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Thomas Lansius – seine „Flucht” nach Tübingen


Die protestantischen Adeligen Oberösterreichs besetzten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Pfarren und Landschaftsschulen u.a. mit Predigern und Lehrern aus Tübingen. Samuel Übermann, einer der Lehrer von Thomas Lansius an der Landschaftsschule in Linz, übernahm später die Pfarrerstelle in Pergkirchen.

Thomas Lansius studierte in Tübingen, um später in seiner Heimat Karriere machen zu können. Er stand um 1600 in Kontakt mit dem Anführer der oberösterreichischen Stände, Georg Erasmus Tschernembl. Die einsetzende Gegenreformation verhinderte schließlich die Rückkehr von Lansius, er sah für sich in seiner Heimat keine beruflichen Chancen mehr. Gleichzeitig mit seiner Promotion zum Doktor beider Rechte heiratete er 1604 Susanne Schnepf und wurde Mitglied einer sehr angesehenen Tübinger Familie. Kurz darauf begann seine Karriere im Dienste der württembergischen Herzöge. Thomas Lansius war also zunächst „Auslandsstudent”, dann „Wirtschaftsflüchtling” und letztendlich ein „Exulant”, der aus Glaubensgründen nicht mehr zurückkehren konnte und seine Heimat für immer verlassen musste.

Ritterakademie „Collegium Illustre” in Tübingen

Die völlig unabhängig von der Universität geführte Bildungseinrichtung der württembergischen Herzöge stand dem Adelsnachwuchs aus ganz Europa zur Verfügung.

Ab 1606 war dort Hans Joachim von Grünthal Oberhofmeister und Thomas Lansius wurde zunächst als Professor für Geschichte, Politik und Beredsamkeit (Rhetorik) und ab 1611 auch als Jurist berufen.
Eine Broschüre mit Zeichnungen aus dem Leben am Collegium Illustre wurde gemeinsam mit den neu aufgelegten Statuten an die europäischen Höfe gesandt. Die Zeichnungen waren auch beliebt als Einlageblätter für die Stammbücher der meist adeligen Studenten.

Thomas Lansius diente der Einrichtung von 1606 bis 1629 und nach der Wiedereröffnung von 1653 bis 1657. Sein fortschrittlicher Rhetorikunterricht in der Form von Konsultationen war sehr beliebt. Die von Lansius verfassten Reden wurden in Buchform herausgegeben und fanden auch an anderen Ritterakademien Verwendung.


In der Ausstellung:

  • Nachbildungen von Zeichnungen und Gemälden (Tübingen, Herzogsfamilie, Collegium Illustre)
  • Originale eines Rhetorik-Lehrbuches
  • Diorama mit Prüfungszene am Collegium Illustre
  • Nachdrucke in Originalgröße von Schriftstücken


Autor: Franz Pfeiffer, 2017


Thomas Lansius. Flucht und Karriere. Dokumentation der Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg vom 6. Mai bis 26. Oktober 2017.
Umfassende, weiterführende Informationen zur Biografie und zum Werk des Thomas Lansius finden sich im Blog "Thomas Lansius, ein Oberösterreicher" von Mag. Franz Pfeiffer.

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