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GEGENSPIELER

Ferdinand I. geb. 1503, ab 1521 regiert er √Ėsterreich, Kaiser von 1558 ‚Äď 1564


STANDPUNKT:  "Cuius regio, eius religio" (Wessen Land, dessen Religion)

Er sah sich bei Antritt seiner Regierung mit gro√üen Problemen konfrontiert: Besonders die nieder√∂sterreichischen St√§nde und die Wiener B√ľrger rebellierten gegen ihn. Ferdinand griff hart durch und lie√ü acht Anf√ľhrer hinrichten. Auch die T√ľrken bildeten eine gro√üe Gefahr. 1529 belagerten sie Wien, mussten aber wegen ausbrechender Seuchen abziehen.
Ferdinand war verheiratet mit Anna von Böhmen und Ungarn. Sie hatten 15 gemeinsame Kinder.

Beziehung zum Protestantismus
Ferdinand war selbst streng katholisch und richtete die ersten Zentren der Gegenreformation ein.
Er berief zur Festigung der katholischen Kirche die Jesuiten nach Wien, Graz und Innsbruck und setzte auf eine Gegenreformation durch Erziehung und Belehrung. Er versuchte durch schriftliche Befehle den Vertrieb lutherischer B√ľcher und die Anstellung von lutherischen Predigern zu verhindern, auch gegen das Abendmahl in beiderlei Gestalt wendete er sich.
Dennoch war er zu Konzessionen gegen√ľber den Protestanten geneigt. Die deutschen Reichsst√§nde erhielten im Augsburger Religionsfrieden 1555 Religionsfreiheit und wurden den Katholiken gleichgestellt. Der Landesherr konnte die Religion der Untertanen bestimmen, wer diese nicht annehmen wollte, musste jedoch auswandern. F√ľr die L√§nder der katholischen Habsburger h√§tte dies bedeutet, dass alle Protestanten das Land verlassen m√ľssen, wenn dies auch noch nicht mit Vehemenz gefordert wurde, da Kaiser Ferdinand die Hilfe der evangelischen St√§nde gegen die T√ľrken zu dringend ben√∂tigte. Ferdinand  versuchte zwar die Kluft zwischen Katholiken und Protestanten zu √ľberwinden und eine Kirchenspaltung zu  vermeiden, indem er dem Konzil von Trient Vorschl√§ge f√ľr eine Reform der katholischen Kirche unterbreitete. Diese wurden jedoch durch das Konzil abgelehnt, wodurch die Trennung zwischen katholischer und evangelischer Kirche endg√ľltig vollzogen war.

Beziehung zu den Jörgern
Ferdinand  setzte Wolfgang IV. J√∂rger als Landeshauptmann ob der Enns ab und besetzte den Posten wieder mit einem Mitglied des Herrenstandes. Er bereinigte aber auch den Konflikt Wolfgangs mit dem Herrenstand und berief ihn in den Hofrat.
Christoph II., ein Sohn Wolfgangs und Dorotheas, war Regimentsrat. In diesem Amte musste er aber an katholischen Prozessionen und anderen religiösen Handlungen teilnehmen. Dies beschwerte sein Gewissen derart, dass er bei Martin Luther Rat suchte. Dieser antwortete ihm, er solle seinem Gewissen folgen, Christoph zog die Konsequenz und legte sein Amt als Regimentsrat nieder.
Christoph J√∂rger √ľberreichte dem Kaiser auch eine selbst verfasste Schrift, in der durch Ausz√ľge aus der Bibel die Notwendigkeit des Empfangs des Abendmahles unter beiden Gestalten (Brot und Wein) bewiesen werden sollte.
Sebastian Jörger erhielt von Ferdinand I. den Befehl seinen protestantischen Prediger "abzuschaffen", was er jedoch nicht tat.


Dokumentation Die Jörger von Tollet und ihre Zeit, Sonderausstellung Standpunkte im Schloss Tollet im Zuge der Oö. Landesausstellung 2010.

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