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Literatur im „Giftschrank“: verbotene, verbrannte und eingesperrte BĂŒcher


Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verhĂ€ngte die Reichsschrifttumskammer ein Veröffentlichungs- und Verbreitungsverbot ĂŒber missliebige Autoren und ihre Werke. Schlagartig verloren Schriftsteller ihre Existenzgrundlagen: Absatzmarkt, Verlage, Leserschaft – und damit ihre öffentliche PrĂ€senz. Betroffen waren jĂŒdische Autoren, die Literatur der politischen „Linken“ (Sozialismus, Kommunismus, Bolschewismus), humanistisches, liberales, demokratisches oder pazifistisches Gedankengut, die der Nationalsozialismus aus weltanschaulichen oder rassischen GrĂŒnden ablehnte.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurden in der „Ostmark“ die Bestimmungen der NS-Literaturpolitik umgesetzt. Eine Grundlage bildete die „Liste des schĂ€dlichen und unerwĂŒnschten Schrifttums“, die im Auftrag der Reichsschrifttumskammer seit 1935 erschien.

BĂŒcher, die auf dem Index standen, waren vom Handel und Leihwesen, von LektĂŒre und wissenschaftlicher Forschung ausgeschlossen. Anhand von Verbotslisten wurden die BestĂ€nde der Bibliotheken und BĂŒchereien kontrolliert und „gesĂ€ubert“. Die beschlagnahmten Schriften fielen dem Altpapier zu oder kamen in Depots. Die zu Dokumentationszwecken aufbewahrten BĂŒcher wurden in „GiftschrĂ€nken“ verwahrt.


Ausstellungsdokumentation: "Kulturhauptstadt des FĂŒhrers. Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich" im Schlossmuseum Linz vom 17. 9. 2008 bis 29. 3. 2009 - ein Kooperationsprojekt des Oberösterreichischen Landesmuseums mit Linz09 Kulturhauptstadt Europas.

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