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Staatsjugend

Verstaatlichung der Jugenderziehung
Mit den DurchfĂŒhrungsverordnungen des Jahres 1939 zum Gesetz ĂŒber die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936, die ab November 1941 auch im Reichsgau Oberdonau galten, wurde im Deutschen Reich die Jugenddienstpflicht fĂŒr alle zehn- bis 18-jĂ€hrigen MĂ€dchen und Buben eingefĂŒhrt. Sie trat gleichberechtigt neben Arbeitsdienst- und Wehrdienstpflicht und beabsichtigte die Verstaatlichung der Jugenderziehung außerhalb von Schule und Elternhaus. Es entstand eine Staatsjugend mit Zwangscharakter.

Gruppierungen der Hitler-Jugend
Die HJ war uniformiert und gliederte sich nach Alter und Geschlecht in vier Gruppen. Bei den Buben gab es das Deutsche Jungvolk in der HJ (10-14 Jahre) und die eigentliche HJ (14-18), bei den MĂ€dchen den JungmĂ€delbund in der HJ (10-14) und den Bund Deutscher MĂ€del (BdM) in der HJ (14-21), wobei das BdM-Werk „Glaube und Schönheit“ die 17 bis 21jĂ€hrigen gesondert sammelte.

Dazu kamen verschiedene fachspezifische Sondereinheiten wie Nachrichten-, Marine-, Flieger-, Reiter-, Berg- und Motor-HJ oder der HJ-Streifendienst.

Bereits im Oktober 1941 wurden an den Musterungsstellen die entsprechenden JahrgÀnge beiderlei Geschlechts zum HJ-Dienst erfasst.

Der Aufbau der Hitler-Jugend

Der innere Aufbau der HJ folgte dem Aufbau der NSDAP sowie dem Vorbild des MilitÀrs. Jeweils zehn bis 15 Buben oder MÀdchen bildeten als unterste Stufe der Hierarchie eine Jungenschaft des Deutschen Jungvolkes in der HJ, eine Kameradschaft der HJ, eine JungmÀdelschaft der JungmÀdel in der HJ oder eine MÀdelschaft des BdM in der HJ...

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Der innere Aufbau der HJ folgte dem Aufbau der NSDAP sowie dem Vorbild des MilitÀrs. Jeweils zehn bis 15 Buben oder MÀdchen bildeten als unterste Stufe der Hierarchie eine Jungenschaft des Deutschen Jungvolkes in der HJ, eine Kameradschaft der HJ, eine JungmÀdelschaft der JungmÀdel in der HJ oder eine MÀdelschaft des BdM in der HJ.

Aus mehreren dieser Einheiten setzten sich auf der nĂ€chsten Stufe – den vier Gliederungen der HJ entsprechend – Jungzug, Schar, JungmĂ€delschar und MĂ€delschar zusammen. Mit 40 bis 50 Jugendlichen waren sie das Pendant zum militĂ€rischen Zug. FĂ€hnlein, Gefolgschaft, JungmĂ€del- und MĂ€delgruppe mit etwa 150 Jugendlichen entsprachen der Kompanie, Jungstamm, Stamm, Jung-mĂ€del- und MĂ€delring mit 400 bis 600 Jugendlichen dem Bataillon. Jungbann, Bann, JungmĂ€deluntergau und Untergau mit 2000 bis 5000 Jugendlichen kamen den Regimentern gleich und entsprachen territorial den Landkreisen. Die Jungbanne und Banne bildeten ein Gebiet, JungmĂ€deluntergau und Untergau einen Obergau, was territorial dem Gau Oberdonau entsprach. Die höchste Befehlseinheit der HJ im Gau Oberdonau waren GebietsfĂŒhrer Heinz Keß und ObergaufĂŒhrerin Eva Travniczek. Über der Gebiets- bzw. ObergaufĂŒhrung stand nur noch die ReichsjugendfĂŒhrung.

SpĂ€ter kam es durch den Krieg und die Einziehung vieler HJ-FĂŒhrer zur Wehrmacht nicht nur zu großen disziplinĂ€ren, sondern auch organisatorischen Problemen innerhalb der HJ.

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Aufnahme in die HJ als Initiationsritus

Die Aufnahme in die HJ erfolgte grundsĂ€tzlich am 19. April, dem Vorabend von Hitlers Geburtstag, und wurde als pseudosakraler Initiationsritus feierlich gestaltet. Damit begann fĂŒr die Jugendlichen eine neue Ordnungswelt, die ihren Tages-, Wochen- und Jahresablauf neu und strikt regelte: HJ-Dienste, Heimabenddienste, weltanschauliche Schulungen, Gefolgschaftsdienste, paramilitĂ€rische GelĂ€ndespiele, Sommer- und Winterlager, Erntedienste, Sammlungen fĂŒr das Winterhilfswerk. Das Feierjahr der HJ mit Beteiligung der Jugendlichen an den nationalsozialistischen Gedenktagen sollte die Feste des Kirchenjahres verdrĂ€ngen.

Vor allem die Gemeinden wurden in der Phase des Organisationsaufbaus mit finanziellen und logistischen Forderungen der HJ konfrontiert. Bereits im Dezember 1938 hatte Landeshauptmannstellvertreter Rudolf Lengauer die BĂŒrgermeister angewiesen, die HJ nicht nur moralisch, sondern auch finanziell zu unterstĂŒtzen. Viele HJ-Heime etwa wurden – vor allem in den StĂ€dten – mit krĂ€ftiger kommunaler UnterstĂŒtzung errichtet, ebenso Jugendherbergen, SchutzhĂŒtten fĂŒr Jugendliche und Jugendheime.


Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]

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