Forum O√Ė Geschichte

Flucht aus dem Block 20

Wartberg 1945 und die M√ľhlviertler Menschenjagd


In der Nacht zum 2. Februar 1945 unternahmen ungefähr 500 Häftlinge einen Ausbruchsversuch aus dem Konzentrationslager Mauthausen. Es waren fast ausnahmslos sowjetische Offiziere.

Mit zwei Feuerl√∂schern aus ihrer Baracke und verschiedenen Wurfgeschossen bewaffnet, griffen sie die Wacht√ľrme an. Es gelang ihnen, einen Wachturm zu erobern. Der stromf√ľhrende Stacheldraht wurde mit feuchten Decken kurzgeschlossen und so konnten die H√§ftlinge die Mauer √ľberklettern.

Viele der Gefl√ľchteten blieben jedoch schon kurz nach der Mauer vor Ersch√∂pfung liegen. All jene, denen es nicht gegl√ľckt war, in die W√§lder zu entkommen, wurden noch in derselben Nacht von SS-Angeh√∂rigen erschossen.

Unmittelbar nach der Flucht wurde von der SS eine Gro√üfahndung eingeleitet, bei der nationalsozialistische Verb√§nde, aber auch Zivilisten die entflohenen H√§ftlinge verfolgt und ermordet haben. Die SS-Lagerleitung wies an, die H√§ftlinge sofort zu erschie√üen oder bei Festnahme ohne Verh√∂r dem Konzentrationslager Mauthausen zu √ľberstellen. Die Verfolgung wurde von den Nationalsozialisten als "M√ľhlviertler Hasenjagd" bezeichnet.

Heute wei√ü man von acht namentlich bekannten und mehreren unbekannten √úberlebenden; unter ihnen Nikolaj Cemkalo und Michail Rybńćinskij, die von der Familie Langthaler auf ihrem Bauernhof im Dorf Winden bei Schwertberg bis Kriegsende versteckt wurden.

Autor: Wulf Struck


Quellen:
www.mauthausen-memorial.at, Abruf am 24.9.2015
Kaltenbrunner, Matthias: Flucht aus dem Todesblock. Der Massenausbruch sowjetischer Offiziere aus dem Block 20 des KZ Mauthausen und die ‚ÄěM√ľhlviertler Hasenjagd‚Äú ‚Äď Hintergr√ľnde, Folgen, Aufarbeitung. Innsbruck 2012.


Struck, Wulf: Erinnern f√ľr die Gegenwart. Das Jahr 1945 und die M√ľhlviertler Menschenjagd in der Gemeinde Wartberg. Wartberg ob der Aist, 2015. | Texte und Bilder einer Ausstellung, die begleitend zur Errichtung eines Mahnmals zur M√ľhlviertler Menschenjagd im √∂ffentlichen Raum der Gemeinde Wartberg ob der Aist installiert wurde.

© 2018