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Thomas Lansius - studieren und netzwerken vor 400 Jahren


Ausbildung an der Universität Tübingen 

Thomas Lansius hatte sich nach dem Besuch der protestantischen Landschaftsschule in Linz im September 1594 an der Universität Tübingen unter dem Namen Thomas Lantz, Bergensis, Austriacus, inskribiert. 

Bereits 7 1/2 Monate später erwarb Thomas Lansius bei Professor Michael Ziegler den Grad eines Baccalaureus mit der Schrift "Disputatio Physiologica de Rerum naturalium principiis" (Disputation über die Grundstoffe der natürlichen Dinge). Er widmete seine erste wissenschaftliche Arbeit seinem Vater, Lienhart Lanß, Tuchscherer und Marktrichter von Perg. Als Auslandsstudent finanzierte er sein juristisches Studium als Begleiter des österreichischen Adeligen Abraham Hölzel auf dessen Kavalierstour durch Europa. Auch nach seiner Heirat blieb er mit weiteren Oberösterreichern in Tübingen vernetzt. Hans Joachim von Grünthal aus Kremsegg war sein langjähriger Vorgesetzter am Collegium Illustre. Lansius war mit vielen Gelehrten befreundet und hatte in Tübingen viele Kollegen. Seine Schüler waren Adelige aus ganz Europa. Seine europaweite Bekanntheit war dem Vertrieb seiner Bücher förderlich.

Zwei Schriften zum "Recht des Königs"
Georg Erasmus Tschernembl war einer der führenden Politiker der ober- und niederösterreichischen Stände. Seine Politik war auf eine gleichberechtigte Ausübung des protestantischen Glaubens im katholischen Kaiserreich gerichtet. Obwohl Calvinist, stellte er dieses Ziel über das Trennende im Protestantismus. Um 1600 verfasste er eine Schrift mit dem Titel "De residentia subditorum adversus principem legitima". Obwohl von seiner Hand geschrieben, bestehen bis heute Zweifel, ob es sich inhaltlich in allem um sein Werk handelt.

Bemerkenswert ist, dass Thomas Lansius 1602 seine Dissertation mit dem Titel "De lege Regia" präsentierte, die sich exakt mit derselben Thematik beschäftigte. Lansius hat sein Werk Georg Erasmus Tschernembl gewidmet. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Thomas Lansius zu diesem Zeitpunkt eine Rückkehr in die Heimat in Erwägung gezogen hatte und über eine Anstellung bei den oberösterreichischen Ständen verhandelte.


Autor: Franz Pfeiffer, 2017


Thomas Lansius. Flucht und Karriere. Dokumentation der Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg vom 6. Mai bis 26. Oktober 2017.
Umfassende, weiterführende Informationen zur Biografie und zum Werk des Thomas Lansius finden sich im Blog "Thomas Lansius, ein Oberösterreicher" von Mag. Franz Pfeiffer.

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