverser Sanierungsversuche, die sich in Münzreformen niederschlugen, kommt es immer wieder zum qualitativen Absinken der Zahlungsmittel, die unter den Herrschern der zweiten flavischen Dynastie im 3. Viertel des 4. Jahrhunderts nochmals einen Aufschwung erleben, der jedoch rasch abflaut, und im frühen 5. Jahrhundert bricht die römische Geldversorgung schließlich zusammen, wie sich an den nun spärlich werdenden Fundstücken ablesen lässt.

Mittelalter
Das nun beginnende Frühmittelalter kennt in unserer Gegend keinen regulären Geldumlauf, wenn auch einzelne byzantinische Fundmünzen bekannt sind. Erst im 12. Jahrhundert setzt sich nach heutigem Wissensstand im Land ob der Enns wiederum die Verwendung von Münzgeld durch, die auch die Errichtung einer Münzstätte im Lande (in Enns durch die steirischen Otakare) zur Folge hatte.


Autor: Bernhard Prokisch, 2006

Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf dem Artikel Prokisch, Bernhard: Antike Fundmünzen aus Oberösterreich; in: Worauf wir stehen. Archäologie in Oberösterreich. Katalog zu einem Ausstellungsprojekt der Oberösterreichischen Landesmuseen [...]. Hrsg.: Jutta Leskovar u.a. (Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums N. F. 195). - Weitra 2003, S. 161-168.

 


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