Forum OÖ Geschichte

Jupiterverehrung


Die römische Religion an sich und wie sie uns in den Provinzen entgegen tritt, war sehr vielschichtig und kann hier nur angedeutet werden. Nach Italien brachten die einwandernden Italiker um 1200 bis 1000 v. Chr. ein polytheistisches System von Gottheiten und KultbrÀuchen mit, das sich mit den naturreligiösen Kulturen der einheimischen Bevölkerung verband.

Polytheismus
Eine ganze Reihe von spĂ€teren römischen Staatsfesten und Kulten waren ursprĂŒnglich in der Familie gepflegte Feste, die dann allgemeine Staatsfeste wurden. So hatte Vesta, die HĂŒterin des Herdfeuers, in der Familie immer schon große Bedeutung, ebenso die Laren (lares), die Schutzgötter, die anfĂ€nglich in der NĂ€he des Herdfeuers, spĂ€ter in einer kleinen Nische im Innenhof (atrium) oder in der Empfangshalle (tablinum) des Hauses ihren festen Platz besaßen. Auch die Penaten, ortsgebundene Hausgötter, wurden hier vom Familienvater verehrt, in ihren Schreinen standen auch die Bilder der verstorbenen Familienmitglieder. Ferner dachten die Römer, dass jede Person eine Art persönlichen Schutzengel (genius) besĂ€ĂŸe.

Römische Götterwelt
Im 7. Jahrhundert v. Chr., als sich die Bewohner von Rom von einem einfachen Hirtenvolk zu einer der fĂŒhrenden Siedlungen in Latium entwickelten, ĂŒbernahmen sie auch verschiedene Götter von anderen benachbarten Siedlungen, wie z.B. Minerva, Fortuna und andere. Den stĂ€rksten Einfluss ĂŒbten die Etrusker auf die römische Religion aus. In dieser Zeit bekamen die Götter ein menschliches Antlitz nach griechischem Vorbild und Tempel, in denen die Götterbilder standen. Der berĂŒhmteste Tempel war jener auf dem Kapitol, der von dem etruskischen König Tarquinus Priscus gebaut worden und der etruskischen Trias Tinia, Uni und Menvra – in der römischen Form Jupiter, Juno und Minerva – geweiht worden war. Seit damals bildete der oberste Gott der Römer, Jupiter zusammen mit Juno, sie war die Schutzgöttin fĂŒr Frauen und das Eheleben, und Minerva, die fĂŒr StĂ€dte, KĂŒnste, Handwerk und GĂ€rten zustĂ€ndig war, die so genannte Kapitolinische Trias. In den StĂ€dten der Provinzen gab es nach dem Vorbild Roms, meist in der NĂ€he des Forums ebenfalls ein Kapitol. Auch von verschiedenen griechischen StĂ€dten ĂŒbernahmen die Römer noch so manche anderen Götter. Der römische Götterhimmel war daher sehr vielfĂ€ltig und wies fĂŒr fast alle Lebensbereiche einen oder manchmal auch mehrere Götter auf. Durch Art der Darstellung und die Attribute in den bildlichen Darstellungen wusste jeder, um welchen dargestellten Gott es sich handelte.

Tempel
Im Tempel stand das Kultbild, die Feiern und Opfer spielten sich aber vor dem Tempel und vor den Zusehern ab, wobei ein Priester diesen Ablauf leitete. Der oberste Priester, der auch die staatlichen Feiern und Feste zu Ehren der Götter leitete, war der Oberpriester (pontifex maximus), einfachere Priester fĂŒr den Kult der einzelnen Gottheiten hießen flamines.

VerhÀltnis der Römer zu ihren Göttern
So wie in vielen anderen Bereichen des Lebens hatten die Römer auch ein sehr geregeltes VerhĂ€ltnis zu ihren Göttern. Sie schlossen mit ihnen VertrĂ€ge, was in den Inschriften auf Weihesteinen sehr schön ablesbar ist, wo oft formelhaft geschrieben steht, dass jemand sein Versprechen gerne und freudig erfĂŒllte, wie es gebĂŒhrte: (ex voto) l(ibens) l(aetus) m(erito) s(olvit).

