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Luther und die Reformation


Mönch und UniversitÀtsprofessor Martin Luther (1483-1546) ist ein frommes Kind seiner Kirche.
1505 tritt er in das Kloster ein und wird Mönch im Orden der Augustiner-Eremiten. Er wird von den Ordensoberen zum Theologiestudium bestimmt, erwirbt den Doktorgrad und genießt großes Ansehen innerhalb des Ordens. Von 1512 an wirkt er als Professor an der UniversitĂ€t in Wittenberg. Sein Fach ist die Auslegung der Bibel.
Innerhalb des Klosters steigt er zum Subprior auf und ist als Distriktsvikar fĂŒr zehn Klöster im Umkreis verantwortlich.


Der Konflikt um den Ablass

1517 kommt es zum Konflikt ĂŒber die Ablasspraxis.
Der Ablass ist eigentlich der Nachlass von Strafen bzw. BuĂŸĂŒbungen, welche die Kirche verhĂ€ngen kann. Seine angenommene Wirksamkeit wird auf das Fegefeuer ausgedehnt, wo der FĂŒrbitt-Ablass die Strafe des Fegefeuers verkĂŒrzt.
Der Ablass ist ein wesentliches Merkmal spĂ€tmittelalterlicher Frömmigkeit. Er ist aber auch eine bedeutende Einnahmequelle fĂŒr die Kirche und die LandesfĂŒrsten. Dadurch steht er im Schnittpunkt verschiedener Interessen.
Papst Julius II. (1503-1513) hatte mit dem Bau des Petersdomes begonnen und, um die Finanzierung zu bewĂ€ltigen, einen Ablass ausgeschrieben. Als ihm Leo X. (1513-1521) folgte, tat er es ihm (gezwungenermaßen) gleich. Aber ein solcher Ablass konnte nicht ohne Zustimmung der TerritorialfĂŒrsten durchgefĂŒhrt werden.

„Auch um dies gegenĂŒber den LandesfĂŒrsten durchzusetzen, kam es nun zu einem besonders skandalösen Arrangement mit Albrecht, dem neuen Erzbischof und Landesherrn von Mainz. 1514 war der vierundzwanzigjĂ€hrige Albrecht von Hohenzollern, bereits Erzbischof von Magdeburg und jĂŒngerer Bruder des KurfĂŒrsten von Brandenburg, zum Erzbischof in Mainz gewĂ€hlt worden.
Albrecht hatte dem Mainzer Kapitel versprechen mĂŒssen, die bei seiner Bestellung fĂ€lligen GebĂŒhren von 14 000 Gulden zur BestĂ€tigung der Wahl durch den Papst selbst zu tragen. Albrecht musste jedoch zusĂ€tzlich 10 000 Gulden fĂŒr den Dispens aus Rom aufbringen, um neben seinem Amt als Erzbischof von Magdeburg nun auch noch Erzbischof von Mainz zu werden. Diese Summen lieh sich Albrecht vom Bankhaus Fugger. Zur RĂŒckzahlung sollte Albrecht acht Jahre lang die Ablasspredigt in seinen Landen gewĂ€hren und dafĂŒr die HĂ€lfte der Einnahmen fĂŒr sich behalten. Aufgrund der von Albrecht geborgten Summen, neben den 14 000 (sic!) Gulden fĂŒr Mainz und Rom noch einmal ĂŒber 2000 Gulden fĂŒr den Kaiser und seinem eigenen Anteil am Gewinn, musste Albrecht AblĂ€sse fĂŒr wenigstens 52 000 Gulden verkaufen. ReprĂ€sentanten des Hauses Fugger begleiteten die Prediger, um vor Ort die eingefahrenen Summen fĂŒr ihre Bank einzufordern.
“

Ohne diese ZusammenhĂ€nge zu kennen, fordert Martin Luther 1517 mit den berĂŒhmten 95 Thesen die Mitglieder der UniversitĂ€t zu einem akademischen StreitgesprĂ€ch (Disputation) heraus und ĂŒbermittelt sie zugleich an seinen zustĂ€ndigen Bischof. Doch es kommt weder zu einer Disputation, noch reagiert der Bischof. Aber die Thesen werden ĂŒbersetzt, gedruckt und verbreiten sich in ganz Deutschland.

