Forum OÖ Geschichte

Opfer des Nationalsozialismus - Einleitung

Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft forderte Millionen von Menschenleben. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden Opfer ihrer Rassenideologie, neben den Juden vor allem Roma und Sinti. Menschen mit Behinderungen oder Kranke, die nicht den nationalsozialistischen Vorstellungen des erbgesunden Ariers entsprachen, fielen der Euthanasie zum Opfer, wurden zwangsweise sterilisiert oder in Konzentrationslager eingewiesen.

Opfer des Nationalsozialismus wurden aber auch solche, die der nationalsozialistischen Gesinnung nicht folgten, die andere politische Ansichten vertraten oder über den Führer und den NS-Staat eine höhere Macht setzten. Dies traf auf die Kirchen ebenso zu wie auf die Zeugen Jehovas und überzeugte Anhänger verbotener Parteien wie Sozialdemokraten, Kommunisten und Christlichsoziale. Zu den ersten politischen Opfern unmittelbar nach dem Anschluss gehörten die Vertreter des Ständestaates, die sofort nach der Machtübernahme inhaftiert und zum Teil in Konzentrationslager gebracht wurden (siehe die Kapitel „Staat und Partei“ und „Widerstand“).

Der Krieg forderte neue Opfer. Viele ausländische Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, mussten im Reich Zwangsarbeit leisten oder wurden in Konzentrationslagern ermordet. Zivilisten aus den eroberten Gebieten wurden aus ihrer Heimat verschleppt, um in Deutschland in der Landwirtschaft oder in der Rüstungsindustrie zu arbeiten. Von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit waren auf der anderen Seite aber auch Oberösterreicher betroffen, die als Soldaten gefangen genommen oder als Zivilisten verschleppt wurden. Oberösterreich wurde auch zum Ziel vieler Flüchtlinge und Angehöriger von deutschsprachigen Minderheiten in Tschechien, Süd- und Südosteuropa, die ihre Heimat verlassen mussten oder deportiert wurden.


Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]

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