Plinus schildert den strengen Ablauf, der von Anfang an alle sakralen Handlungen bestimmt hatte: „Man ist der Meinung, dass Opfer oder Befragung der Götter ohne Gebet unwirksam sei. Verschiedener Wortlaut gilt fĂŒr Erlangung eines gĂŒnstigen Vorzeichens, fĂŒr Abwehr von Unheil und fĂŒr Vortragen einer Bitte, die höchsten Beamten beten nach festen Formeln, und damit kein Wort ĂŒbergangen oder an falscher Stelle gesprochen wird, liest ihnen jemand vor, und ein anderer wird bestellt, darauf acht zu geben, ein weiterer befielt Schweigen, der FlötenblĂ€ser spielt, damit man nicht anderes hören kann; es gibt bekannte Beispiele fĂŒr beides, sowohl dass ein hereintönender Fluch der Wirkung des Gebetes geschadet hat, wie ein Irrtum beim Aussprechen der Gebetsformel.“ (Plinius, Nat.hist. XXVIII, 10 f-Übersetzung von K. Latte)

Keltische Götterwelt
Mit der Besetzung Noricums und der Unterwerfung der AlpenstĂ€mme trafen die Römer auf eine ganz andere Götterwelt als es die ihre war. Die Kelten verehrten KrĂ€fte der Natur an Heiligen Orten wie Mooren, Felsgipfeln, FlussĂŒbergĂ€ngen, Quellen, also BrĂ€uche wie sie noch vor den einwandernden Italikern in Italien viele Jahrhunderte zuvor gepflogen wurden.

Die Römer waren fremden Religionen und Göttern gegenĂŒber grundsĂ€tzlich offen eingestellt und sahen in den fremden Göttern ihre eigenen, nur unter einem anderen Namen (interpretatio romana).

Der umgekehrte Fall, dass einheimische Kelten die römischen Götter wie ihre eigenen sahen, ist eher selten (interpretatio celtica). Der Jupitaraltar von Ansfelden aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. ist hierfĂŒr ein sehr schönes Beispiel. Auf der einen Seite das BlitzbĂŒndel, Symbol Jupiters, der als Jupiter optimus maximus in den Provinzen besonders beliebt war, auf der anderen Seite ein ĂŒber die Berggipfel dahin eilender Gott mit dem Rad, vermutlich der keltische Wettergott Taranis.

Weihegaben
Als Weihegaben fĂŒr die Götter fungierten AltĂ€re, Statuetten oder auch ganz einfache Dinge des alltĂ€glichen Lebens, in die man einritzte, welchem Gott man den Gegenstand weihte, wie z. B. die Terra-sigillata-Schale aus Lauriacum, die eine Weihung an Jupiter Optimus Maximus Dolichenus trĂ€gt.

Die Verehrung Jupiters war im römischen Imperium verpflichtend, genauso wie die Verehrung des göttlichen Kaisers (Divus Augustus). Beliebt war auch die Darstellung von Merkur, dem Gott der HĂ€ndler, Kaufleute und auch der Diebe, er wird mit FlĂŒgelhut (petasus), FlĂŒgelschuhen, dem Heroldstab (caduceus) und dem Geldbeutel (marsupium) in der Hand dargestellt.

Götterstatuetten mit der Darstellung von Herkules, mit der Keule und dem Löwenfell als Attribut, kommen bei uns hĂ€ufig vor, in Rom war er ebenfalls der Gott der Kaufleute und des Handels. Vielleicht erfreute er sich bei den Soldaten auf Grund seines Schicksals, musste er doch 12 anstrengende Taten bestehen, großer Beliebtheit.
Unter den weiblichen Göttinnen treffen wir auch noch oft auf Darstellungen von Venus (Göttin der Liebe), Victoria (Göttin des Sieges) und Fortuna (Göttin des Schicksals).

Im Laufe der Zeit drangen auch orientalische Kulte in das Reich ein, wie z. B. der Kult der Isis, die als Allmutter verehrt wurde. SpĂ€ter wurde ihr Sarapis zur Seite gestellt, dem Kaiser Caracalla einen Tempel in Rom bauen ließ.


Autorin: Christine Schwanzar, ĂŒberarbeitet 2006

Der Artikel basiert im Wesentlichen auf: Schwanzar, Christine: Jupiter - Mithras - Christus, eine Religion im Wandel; in: Worauf wir stehen. ArchÀologie in Oberösterreich. Katalog zu einem Ausstellungsprojekt der Oberösterreichischen Landesmuseen [...]. Hrsg.: Jutta Leskovar u.a. (Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums N. F. 195). - Weitra 2003, S. 169-174.

 

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