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Kulturpolitik

Trotz allgemeiner Gleichschaltungspolitik und Schaffung einer einheitlichen deutsch-nationalsozialistischen Kulturwelt durch die ĂŒbergeordneten Reichsstellen bildete sich ein kulturelles Image Oberösterreichs heraus. Durch verstĂ€rkte Konzentration auf das „Eigene“, die Betonung regionaler Besonderheiten und heimatlicher Motive wollten die Kulturbehörden des Gaues dem Verlust der kulturellen IdentitĂ€t gegensteuern.

Betonung des kulturellen Images Oberösterreichs
Mitgetragen wurde dieses selbstbewusste Oberösterreich-Bild von zwei Sujets: Oberösterreich als Heimat des FĂŒhrers und Linz als Jugendstadt des FĂŒhrers. Beides sollte im gesamten Gau fĂŒr einen Fremdenverkehrsboom sorgen. Das Landesdenkmalamt wurde beauftragt, sĂ€mtliche Wohn- und Schulorte Adolf Hitlers als FĂŒhrergedenkstĂ€tten unter Denkmalschutz zu stellen. Viele oberösterreichische KĂŒnstler erhielten AuftrĂ€ge, die FĂŒhrergedenkstĂ€tten kĂŒnstlerisch abzubilden. Die Suche nach den kulturellen Besonderheiten Oberösterreichs war vor allem vom Blick in die Vergangenheit gekennzeichnet. Man bezog sich eher auf Adalbert Stifter, Franz Stelzhamer oder Anton Bruckner als auf GegenwartskĂŒnstler wie den Komponisten Wilhelm Kienzl, den Schriftsteller Richard Billinger oder den Grafiker Alfred Kubin.

Popularisierung der Hochkultur
Der Bereich der Hochkultur stand nach dem Anschluss ganz im Zeichen der Popularisierung. Durch „Erziehung und Propaganda“ sollten die mittleren und unteren sozialen Schichten gewonnen werden: es wurden neue VolksbĂŒchereien geschaffen, Eintrittspreise ins Theater gesenkt oder der „Toilettezwang“ bei Konzerten gelockert.

Kulturpolitische Planungen fĂŒr Hitlers Patenstadt Linz
Ein wesentlicher Impuls fĂŒr das kulturpolitische SelbstverstĂ€ndnis des Gaues Oberdonau war das besondere Augenmerk, das Hitler seiner Patenstadt Linz zukommen ließ. Er wollte Linz als Gegenpol zur Kulturstadt Wien ausbauen. Mit den Planungen beauftragte er die renommiertesten Architekten. ZunĂ€chst wurde Roderich Fick zum Reichsbaurat fĂŒr die Neugestaltung der Stadt Linz ernannt, im April 1942 Hermann Giesler mit der Monumentalverbauung der Donauufer betraut. Meist lagen Hitlers eigene Skizzen und Vorstellungen den Planungen zugrunde, in die er auch immer wieder persönlich eingriff. Das Linzer Architekturmodell begleitete Hitler bis in den FĂŒhrerbunker im April 1945.

Beide Ufer sollten monumental als Verwaltungszentrum verbaut werden. Anstelle des Linzer Schlosses war ein Neubau fĂŒr den Alterssitz Hitlers vorgesehen. Die Landstraße sollte erweitert werden und in das neue Kulturzentrum der Stadt, den Opernplatz im Gebiet der heutigen Blumauer Kreuzung, mĂŒnden. Von dort aus planten die Architekten die 800 Meter lange und 60 Meter breite Prachtstraße „Zu den Lauben“, die bis zum neugestalteten Hauptbahnhof im Bereich des Niedernharter Plateaus fĂŒhren sollte.

Aus Hitlers kulturellen PlĂ€nen fĂŒr Oberdonau ragen die Vorhaben fĂŒr Neubauten in der Gauhauptstadt heraus. Rund um den Opernplatz sollten ein Opernhaus, ein Operettentheater, ein UrauffĂŒhrungskino, ein Anton Bruckner-Konzerthaus, eine Kunstgalerie, das FĂŒhrermuseum und die FĂŒhrerbibliothek entstehen. Die Prachtstraße „Zu den Lauben“ sollte in ihrer Mitte durch eine Querachse gegliedert werden, an der das neue Schauspielhaus vorgesehen war.

Kulturpolitik als Gegenpol zur Industrialisierung der Stadt
Eine gezielte Kulturpolitik sollte die zunehmende Industrialisierung der Stadt aufwiegen. WĂ€ren alle Planungen in die RealitĂ€t umgesetzt worden, wĂ€re ganz Linz, abgesehen von der Altstadt, zu einer Großbaustelle geworden. Letztendlich wurde die Umsetzung von Hitlers kulturpolitischen PlĂ€nen fĂŒr Linz durch den Krieg zunichte gemacht. Verwirklicht wurden nur die NibelungenbrĂŒcke mit den BrĂŒckenkopfgebĂ€uden sowie eine Vielzahl neuer Wohnanlagen, die so genannten Hitler-Bauten. [--> mehr dazu siehe: Ausstellungsrundgang "Hitlerbauten" in Linz]

Die Linz-zentrierte Kulturpolitik hatte negative Auswirkungen auf das Kulturleben der oberösterreichischen Provinz, da das Kulturbudget fast ausschließlich in der Gauhauptstadt verblieb. Nur sporadisch wurden auch außerhalb von Linz finanzintensive kulturpolitische Akzente gesetzt. So war etwa im Stift St. Florian ein weiteres kulturelles Zentrum geplant, in dem unter anderem das neu gegrĂŒndete Reichsrundfunk-Orchester eine HeimstĂ€tte finden sollte. Auch dem „Frankenburger WĂŒrfelspiel“ wurde von der NSDAP und von Gauleiter Eigruber reges Interesse entgegengebracht. Dieses nach dem Konzept der Thing-Spiele organisierte Massenspektakel war eine der grĂ¶ĂŸten Kulturveranstaltungen in Oberösterreich nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten. Die Kulturpolitik in Oberdonau wurde entscheidend durch den Gauleiter bestimmt. Eigruber hatte zwar persönlich nicht viel fĂŒr Kultur ĂŒbrig, doch erkannte er das Machtpotenzial hinter Hitlers visionĂ€rem Kulturkonzept fĂŒr Linz.

