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DIE J√ĖRGER

Hans J√∂rger (1558 - 1627) - Verlust der G√ľter


STANDPUNKT: "Man soll den Kaiser gar nicht annehmen, bevor er nicht die Religionsprivilegien bestätigt und das Kriegsvolk aus dem Land schafft."

Er war ein Urenkel Wolfgang IV. und Dorotheas, der einzige Sohn Sebastians. Auf Tollet erhielt er als Knabe eine fundierte Ausbildung, sp√§ter studierte er in T√ľbingen und Padua.

Besitz und √Ąmter
Heimgekehrt gewann er die im dritten Grade blutsverwandte Barbara Jörger zur Frau, mit der er 13 Kinder hatte. Sie brachte das niederösterreichische Schloss Zacking mit in die Ehe. In Niederösterreich besaß Hans auch Johannstein und Pottenbrunn.
Seit 1582 war er Landrat und von 1598 - 1603 Verordneter des Herrenstandes ob der Enns. In Tollet begann mit ihm eine Bl√ľtezeit. Er lie√ü von 1601 bis 1611 das Schloss von Grund auf erneuern, sein Name und der seiner Frau befinden sich im Stuck der Decke des Festsaals. Auch den lang gehegten Wunsch der J√∂rger nach einem eigenen, wenn auch sehr kleinen Landgericht konnte er verwirklichen. Gerade deshalb traf es Hans auch besonders hart, als sein Stammsitz f√ľr ihn und seine Erben verloren ging.
Seinen Untertanen war er ein guter Grundherr, auch wenn er 1596 bei seiner Heimkehr einen Beschwerdebrief der Bauern vorfand. Durch verschiedene, von einer Kommission angeregte Kompromisse konnte er jedoch einen Aufruhr, wie er in vielen anderen Grundherrschaften stattfand, verhindern.

Rebellion und G√ľterentzug
Als Ferdinand II. die Regierung antrat, stellte sich Hans J√∂rger an die Spitze der Opposition besonders in Nieder√∂sterreich. Hans wurde nach Scheitern der Rebellion des Hochverrates angezeigt. Man fand bei ihm z. B. ein Schriftst√ľck, das die M√§hren zum Aufstand rief. An dieses Schreiben hatte er sein Siegel geh√§ngt, "damit er desto mehr seinen rebellischen Eifer bezeige." Auch unter ein B√ľndnis mit den aufst√§ndischen B√∂hmen hatte er seine Unterschrift gesetzt und zu alldem dem Kaiser noch die Huldigung verweigert. F√ľr die mehrfache Majest√§tsbeleidigung verfiel sein Hab und Gut dem Fiskus. Gegen die Schwere der Anklage konnte er sich nicht mehr rechtfertigen und so reichte er 1622 ein Bittgesuch um Einstellung des Prozesses und Revision der Schuldbeweise ein. Dennoch wurde 1623 sein nieder√∂sterreichisches Gut konfisziert und, was Hans besonders traf, Tollet wurde ihm genommen. Der Kaiser gab es einem der √§rgsten Feinde der Protestanten, dem verhassten Statthalter Adam Graf Herberstorff. Dies sollte Hans jedoch nicht mehr erleben. Seine Kinder konnten zwar einige der G√ľter zur√ľckgewinnen, Tollet blieb jedoch f√ľr immer verloren.


Dokumentation Die Jörger von Tollet und ihre Zeit, Sonderausstellung Standpunkte im Schloss Tollet im Zuge der Oö. Landesausstellung 2010.

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