Die Reaktionen sind sowohl was die Zustimmung als auch was die Ablehnung betrifft, sehr stark. In der kontroversen Diskussion kommt man schnell auf grundlegende Fragen:

  • Wie weit geht die AutoritĂ€t von Papst und Kirche?
  • Können PĂ€pste und Konzilien sich irren?
  • Wie weit ist die Heilige Schrift jene AutoritĂ€t, der sich die Kirche unterordnen muss?


In der Folge spitzt sich die Auseinandersetzung zu: 1520 wird die Bannandrohungsbulle publiziert, und als Luther nicht widerruft kommt es 1521 zur Bannbulle und damit zur Exkommunikation. Diese Exkommunikation von kirchlicher Seite hat auch politische Folgen: 1521, am Reichstag zu Worms erklĂ€rt der Kaiser Luther zum Ketzer und verhĂ€ngt die „Reichsacht“ ĂŒber ihn. Weil der LandesfĂŒrst Luthers, KurfĂŒrst Friedrich der Weise, seine schĂŒtzende Hand ĂŒber ihn hĂ€lt und ihn in einer „Nacht und Nebel Aktion“ entfĂŒhren und in Schutzhaft nehmen lĂ€sst, bleibt er am Leben.

Von nun an aber geht es nicht mehr bloß um die „Luthersache“, sondern darum, dass die reformatorischen Grundgedanken weite Verbreitung gefunden hatten und durch die Exkommunikation Luthers eine Spaltung bewirkt wurde. Von nun an gibt es de facto zwei Kirchen.

Die Übersetzung der Bibel
Von enormer Bedeutung ist die Übersetzung der Bibel, die Martin Luther in seiner „Schutzhaft“ auf der Wartburg beginnt.

Im September 1522 erscheint das „Neue Testament Deutsch“ im Druck und in den folgenden Jahren in steter Folge die einzelnen BĂŒcher des Alten Testaments. 1534 erscheint dann die vollstĂ€ndige Bibel im Druck. Diese Übersetzung ist keineswegs die erste Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache. Aber sie ist die erste Übersetzung, die nicht auf der lateinischen Übersetzung des Hieronymus, der sogenannten „Vulgata“ beruht, sondern aus dem hebrĂ€ischen, bzw. griechischen Ursprungstext der biblischen BĂŒcher ĂŒbersetzt. Zudem ist Luthers Übersetzung ein sprachliches Meisterwerk, das ĂŒber Jahrhunderte hinweg wirkt und auch die katholischen Übersetzungen (die in der Folge im 16. Jahrhundert entstehen) stark beeinflusst.

Heirat
Im Jahr 1525 heiratet der (ehemalige) Mönch Martin Luther die (ehemalige) Nonne Katharina von Bora. Diese Heirat ist auch eine persönliche BestĂ€tigung der theologischen GrundĂŒberzeugung, dass die Ehe Gottes guter Schöpfungsordnung entspricht und nicht gegenĂŒber einer zölibatĂ€ren Lebensweise abgewertet werden darf. Die Ehe ist glĂŒcklich. Luthers viele Briefe an „seinen lieben Herrn KĂ€the“, wie er sie scherzhaft nennt, legen davon Zeugnis ab. Die „Familie Luther“ wird zu einem prototypischen Bild fĂŒr das Familienleben im Evangelischen Pfarrhaus.

Confessio Augustana

Auf dem Augsburger Reichstag im Jahr 1530 ĂŒberreichen die Evangelischen FĂŒrsten und StĂ€dte des Reiches dem Kaiser ihr Bekenntnis, die spĂ€ter so genannte „Confessio Augustana“, das Augsburger Bekenntnis (von daher die Bezeichnung „Evangelisch A.B.“). Dieses Bekenntnis formuliert in „ökumenischer“ Gesinnung die Gemeinsamkeiten mit der katholischen Kirche, aber auch jene Punkte, die untereinander strittig sind. Zu einer Einigung kommt es nicht, aber die „Confessio Augustana“ wird zur grundlegenden Bekenntnisschrift der Evangelischen Kirche.

