Forum O√Ė Geschichte

Die Eisenindustrie


Steyrer Eisenkompagnie

Bereits Maximilian I. bem√ľhte sich um eine einheitliche Ausrichtung der gesamten Eisenproduktion und des -handels (1497: Bestellung des obersten Bergrichters als Zentralorgan f√ľr das gesamte Bergwesen in der nieder√∂sterreichischen L√§ndergruppe, 1517 Erlass einer Bergordnung). Im steirischen Eisenwesen nahm der Landesf√ľrst durch das neu geschaffene Innerberger Amt und die daf√ľr erlassene Ordnung (1539) einen wachsenden Einfluss auf den Berg- und H√ľttenbetrieb.
Doch nach dem Tode Ferdinands I. 1564 erfolgte seiner Anordnung zufolge die Teilung der habsburgischen Erblande unter seinen drei S√∂hnen (bestehend bis 1619): Maximilian II. erhielt die √∂sterreichischen Donaul√§nder einschlie√ülich des Salzkammergutes, Ferdinand Tirol und die Vorlande, Karl fiel Inner√∂sterreich (Steiermark, K√§rnten und Krain) zu. Somit bestand eine Trennung zwischen der Steiermark sowie Ober- und Nieder√∂sterreich, die f√ľr die Eisenindustrie nicht f√∂rderlich war. Der Ruf nach einer gemeinsamen Verlagsordnung f√ľhrte 1581 ‚Äď v. a. auf Dr√§ngen Erzherzog Karls ‚Äď schlie√ülich zur Errichtung der Steyrer Eisenkompagnie, 1584 wurde eine Eisenobmannschaft zu Steyr als landesf√ľrstliche Aufsichtsbeh√∂rde f√ľr diesen Bereich gegr√ľndet. Dem Eisenobmann, f√ľr den eine eigene Instruktion geschaffen wurde, geb√ľhrte die Jurisdiktion √ľber das gesamte Eisenwesen.

Innerberger Hauptgewerkschaft
Auch wenn die L√§nderteilung 1619 wieder aufgehoben wurde, eine getrennte Verwaltung der √∂sterreichischen und steirischen L√§ndergruppe blieb weiterhin aufrecht. Das Ziel war daher weiterhin eine Vereinheitlichung von Eisenproduktion und -handel in den L√§ndern. Daher erfolgte 1625 die Gr√ľndung der Innerberger Hauptgewerkschaft, welche genau diese Vereinheitlichung anstrebte. Erg√§nzt wurde die Hauptgewerkschaft durch das Kammergrafenamt in Eisenerz, dem das gesamte √∂sterreichisch-steirische Eisenwesen untergeordnet war; das Kammergrafenamt unterstand wiederum der steirischen Regierung in Graz. Dessen Aufgabe bestand darin, die reibungslose Zusammenarbeit von Radmeistern (Besitzer von Radwerken, einer Art Hochofen, die v. a. in der Steiermark bestand), Hammermeistern und Eisenh√§ndlern zu gew√§hrleisten und gleichzeitig das Kleineisengewerbe einzubinden.

Was die Zahl der H√§mmer betrifft, die zum Innerberger Eisenwesen geh√∂rten, sind um 1498 rund 20 w√§lsche H√§mmer (W√§lsche H√§mmer bestanden aus Breit- und Tiefh√§mmern.), 1524 49 gro√üe w√§lsche und 94 kleine H√§mmer, 1556 schlie√ülich 28 w√§lsche in √Ėsterreich und 21 in Steiermark zu nennen. Die w√∂chentliche Produktion eines Hammerwerkes betrug seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts rund 75 Zentner; eine Steigerung wurde untersagt, um kleinere Betriebe nicht zu sch√§digen.

Zahlreiche Kleinbetriebe
W√§hrend die Hammerwerke mit ihren gro√üen w√§lschen und kleinen H√§mmern das Roheisen bearbeiteten und Halbfabrikate herstellten, befassten sich die Eisenwerkst√§tten mit der Herstellung von Fertigwaren. Diese Kleinbetriebe geh√∂rten nicht der Eisenkompagnie bzw. der Hauptgewerkschaft an, sondern befanden sich in Privatbesitz und waren meistens z√ľnftisch organisiert. Die rohen Eisensorten (Kloben) von den W√§lschh√§mmern kamen direkt in den Handel oder zur weiteren Verarbeitung zu Stangen- und Zaineisen (Eisenstangen, die zu N√§geln oder Draht verarbeitet wurden) oder Blech.

