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Handel und MĂ€rkte


Die allgemeine Handelslage und die Linzer MĂ€rkte
Oberösterreich lag besonders gĂŒnstig am Kreuzungspunkt verschiedener Handelswege aus dem Norden und SĂŒden sowie Osten und Westen. Das 16. Jahrhundert brachte aber einschneidende VerĂ€nderungen: Die Entdeckung der Seewege nach Indien und Amerika verlagerte den internationalen Handelsschwerpunkt vom Mittelalter zum Atlantik und an die Nord- und Ostsee (Danzig, Hamburg, LĂŒbeck), sodass Österreich ein wenig an den Rand rĂŒckte. Einbußen waren auch im Handel mit Ungarn und den angrenzenden Gebiete wegen der TĂŒrkenkriege hinzunehmen.
Dennoch florierten die Linzer MĂ€rkte, die bereits im Mittelalter eine ansehnliche Stellung im Handelsleben eingenommen hatten, besonders in der ersten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts.
Die wenigen vorhandenen Aufzeichnungen berichten ĂŒber den Handel mit bzw. den Einkauf von Venedigerware, Wachs, Unschlitt (tierisches Fett), Pferden und HĂ€uten, Kleidung, Leinwand, Eisen, TĂŒchern, Papier, Seide, Leinen, Pelzen, Fellen und Federn. Handelsleute kamen aus NĂŒrnberg, Salzburg, Memmingen, Böhmen sowie aus dem oberdeutschen Gebiet.

Um 1580 ist in den Quellen von einem RĂŒckgang des Handelsverkehrs aus dem Reiche sowie von Polen, Schlesien und Böhmen nach Rede; dieser sei nach Prag abgewandert, wo Rudolf II. residierte.
Ein Grund fĂŒr den RĂŒckgang des Handels in Linz könnte aber auch auf die empfindliche Steigerung der MautgebĂŒhren zurĂŒckzufĂŒhren sein, was etwa wiederum 1604 der Fall war. Dennoch kennzeichnete die MĂ€rkte in Linz, die zu den vornehmsten im Lande zĂ€hlten, ein immer noch recht ansehnlicher Besuch aus. Empfindlich gestört wurde der Linzer BartholomĂ€imarkt aber im Jahr des Bauernkrieges in Oberösterreich (1626); der Markt wanderte fĂŒr kurze Zeit nach Bruck an der Mur ab. Doch erst die neuerlichen Mauttarife um die Mitte bzw. in der zweiten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts brachten eindeutig negative Folgen fĂŒr den Markt in Linz.

Die landesfĂŒrstliche und die stĂ€ndisch-provinzielle Versorgungspolitik
Trotz dem der Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tĂ€tig war, gab es des Öfteren einen Mangel an Lebensmitteln, doch war dies kein Spezifikum des 16. Jahrhunderts, vielmehr traten Hungersnöte bis weit ins 19. Jahrhundert in mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden auf. Die GrĂŒnde dafĂŒr lagen v. a. in der labilen Produktion aufgrund der extensiven Bewirtschaftung sowie der geringen Differenz zwischen Saatgut und Erntemenge. Dazu kamen schlechte Transportmöglichkeiten, um Lebensmittel bei Bedarf einfĂŒhren zu können.
Getreide wurde nur bei einer mageren Ernte eingefĂŒhrt, bei Fleisch war eine aber Einfuhr generell notwenig (besonders ungarische Ochsen und Vieh aus der Steiermark). So betrug z. B. der Viehtrieb von Ochsen aus Ungarn auf der Straße ĂŒber Königswiesen und Pregarten im Jahre 1569 4900 StĂŒck; 1592 waren es 3600, 1628 2650 und 1641 zĂ€hlte man 700 StĂŒck.
Um die ErnĂ€hung der Bevölkerung zu sichern, wurden in Notenzeiten verschiedene Maßnahmen ergriffen: So herrschte völlige Mautfreiheit, um die Lebensmittelzufuhr zu begĂŒnstigen, andererseits bestanden Ausfuhrverbote fĂŒr Getreide und Vieh, daneben gab es HöchstpreiserlĂ€sse. Zudem wurden Aufzeichnungen ĂŒber die VorrĂ€te in den GetreidekĂ€sten bei den einzelnen Herrschaften sowie jener bei den BĂ€ckern, aber auch in einzelnen Haushalten angeordnet, es kam zu Probemahlen und -backen sowie Probeschlachtungen; auch das Bierbrauen wurde bei herrschendem Getreidemangel untersagt.
Der Erfolg dieser Maßnahmen blieb allerdings großteils aus, da keine Exekutive im eigentlichen Sinn existierte, welche die Einhaltung der Vorschriften auch hĂ€tte kontrollieren können. So war es etwa ĂŒblich, dass viele ihre VorrĂ€te zurĂŒckhielten und somit die Lebensmittelpreise ohne Sanktionen in die Höhe trieben.
Die Wirtschaftskontrolle innerhalb eines grundherrlichen Betriebes, die nach Auffassung der StÀnde nur von Landrichtern zu besorgen sei, blieb ebenfalls ohne Effekt, da die Richter nicht gegen die Interessen ihres eigenen Herren vorgingen. So wurde Bauern etwa von den Grundherren und ihren Beamten gegen Bezahlung eines so genannten Willengeldes die verbotene Ein- und Ausfuhr von Waren gestattetet; auf diese Weise dienten die WochenmÀrkte vielfach dem Ausfuhrhandel.
Der Großhandel mit Lebensmitteln, v. a. Getreide, spielte sich besonders in Wels ab; fĂŒr die Versorgung des Salzwesens diente der Wochenmarkt in Gmunden, fĂŒr das Eisenwesen bestanden MĂ€rkte in Steyr, Kirchdorf und Windischgarsten. ViehwochenmĂ€rkte wurden primĂ€r im oberen MĂŒhlviertel abgehalten.

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Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf: Hoffmann, Alfred: Wirtschaftsgeschichte des Landes Oberösterreich. Bd. 1. 1952.

Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

 

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