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Wissenschaft, Bildung und Kunst zur Zeit von Humanismus und Renaissance in Oberösterreich – Einleitung


Antike als Ideal

Renaissance und Humanismus sahen die griechische und römische Antike als ihr Ideal, weshalb diese in vielerlei Hinsicht rezipiert wurde, etwa durch ein am klassischen Vorbild orientiertes Latein oder die Übernahme des römischen Rechts. In der Kunst wurde die Formensprache der Antike ebenso aufgegriffen wie die Themen der antiken Mythologie. Neu war in der bildenden Kunst dagegen das konsequente Anwenden der Zentralperspektive bei der räumlichen Darstellung.

Veränderungen in den Wissenschaften

Renaissance und Humanismus nahmen auch einen entscheidenden Einfluss auf die Orientierung und Entwicklung der Wissenschaften in der Neuzeit. Der besondere Stellenwert und der kritische Umgang mit den Quellen sowie die zentrale Rolle von (Natur-)Beobachtung und mathematischer Berechnung sollten die Wissenschaft nicht nur im 16., sondern auch der folgenden Jahrhunderten entscheidend prägen. Besonders en vogue war in der Umbruchszeit zwischen dem ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit die Astronomie – zu dieser Zeit noch nicht von der Astrologie getrennt –, der sich ein mit Linz in besonderer Weise verbundener Forscher intensiv widmete: Johannes Kepler.

Veränderungen vollzogen sich aber auch im Bereich der Medizin, die ein besonderes Interesse an anatomischen Studien (dem von der katholischen Kirche verfolgen Sezieren) zeigte. Zahlreiche Arzneibücher fanden, auch durch den aufstrebenden Buchdruck mit beweglichen Lettern, Verbreitung.
Im Bereich der Naturwissenschaften erfreute sich die Botanik besonderen Interesses, was seinen Niederschlag im Sammeln bis dato unbekannter bzw. exotischer Pflanzen sowie in der Gartenbaukunst fand. Die Gartenkunde (Hortologie) wurde intensiv betrieben, der Garten als solcher geriet zum Ausdruck adeligen Lebensgefühls und zur Demonstration der eigenen gesellschaftlichen Stellung.
Die neuen Lebensformen des Adels fanden ihren Niederschlag aber nicht nur in den repräsentativen Gartenanlagen, sondern auch in verfeinerten Formen des Turniers, in Maskenspielen und Schützenfesten, in der Musikpflege sowie in der Stilisierung des Alltagslebens bei Wohnen und Kleidung.

Universalgelehrte

Entscheidend ist auch das Selbstbild der Zeitgenossen, rückten Renaissance und Humanismus doch das Individuum in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Dieses Ideal des Renaissancemenschen und Humanisten war jenes des Universalgelehrten, des uomo universale. Die Humanisten betätigten sich in vielen Bereichen der Wissenschaft, zeigten Interesse an den fremden Sprachen, an der Dichtung und an den Naturwissenschaften, vor allem der Medizin und Botanik, waren des Öfteren auch Theologen und fühlten sich darüber hinaus den schönen Künsten verpflichtet.
In diesem Kontext wurde Bildung zu einem wichtigen Parameter und auch Martin Luther forderte, die Kinder „zur Schulen zu halten“. Das evangelische Schulwesen prägte nicht umsonst geraume Zeit das Land ob der Enns.


Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

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