Licht und Schatten
Die Reformation ist (auch wenn viele sie vorangetrieben und geprĂ€gt haben) ohne die Person Luthers kaum denkbar. Beeindruckend ist seine Standfestigkeit, an dem einmal als richtig und wahr erkannten auch gegen großen Widerstand und Anfeindung festzuhalten. Beeindruckend ist auch die Tiefe seines Glaubens, der die Verzweiflung ebenso kennt wie die Freude. Er war ein ĂŒberragender Lehrer und Theologe, ein Beter, ein SĂ€nger und Dichter vieler Lieder, ein großzĂŒgiger und treuer Freund, ein einfĂŒhlsamer Seelsorger, ein begnadeter Schriftsteller und lustvoller Polemiker.
Neben all diesen lichten und inspirierenden Seiten Luthers gibt es aber auch die dunklen Seiten. Seine Polemik konnte bitter, maßlos und untergriffig werden. Seine kritische Haltung gegenĂŒber den Juden, die sich fĂŒr kurze Zeit in ein freundliches Werben verwandelte, mutierte spĂ€ter in eine erbitterte Feindschaft, ja einen Hass gegenĂŒber den Juden. Davon hat sich die Evangelische Kirche heute nicht nur distanziert, diese Haltung Luthers hat sie als zutiefst unchristlich verworfen.
Luther ist deshalb kein Heiliger. Er ist und bleibt (was er selbst immer betont hat) ein SĂŒnder, der Gnade und Vergebung bedĂŒrftig.

Was mein Glaube sein soll
„Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genĂŒgen.
Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi Willen dieses tĂ€glich beweinte ZurĂŒckbleiben vergebe, so ist‘s aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben.
Wie Judas an den Baum hĂ€ngen, das tu ich nicht. Ich hĂ€nge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die SĂŒnderin. Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.
Dann spricht er zum Vater: dieses AnhĂ€ngsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote ĂŒbertreten. Vater, aber er hĂ€ngt sich an mich. Was will‘s! Ich starb fĂŒr ihn. Lass ihn durchschlĂŒpfen! Das soll mein Glaube sein.
“

„DENN IN MEINEM HERZEN
HERRSCHET ALLEIN DER GLAUBE AN MEINEN LIEBEN HERRN CHRISTUM,
WELCHER ALLER MEINER GEISTLICHEN UND GÖTTLICHEN GEDANKEN,
DIE ICH IMMERDAR, TAG UND NACHT HABEN MAG,
DER EINE ANFANG, MITTE UND ENDE IST."

(Martin Luther, Vorrede zum ersten Band seiner Schriften)


Martin Luther und die Jörger

Martin Luther stand ĂŒber manche KanĂ€le in Verbindung mit dem "Land ob der Enns". Eine enge Verbindung bestand mit den Jörgern, einem Adelsgeschlecht, dessen Sitz sich auf Tollet in Grieskirchen befand...

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Martin Luther stand ĂŒber manche KanĂ€le in Verbindung mit dem "Land ob der Enns". Eine enge Verbindung bestand mit den Jörgern, einem Adelsgeschlecht, dessen Sitz sich auf Tollet in Grieskirchen befand. Wolfgang Jörger ist von 1513-1521 Landeshauptmann. Sein Sohn Christoph geht nach Sachsen an den Hof Friedrichs des Weisen um dort zu lernen. 1524 kehrt er nach OÖ. zurĂŒck und wird zum Förderer der Reformation. Er bittet Luther persönlich ihm einen Prediger auf Schloss Tollet zu schicken. Luther kommt dieser Bitte nach und sendet den Michael Stiefel (1525). Nach der Hinrichtung Leonhard Kaisers im Jahre 1527 ist die Situation in OÖ. fĂŒr evangelische Prediger so gefĂ€hrlich geworden, dass Michael Stiefel das Land verlĂ€sst und nach Sachsen zurĂŒckkehrt.
Mit der Mutter Christoph Jörgers, Dorothea Jörger wechselt Luther ĂŒber viele Jahre bis zu seinem Tod insgesamt 13 Briefe. Sie ist damit (neben seiner Frau Katharina von Bora) jene Frau, mit der er am intensivsten im Briefkontakt ist. Obschon sich die beiden nie gesehen haben, ist die Beziehung herzlich, freundschaftlich und fĂŒrsorglich. Dorothea Jörger stirbt am 4. Juni 1556.