Messerer
Eine besondere Stellung nahmen seit dem Mittelalter die Messerer ‚Äď mit den Zentren Steyr und Steinbach an der Steyr ‚Äď ein. Messer waren das wichtigste Exportprodukt. Die Zahl der Messerer nahm im 16. Jahrhundert weiter zu, u. a. wegen der Einwanderung von Messererschmieden aus Schwaben nach Kleinraming (um 1530) oder von Schleifermeistern und Ahlschmieden aus Schmalkalden nach Losenstein (um 1550). Die Bl√ľte des Messererhandwerks dauerte bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts an.

Nagelschmiede
Zu den stark anwachsenden Eisengewerben z√§hlten im 16. Jahrhundert auch die in Losenstein seit dem 15. Jahrhundert ans√§ssigen Nagelschmieden. Die Zunft der Sichel- und Nagelschmiede in Losenstein umfasste zu Beginn des 16. Jahrhunderts rund 200 Meister. Die N√§gel aus Ober√∂sterreich verf√ľgten √ľber eine besonders hohe Qualit√§t, da sie aus Stahl verfertigt waren.

Sensenschmiede

Ende des 16. Jahrhunderts lief allerdings ein Eisengewerbe allen anderen den Rang ab: die Sensenschmiede mit dem Zentrum Kirchdorf-Micheldorf. Die hier gebildete Zunft, deren älteste Ordnung aus dem Jahre 1595 stammt, umfasste Anfang des 17. Jahrhunderts 42 Werkstätten.
Den Aufschwung verdankt das Gewerbe u. a. einer technischen Neuerung durch den Scharnsteiner Meister Konrad Eisvogl (um 1580): dem Wasserhammer zum Ausschmieden des Sensenblattes. Die so produzierten ‚Äěblauen Sensen‚Äú traten einen wahren Siegeszug an. Herren in der Grundherrschaft Scharnstein waren seit 1584 √ľbrigens die evangelischen J√∂rger, die in der Gegend auch f√ľnf Sensenwerke errichten lie√üen.

Zahlreiche Protestanten
Überhaupt waren einige im Eisenhandel und der Eisenproduktion Tätige bekennende Protestanten, etwa der größte Eisenhändler des Landes, Christoph Weiß, und rund 25 weitere Ennstaler Hammerherren.
Dieser Umstand bef√∂rderte auch den Niedergang der Eisenindustrie Anfang des 17. Jahrhunderts. Nat√ľrlich spielten auch zahlreiche √úberschwemmungen in der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts eine gro√üe Rolle, da diese Betriebsanlagen, Holzrechen, Schiffswege und Stra√üen zerst√∂rten. Doch letztlich sorgte das Reformationspatent Kaiser Ferdinands II. vom 4. Oktober 1624 daf√ľr, dass allein aus Steyr ‚Äď in der Zeit des Sp√§thumanismus die gr√∂√üte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt des Landes ob der Enns ‚Äď 228 im Eisenhandel bzw. der Eisenindustrie t√§tige Familien wegzogen: Zwischen 1626 und 1630 wanderte ein Gro√üteil der Steyrer Eisenh√§ndler nach N√ľrnberg und Regensburg aus. Viele dieser H√§ndler unterhielten Handelsbeziehungen nach N√ľrnberg, Augsburg, Regensburg, Frankfurt, Breslau, Krakau und Antwerpen und nat√ľrlich nach Venedig. Gerade mit aus Venedig importierten Luxuswaren lie√ü sich auch ein gro√üer Gewinn erzielen (Venedigerhandel).

Generell l√§sst sich sagen, dass gerade die Gegenreformation, aber auch der Bauernkrieg des Jahres 1626 zu einem empfindlichen R√ľckgang der st√§dtischen Bev√∂lkerung f√ľhrten. 1663 standen in Steyr von 605 H√§usern 288 leer, dabei war Steyr einst die einwohnerst√§rkste Stadt √Ėsterreichs hinter Wien. In Wels waren von 424 H√§usern 240 verwaist, in Enns 132 von 219 und in Freistadt waren von 238 H√§usern gar 200 besch√§digt oder verfallen.


---> Mehr zum Eisenhandel in Oberösterreich

---> Mehr zum Sensenhandel in Oberösterreich

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Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf: Hoffmann, Alfred: Wirtschaftsgeschichte des Landes Oberösterreich. Bd. 1. 1952.

Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

 

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