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Die Weberei und andere Gewerbe


Leinenweberei
Der Flachsanbau war in Oberösterreich weit verbreitet. Die ersten Handwerksordnungen sind allerdings erst aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts überliefert. 1578 entstand eine Landeshandwerksordnung, die als Sitz der Handwerke neben den sieben landesfürstlichen Städten (Linz, Enns, Freistadt, Gmunden, Steyr, Vöcklabruck und Wels) Eferding, Grieskirchen, Haslach, Hofkirchen im Mühlkreis, Kirchdorf, Lambach, Leonfelden, Neufelden, Peuerbach, Riedau, Rohrbach, Sarleinsbach, Schwanenstadt und Windischgarsten nennt.
Ein wichtiges Zentrum der Leinenweberei lag im oberen Mühlviertel, ein anderes im Hausruck mit dem ursprünglichen Zentrum Wels. Hier war der Andrang zum Handwerk so groß, dass 1581 sogar eine Aufnahmesperre verhängt werden musste. Im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich entwickelte sich auch ein reger Wettbewerb, wobei Österreich eindeutig im Vorteil lag, da der Flachsanbau hierzulande viel weiter verbreitet war.

Wollzeugweberei und Tuchmacherei
Während der Flachsanbau im Land ob der Enns intensiv betrieben wurde, stand es mit der Gewinnung von Wolle nicht zum Besten. Aufgrund weniger Hutweiden nahm die Schafzucht eine untergeordnete Stellung ein; die gewonnene Wolle wurde daher primär für den Eigenbedarf verwendet. Aus diesem Grund musste Wolle aus Passau, Bayern und v. a. aus Böhmen importiert werden. Wenn das Land ob der Enns eine über den eigenen Bedarf hinausgehende Produktion aufweisen konnte, so ist dies der Linzer Wollzeugfabrik zu verdanken, die allerdings erst 1672 durch den Linzer Ratsbürger Christian Sind gegründet wurde.

Verschiedene andere Gewerbe
Die Ledererzeugung und damit der Häute- und Fellhandel war im Land ob der Enns ziemlich ausgedehnt. Ebenso weit verbreitet war die Hafnerei. Ihre Mittelpunkte in der Mitte des 16. Jahrhunderts waren die sieben landesfürstlichen Städte (v. a. Enns, Gmunden, Steyr, Vöcklabruck, Wels), das Frankenburger Revier sowie das untere Mühlviertel mit den Orten Mauthausen, Perg und Schwertberg.

In Perg war seit dem Mittelalter auch die Mühlsteinindustrie beheimatet, da hier der dafür notwendige Granit abgebaut wurde. Die älteste überlieferte Zunftordnung der Perger Mühlsteinhauer stammt aus dem Jahr 1582. Die Mühlsteinindustrie florierte derart, dass sogar bis nach Russland gehandelt wurde.
Erwähnung verdienen auch die Papiermühlen, die seit dem 16. Jahrhundert in Oberösterreich bestanden. Diese lagen meist außerhalb der größeren Siedlungen. Die älteste Mühle des heutigen Oberösterreich wurde 1520 in Braunau gegründet (damals noch Bayern); die nächste folgte 1529 in St. Margarethen (bei Linz), um 1540 entstand eine Papiermühle in Kremsmünster, die ihre Produkte bald schon ins Ausland lieferte. Weitere Mühlen folgten in Steyr (um 1550 – zwischen 1621 und 1648 entstanden drei weitere Mühlen), Wels (1553), Schöndorf bei Vöcklabruck (um 1573) und Au bei Vöcklabruck (1601).

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---> Mehr zum Hafnergewerbe in Oberösterreich


Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf: Hoffmann, Alfred: Wirtschaftsgeschichte des Landes Oberösterreich. Bd. 1. 1952.

Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

 

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