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DIE J√ĖRGER

Dorothea Jörger (1477(?) - 1556)


STANDPUNKT: "Zum anderen befehle ich meinen lieben Kindern fest bey dem Evangelio zu bleiben und dasselbige zu fördern und mehren von ganzem Herzen, unter sich selbst und bey ihren Leutlein."

Sie war die Tochter Hans Ramings, des kaiserlichen Burghauptmannes zu Bruneck in Tirol. Wolfgang und Dorothea hatten sechs Kinder, die T√∂chter Amalia, Katharina und Benigna und die S√∂hne Christoph II., Hillebrand II. und Hans IV.. Als Wolfgang 1524 starb, d√ľrfte Dorothea 47 Jahre alt gewesen sein. Die Witwe verzichtete auf eine weitere Heirat und widmete sich ganz ihren Kindern und der Vermehrung des Besitzes. Dies war n√∂tig geworden, da Wolfgang ohne Testament gestorben war und Dorothea Angst hatte, durch die Erbteilung w√ľrden Streitigkeiten unter ihren Kindern, die zu dieser Zeit alle noch in Tollet wohnten, entstehen. Sie verbrachte einen Teil ihrer Witwenzeit auf Schloss K√∂ppach in der Pfarre Atzbach.

Dorothea legte den Grundstein f√ľr die religi√∂se √úberzeugung der J√∂rger. Die gro√üteils sehr gebildeten, belesenen und bibelfesten J√∂rger verfolgten schon l√§ngere Zeit die Verfallserscheinungen des katholischen Glaubens. Auch der lang andauernde Vogteistreit (siehe Bl√ľtezeit der Reformation), der keine geregelte Seelsorge m√∂glich machte, bereitete den Boden f√ľr die neue Lehre. Wolfgang und Dorotheas Sohn Christoph II. wurde zwei Jahre vor Wolfgangs Tod an den s√§chsischen Hof entsandt und lie√ü sich ‚Äěaus biblischer Schrift durch Gottes Werkzeug, den gottseligen Martin Luther erleuchten.‚Äú Heimgekehrt wollte Christoph die Lehre in √Ėsterreich verbreiten und auch Dorothea begeisterte sich f√ľr den neuen Glauben. Bald trat sie wie ihr Sohn Christoph mit Luther in Briefkontakt und bat ihn um die Entsendung eines Predigers. Luther kam ihrem Wunsch nach und schickte Michael Stifel als ersten Pr√§dikanten nach Ober√∂sterreich. Doch nicht nur in religi√∂sen Dingen sollte Luther zum Berater Dorotheas werden, oft tr√∂stete er sie, wenn sie ihm ihr Leid √ľber die Uneinigkeit ihrer S√∂hne klagte. Luther wiederum erz√§hlt √ľber die Schwierigkeiten bei der Verbreitung der neuen Lehre, aber auch viel Pers√∂nliches erf√§hrt man √ľber den Reformator. Dorothea unterst√ľtzte ihn, schickte seiner Frau Katharina Bora Geld und S√ľ√üigkeiten, spendete Geld f√ľr arme Gesellen, die die Schrift studieren wollten. Noch in ihrem Testament legte sie ihren Nachkommen das Festhalten an Luthers Lehre ans Herz- ein Wunsch, dem die sp√§teren J√∂rger nachkommen sollten, manche so sehr, dass sie daf√ľr ihre G√ľter, ihren Reichtum und ihre Heimat opferten.

Dorotheas S√∂hne bereiteten ihr wegen ihrer Uneinigkeit viele Sorgen. Die Erbteilung f√ľhrte zu Konflikten, die Verhandlungen dauerten acht Jahre. Das Leben war auch sehr beengt, so musste sich Dorothea ihren Hausstand zeitweise mit zwei S√∂hnen und ihren Familien teilen.

Selbst noch in ihrem Testament bittet Dorothea ihre S√∂hne um Einigkeit, das Gut sei nicht so klein, meint sie, dass es nicht f√ľr alle reiche, wenn sie einig blieben. Dorothea starb am 4. Juni 1556 in ihrem Schloss K√∂ppach und wurde in der Kirche von St. Georgen begraben.


Dokumentation Die Jörger von Tollet und ihre Zeit, Sonderausstellung Standpunkte im Schloss Tollet im Zuge der Oö. Landesausstellung 2010.

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