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DIE SAGEN

Die Sagen vom Geißschädel


Die Burg Steinbach/Schwabegg hat im Volksmund noch einen dritten Namen: „Geißschädel“. Dazu gibt es eine allgemein bekannte Sage:

In der Gemeinde St. Georgen bei Grieskirchen befand sich die Burg Schwabegg, die heute noch unter dem Namen "Geißschädel" in der Erinnerung des Volkes weiterlebt. Die Burg soll einmal belagert worden sein. Die Eingeschlossenen hielten den Schädel einer frisch geschlachteten Ziege über die Mauerkrone, damit die Belagerer sehen, dass die Burg noch lange nicht ausgehungert ist. Darauf zogen die enttäuschten Belagerer ab.

Ähnliche Sagen gibt es allerdings von vielen Burgen. In diesem Fall dürfte es so gewesen sein, dass sich die Überlieferung der Belagerung von 1171 mit einem alten Sagenmotiv mischte.

Es gibt noch eine andere, weniger bekannte Version der Sage:

Auf einem bewaldeten Hügel, etwa 200 Schritte von der Kirche St. Georgen bei Tollet entfernt, besaß ein Schneider sein Häuschen. Hinter dem Hause hatte er in einem kleinen Stall eine Geiß. Eines Morgens lag sie verendet auf der Streu. Böse Zungen behaupteten, sie sei verhungert. Ein Spielmann, ein spottlustiger Geselle, der ihm schon manchen Streich angetan hatte, schnitt dem Tier den Kopf ab und befestigte ihn an einer Stange nahe dem Häuschen. Seither heißt der Hügel der Geißschädel.

Der Name "Geißschädel" könnte aber auch anders entstanden sein. Ein altes Wort für Verhau oder Befestigung war K´hay (Gehäu),  ein "Khayberi" im bayrischen Dialekt bedeutete befestigter Berg. Das Wort "Sedl" hieß Ansitz, Edelsitz, Khaysedl* würde also befestigter Edelsitz heißen. Die vielen seltsamen Schreibungen des Namens Geißschädl in früheren Zeiten weisen darauf hin, dass man dem Schreiber einen Namen diktierte, dessen Bedeutung er nicht mehr verstand. Die Sagen versuchen dann eine Erklärung für den seltsamen Namen zu bieten.


Dokumentation Die Jörger von Tollet und ihre Zeit, Sonderausstellung Standpunkte im Schloss Tollet im Zuge der Oö. Landesausstellung 2010.

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