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Grundherrschaft und Wirtschaftsherrschaft


Kapitalisierung der Grundherrschaften
Am Beginn des 16. Jahrhunderts kam es zu einem Wandel des inneren GefĂŒges der Grundherrschaften, die Lage der Bauern verschlechterte sich in ganz Europa zusehends: Seit der Kolonisation bislang kaum erschlossener Gebiete hatten sie weniger Freiheiten, zudem ist die Tendenz zur Angleichung abgestufter AbhĂ€ngigkeiten der Bauern zu beobachten; das Ziel war das Entstehen einer möglichst einheitlichen Schicht an Untertanen.
Feststellbar ist eine Erhöhung der dinglichen Leistungen (auch bei persönlich freien Bauern, z. B. das Besthaupt), aber auch die Umwandlung dinglicher Leistungen in Geldabgaben (Robotgeld statt Robot). Die Beschwerden der Bauern richteten sie vermehrt gegen die hohen Abgaben, die bei jeder Art von Besitzwechsel gefordert wurden. So betrug das Freigeld bei Besitzwechsel rund ein Drittel oder die HÀlfte des Bauernvermögens.
Der Gesindezwang – ergangen in der landesfĂŒrstlichen Resolution von 1582 – verpflichtete die Bauern, ihre Kinder der Herrschaft fĂŒr eine bestimmte Zeit als Dienstboten zur VerfĂŒgung zu stellen. Dem Anfeilzwang folgend mussten die Bauern zuerst der Herrschaft alle ihre Erzeugnisse wie Getreide, Leinwand, aber auch das Vieh fĂŒr die Deckung des Eigenbedarfs anbieten. Die Herrschaften wollten sich so selbst den Handel sichern und gleichzeitig die Bauern weitgehend von den MĂ€rkten abhalten. Das gelang aber nicht immer, denn manche Bauern konnten trotz allem auf den MĂ€rkten zusĂ€tzlichen Verdienst erwirtschaften. Die Polizeiverordnungen gegen den Luxus der Bauern bei Kleidung und Essen kamen wohl nicht von ungefĂ€hr. So gab es im Land ob der Enns relativ hĂ€ufig wohlhabende Bauern. Alfred Hoffmann vertritt daher die These, dass nicht unbedingt die wirtschaftlich schlechte Stellung der Bauern immer wieder zu AufstĂ€nden im Land ob der Enns gefĂŒhrt hat, sondern vielmehr die relativ gute Lage den Widerstandsgeist gestĂ€rkt hat.
Dennoch stand eine sehr kleine, ĂŒberaus wohlhabende Gruppe der großen Masse jener gegenĂŒber, die Ă€ußerst bescheiden lebten. Dazu zĂ€hlten Bauern ebenso wie Handwerker und Tagelöhner.

Ausbildung der Wirtschaftsherrschaft
Die Tendenz zur Kapitalisierung der Grundherrschaft und ihres Untertanenverbandes ging einher mit der Ausbildung der Wirtschaftsherrschaft, wie Hoffmann sie bezeichnet. Darunter versteht er eine Mittelstellung zwischen der alten Renten- und der neuen Gutsherrschaft. Dabei blieb der grĂ¶ĂŸte Teil des nutzbaren Landes auf die selbststĂ€ndigen bĂ€uerlichen Wirtschaften verteilt, gleichzeitig kam es aber zu einer stĂ€rkeren Zentralisierung der Abgabenverwaltung und einem vermehrten Heranziehen zu Dienstleistungen fĂŒr die Herrschaft. Das Ziel war, einen relativ einheitlichen ökonomischen Verband zu etablieren. Daher bestand das Bestreben der Gutsherrschaften, möglichst geschlossene BesitzflĂ€chen zu erhalten und eine weit reichende wirtschaftliche Autonomie (monopolisierter Binnenmarkt) zu erlangen. Der Aufstieg der politischen StĂ€nde ging also mit dem gleichzeitigen BemĂŒhen einher, eine auf der Grundherrschaft basierende, wachsende Wirtschaftsmacht zu etablieren. Andererseits wurde mit der Religionskonzession des Jahres 1586 gleichzeitig auch das LandesfĂŒrstentum entmachtetet, indem den StĂ€nden darin eine Reihe wirtschaftlicher ZugestĂ€ndnisse gemacht wurde.

Die bÀuerlichen Untertanen
Obwohl im 16. Jahrhundert meist von einer Vermindung der Anzahl selbststĂ€ndiger BauerngĂŒter und einer vermehrten Bindung der Bauern an die Grundherrschaft gesprochen wird, blieb im Land ob der Enns der ĂŒberwiegende Teil des Ackerlandes in der Nutzung der Bauern. Außerdem kam es im 16. und in der ersten HĂ€lfte des 17. Jahrhunderts zu einer Vermehrung der Bevölkerung und in der Folge auch zu einer Zunahme an WohnstĂ€tten. So entstanden zahlreiche kleine „HĂ€usel“, deren Bewohner sich meist mit Viehzucht fortbrachten. In wirtschaftlichen schlechten Zeiten waren es aber gerade die Bewohner dieser „verschwiegenen GĂŒteln“, welche in die Stadt zogen und dort als Bettler ihr Dasein fristeten.
Daneben bildeten die so genannten Inleute eine eigene Schicht der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Sie verfĂŒgten nicht ĂŒber Haus- und Grundbesitz und verdingten sich als Dienstboten und Tagelöhner. Gerade diese bildeten in den BauernaufstĂ€nden ein radikales Element.
Im Zusammenhang mit dem Zuwachs an WohnstĂ€tten sind in der ersten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts im Land ob der Enns zahlreiche Rodungen zu beobachten, etwa in den recht ansehnlichen Waldgebieten im MĂŒhl- und Machlandviertel. Gleichzeitig wurden bisher öde Heiden kultiviert, etwa die Welser Heide. Gerade in Zeiten der Religionsemigration im 17. Jahrhundert bemĂ€chtigten sich Menschen dort ohne jedes Entgelt unbesiedelten Bodens.


Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf: Hoffmann, Alfred: Wirtschaftsgeschichte des Landes Oberösterreich. Bd. 1. 1952.

Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

 

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