Kulturverwaltung in Oberdonau
Die NS-Kulturverwaltung in Oberdonau war chaotisch und unĂŒbersichtlich. Neben den kulturpolitischen MachkĂ€mpfen innerhalb der internen Hierarchien kamen auch noch die Weisungen der Berliner Kulturbehörden hinzu. Die ZustĂ€ndigkeiten waren durch Personalrochaden, Ämterkumulationen, ein nicht immer nachvollziehbares Stellvertreterwesen, Personalunionen und KonkurrenzverhĂ€ltnisse oft unklar. Das zeichnete sich bereits unmittelbar nach dem Anschluss ab.
So gab es einen Kulturbeauftragten des Gauleiters und Reichsstatthalters (Anton Fellner, sein Vertreter war Justus Schmidt). Es gab auf Seiten der staatlichen Verwaltung die Kulturabteilung in der Behörde des Reichsstatthalters (Anton Fellner). Es gab das Gaupropagandaamt als Amt der NSDAP-Gauleitung Oberdonaus (Ferry Pohl, spÀter Rudolf Irkowsky) und in ihm einen Kulturreferenten (Max Dachauer, spÀter Othmar Heide). Es gab das Reichspropagandaamt Oberdonau als Behörde der Reichssonderverwaltung (Ferry Pohl, spÀter Rudolf Irkowsky, Bruno Katzlberger und zuletzt Ferry Hietler) und in ihm einen Kulturreferenten (Othmar Heide, spÀter Walter Streitfeld). Es gab die Reichskulturkammer Oberdonau als angeschlossene Dienststelle des Reichspropagandaamtes mit dem Landeskulturwalter als Leiter (Ferry Pohl, spÀter Rudolf Irkowsky und Walter Streitfeld).

Dr. Anton Fellner, Kulturbeauftragter des Gauleiters

Dr. Anton Fellner, dem Chefkulturideologen der ersten Monate nach dem Anschluss, unterstanden alle staatlichen und parteilichen Kulturarbeiten im Gau. Fellner wurde im Gegensatz zu seinem stÀrksten Gegenspieler, Othmar Heide, von Eigruber stark gefördert.

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Dr. Anton Fellner, dem Chefkulturideologen der ersten Monate nach dem Anschluss, unterstanden alle staatlichen und parteilichen Kulturarbeiten im Gau. Fellner wurde im Gegensatz zu seinem stÀrksten Gegenspieler, Othmar Heide, von Eigruber stark gefördert. Die Front in der Kulturverwaltung verlief zwischen den von Eigruber und Fellner kontrollierten KulturverwaltungsÀmtern des Gaues und dem von Othmar Heide geprÀgten Reichspropagandaamt Oberdonau als verlÀngertem Arm des Berliner Propagandaministeriums. Heide, ab 1939 Kulturreferent des Reichs- und Gaupropagandaamtes, wollte bei der NSDAP-Gauleitung ein Gaukulturamt unter seiner Leitung etablieren, aber der mÀchtige Eigruber schaffte es, dessen Einfluss gering zu halten.
Die NĂ€he zu Eigruber wurde Fellner schließlich zum VerhĂ€ngnis. Er hatte sich zu viele Feinde gemacht, Eigruber konnte seine schĂŒtzende Hand nicht mehr lĂ€nger ĂŒber ihn halten. Fellner wurde abgesetzt und 1944 zu einer SS-Sturmeinheit in Triest eingezogen. Das Amt des Kulturbeauftragten des Gauleiters und Reichsstatthalters wurde kurzerhand abgeschafft.

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Kulturpreise

Die verschiedenen KulturĂ€mter verliehen auch Kulturpreise: Zwischen 1941 und 1943 ging etwa der Gaukulturpreis an Richard Billinger, Rudolf SteinbĂŒchler, Hans Reinthaler, Ernst Egermann, Arthur Fischer-Colbrie, Linus Kefer, Hermann Heinz Ortner, Hans Schatzdorfer, August Karl Stöger, Franz Tumler und Carl Hans Watzinger. Bei der Preisverleihung des Jahres 1941 war Propagandaminister Goebbels anwesend. Der Gau Oberdonau veranstaltete ein Preisausschreiben zur Förderung heimischer VolksbĂŒhnenspiele; im Herbst 1943 wurde der Preis durch die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront) und das Gaupropagandaamt an Hermann Derschmidt, Max Hilpert, Margarete Lorenz-Preuer, Karl Mayer und Anni Tahedl verliehen. Der vom Linzer OberbĂŒrgermeister vergebene Kulturpreis der Stadt Linz ging an Hans Watzlik und Karl Emmerich BaumgĂ€rtel.

Mit dem Kriegsausbruch im September 1939 kam es zu eklatanten Einschnitten im Kulturleben und mit der Niederlage in Stalingrad im Februar 1943 zu einem fast völligen kulturpolitischen Stillstand. So wurden etwa Kulturzeitschriften eingestellt und eine totale Theatersperre verfĂŒgt.


Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]

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