Forum OÖ Geschichte

Die FleischkĂŒche


Die römische FleischkĂŒche bezog ihr Material vor allem aus dem Haustierbestand. Die wichtigsten Nahrungstiere waren das Schwein und – erst nach ihm, auf dem zweiten Platz der Rangliste – das Rind. Wild spielte demgegenĂŒber eine nur untergeordnete Rolle. Immerhin steuerte die Jagd in den noch ausgedehnten WĂ€ldern aber eine Ausbeute bei, wie sie das heutige Mitteleuropa nicht mehr kennt: BĂ€ren, Wisente oder die heute völlig ausgestorbenen Auerochsen. Ein bei uns heute nicht mehr ĂŒbliches Jagdobjekt waren aber auch manche Vögel wie Spatzen oder Raben, deren Verzehr nördlich der Alpen durch Inschriften bezeugt ist.
Eine Folge der ersten kulinarischen Romanisierung ist es vielleicht gewesen, dass hier Landschnecken gegessen wurden. In der KĂŒche des SĂŒdens war das spĂ€testens seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert ĂŒblich. Dort wurden die Schecken sogar mit Most und Mehl gemĂ€stet.

Vieh- und GeflĂŒgelzucht
ZĂŒchterisches und tiermedizinisches Know-how des SĂŒdens gehören mit zu den KulturgĂŒtern, die sich im Rahmen der Romanisierung ĂŒber die Provinzen ausbreiteten. Die Tierhaltung unserer Gebiete hat davon – das ist an den Funden ablesbar – profitiert. So zeichneten sich die Haustiere der Römerzeit zum guten Teil durch besondere KörpergrĂ¶ĂŸe aus. Zwar gab es nördlich der Alpen auch aus der vorrömischen Zeit fortexistierende kleinwĂŒchsige HaustierschlĂ€ge. Aber viele der römischen Rinder, Schweine, Schafe und HĂŒhner waren hier doch deutlich grĂ¶ĂŸer als ihre vor- und unmittelbar nachrömischen Artgenossen. Das ist auf zĂŒchterisches Können, aber wohl auch auf Einkreuzungen von Importtieren zurĂŒckzufĂŒhren.

Import von Tieren
Welches Ausmaß Importe von Nahrungstieren hatten, lĂ€sst sich allerdings nicht abschĂ€tzen. Wir wissen nur, dass auf diese Weise auch neue, bis dahin nur im SĂŒden verbreitete Tierarten in die römischen Nordprovinzen kamen und dort Bestandteil der regionalen Fauna wurden: nĂ€mlich die Haustaube und der Pfau. Zumindest im SĂŒden des Reiches wurden beide Arten kulinarisch genutzt. Der Pfau war freilich auch dort (so der Dichter Horaz) nur eine „rara avis“, ein „seltener Vogel“ – worin Horaz boshafterweise seinen kulinarischen Reiz schon erschöpft sieht (Horaz, Satiren 2,2,26).

Tiertransporte

Lebend importiert wurden etwa der Fasan, die Haustaube und der Pfau, die in unseren Gegenden nicht vorkamen und nun hier eingebĂŒrgert worden sind; beide waren Nahrungstiere, wurden aber auch zu noch anderen Zwecken gehalten.

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Lebend importiert wurden etwa der Fasan, die Haustaube und der Pfau, die in unseren Gegenden nicht vorkamen und nun hier eingebĂŒrgert worden sind; beide waren Nahrungstiere, wurden aber auch zu noch anderen Zwecken gehalten.
Eine weitere Handelsware sind vielleicht im KĂ€fig transportierte Wildvögel gewesen. Wie es scheint, zeigt das Salzburger Mosaik mit den KĂŒchenstilleben auch ein an einem Nagel aufgehĂ€ngtes Chukarhuhn, d. h. einen Vertreter einer ostmediterranen Steinhuhnart. Wem ein einheimisches Steinhuhn nicht genĂŒgte, der konnte sich also womöglich ein sĂŒdlĂ€ndisches Importtier schicken lassen.

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Kulinarisches aus dem römischen Alpenvorland. Dokumentation zur Ausstellung im Linzer Stadtmuseum Nordico vom 12. Juni bis 9. September 2007.

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