Brief Martin Luthers an Dorothea Jörger, 14. MÀrz 1528
Adressseite: Der edlen tugend samen frawen Dorotheam Jergerynn zu Tollet meiner gĂŒnstigen lieben frawen ynn Christo
Briefseite: Gnad und fride in Christo, erbare tugendsame fraw ich sollt euch wol vil schreiben dazu mich auch Er, Michael offt vermanet denn er ewr gar offt und auffs allerbeste gedencke. So hoffe ich doch es sey nicht not ewr gewissen viel mit meinen worten zu meistern weil Er Michael solchs besser und mit mehr wissen denn ich, thut und thun kann. Aber eines mus ich nicht lassen. ich merk er hab euch etwa umb geilt odder steur geschrieben, welchs mich auf yhn verdreusst, so er doch bey mir wol haben mag, wes er bedarfft. Drumb ists nicht not, liebe fraw das yhr yhrn ottwas schicket. Grusset mir ewr beide liebe sone samt ewtern gantzen heufflin. Christous wolle euch alle sterken und behalten yhn reinem, rechten, bestendigen glauben Amen
Sonnabendis nach Reminiscere 1 5 2 8

Martin Luther

In der Ausstellung "1517! UND HEUTE?2 wurde ein Faksimile des Original-Briefes aus dem Archiv des Stiftes Herzogenburg, NÖ. gezeigt.

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Leonhard Kaiser

Leonhard Kaiser wurde am 16. August 1527 in SchÀrding als Ketzer verbrannt. Er wird damit zum ersten MÀrtyrer der Reformation in Oberösterreich...

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Leonhard Kaiser wurde am 16. August 1527 in SchĂ€rding als Ketzer verbrannt. Er wird damit zum ersten MĂ€rtyrer der Reformation in Oberösterreich. Sein Schicksal erregte großes Aufsehen. Auch dadurch, weil Martin Luther, dessen SchĂŒler Leonhard war und der ĂŒber den Onkel Leonhard Kaisers und seinen Freund Michael Stiefel Berichte vom Prozess erhalten hatte, umgehend eine kleine Schrift verfasste, in welcher er das Leiden und Sterben Kaisers erzĂ€hlte und seine Standhaftigkeit rĂŒhmte.
Leonhard Kaiser stammte aus Raab in der NĂ€he von SchĂ€rding. Er war nach seinem Studium in Leipzig, Vikar in Waizenkirchen. 1525 wurde er wegen seiner reformatorischen Predigt angezeigt und in Haft genommen. Auf seine eidesstattliche ErklĂ€rung hin, kĂŒnftig nicht mehr reformatiorisch zu predigen, kam er frei. 1525/26 studierte er bei Luther in Wittenberg. als er zu seinem todkranken Vater in die Heimat reist, wird er dort verhaftet und der Ketzerprozess gegen ihn begonnen. Da Leonhard Kaiser seine Überzeugung nicht widerruft, wird er, trotz vieler Interventionen und Bitten um Gnade, hingerichtet.

In der Ausstellung wurde die "Historie oder die wahrhafftige Geschichte / des Leidens und Sterbens des seligen Leonhard Kaisers [...]" gezeigt. Quelle: Leihgabe der Superintendentur OÖ.

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Dokumentation zur Sonderausstellung "1517! Und Heute? Steyr 2017. Reformationsstadt Europas" im Museum der Stadt Steyr vom 24. MĂ€rz bis 5. November 2017.

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