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Schuljugend

VerÀnderungen im Schulsystem
So wie das Elternhaus wurde auch die Schule als Erziehungsinstanz zurĂŒckgedrĂ€ngt. Partei- und Wehrmachtsorganisationen stiegen dagegen zu gleichberechtigten Erziehern auf. Unmittelbar nach dem Anschluss kam es zu organisatorischen, personellen und ideologischen VerĂ€nderungen im Schulsystem. Der stĂ€ndestaatliche und religiöse Wandschmuck in den SchulrĂ€umen wurde durch NS-Symbole ersetzt, der Landesschulrat verfĂŒgte die SĂ€uberung der Schulbibliotheken von NS-kritischen BĂŒchern und die Leistung des Deutschen Grußes.

Vereinnahmung des Schulsystems

Aus den EintrÀgen in der Schulchronik der Knabenhauptschule Ebensee wird deutlich, wie sehr gleich unmittelbar nach dem Anschluss die Schule durch den Nationalsozialismus vereinnahmt wurde:

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Aus den EintrÀgen in der Schulchronik der Knabenhauptschule Ebensee wird deutlich, wie sehr gleich unmittelbar nach dem Anschluss die Schule durch den Nationalsozialismus vereinnahmt wurde:

14., 15. und 16. MĂ€rz schulfrei; es folgen personelle Änderungen bei Ortsschulbehörde und Lehrkörper; 16. MĂ€rz Feier der Heimkehr der Ostmark; 26. MĂ€rz feierliche Vereidigung des Schulleiters; 7. April Lehrer und SchĂŒler schmĂŒcken das SchulgebĂ€ude mit KrĂ€nzen, Girlanden und Aufschriften; 10. April Siegesfeiern fĂŒr die Volksabstimmung; 20. April SchĂŒlerversammlung und Gemeinschaftsempfang zu FĂŒhrers Geburtstag; FilmvorfĂŒhrungen: Triumph des Willens, Olympiafilm, Hitlerjunge Quex, Glaube und Heimat; 1. Mai Festzug zum Tag der Arbeit, die Schuljugend wird von der HJ gefĂŒhrt; 14. und 15. Mai Sammlung fĂŒr das Jugendherbergswerk; 22. Mai Sammlung fĂŒr die NS-Volkswohlfahrt; 27. Mai Schulungstag des NS-Lehrerbundes; 28. Mai Beratung des Bezirksschulinspektors ĂŒber die Neugestaltung des Unterrichts. Dazu kamen stĂ€ndig Assistenzdienste fĂŒr die HJ.

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Gleichschaltung der Schulbehörden

Neben der ideologischen Vereinnahmung der Schule wurde die organisatorische Umstrukturierung des Schulsystems vorangetrieben. Im Zuge der Liquidierung der österreichischen Ministerien wurde das Unterrichtsministerium zunĂ€chst als Abteilung in das neu geschaffene Ministerium fĂŒr innere und soziale Angelegenheiten eingegliedert. SpĂ€ter gingen die Kompetenzen fĂŒr niedere und mittlere Schulen an die Reichsgaue, fĂŒr höhere Schulen an den Reichserziehungsminister in Berlin ĂŒber, der die Lern- und Erziehungsziele fĂŒr alle Schulen vorschrieb. Hubert Messenböck, der oberösterreichische Landesschulinspektor, wurde unmittelbar nach dem Anschluss verhaftet, seine GeschĂ€fte ĂŒbernahm Landesrat Rudolf Lenk. Mit Verordnung vom 10. Mai 1938 wurde die Zusammensetzung der Schulbehörden neu geregelt, jede Vertretung der katholischen Kirche ausgeschaltet und die Durchdringung der Schulverwaltung durch die lokalen NSDAP-Instanzen gewĂ€hrleistet. Den Landesschulrat bildeten der Schulreferent der Landesregierung, der Landesschulinspektor, der Gauwalter des NS-Lehrerbundes und der GebietsfĂŒhrer der HJ. Der Bezirksschulrat bestand aus dem Kreisleiter, dem Kreiswalter des NS-Lehrerbundes und einem BannfĂŒhrer der HJ. Im Ortsschulrat saßen der BĂŒrgermeister, der Schulleiter, der NSDAP-Ortsgruppenleiter und der StandortfĂŒhrer der HJ.

Lehrerschaft
Neben der Gleichschaltung der Schulbehörden galt es, die Lehrerschaft auf NS-Kurs zu bringen. Personelle SĂ€uberungen und Umbesetzungen wurden gleich in den ersten Wochen nach dem Anschluss durchgefĂŒhrt. JĂŒdische und politisch unzuverlĂ€ssige LehrerInnen konnten aufgrund der Verordnung ĂŒber die Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums vom Mai 1938 in den Ruhestand versetzt werden. Oft wurden junge und unerfahrene LehrerInnen als DirektorInnen eingesetzt. Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB), ein der NSDAP angeschlossener Verband, hatte nach dem Verbot und der Auflösung aller bisherigen LehrerverbĂ€nde Monopol- und Zwangscharakter. Anfang 1939 standen im Gau Oberdonau ĂŒber 2100 Lehrpersonen im Dienste der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen VerbĂ€nde.

Ab Juli 1938 fanden intensive Umerziehungs- und Schulungskampagnen fĂŒr die oberösterreichischen LehrerInnen im Ausrichtelager des NS-Lehrerbundes im Schloss Schmiding bei Wels statt. Die oberösterreichische Lehrerschaft war in ihrer Existenz vom NS-Regime abhĂ€ngig – dies mag auch ein wesentlicher Grund fĂŒr die weitgehende NS-LoyalitĂ€t der LehrerInnen gewesen sein. Jede Anstellung und Beförderung setzte ein positives politisches Gutachten voraus.

Private und konfessionelle Schulen
Mit Juli 1938 wurde allen privaten Schulen das Öffentlichkeitsrecht entzogen und im September 1938 die Schließung aller konfessionellen Schulen verfĂŒgt. In der Diözese Linz waren davon die Gymnasien der Stifte KremsmĂŒnster, Schlierbach, St. Florian und Wilhering, die Gymnasien der Jesuiten in Linz-Freinberg, der Oblaten des hl. Franz von Sales in Dachsberg und das Internat der Karmeliten in Linz, die Heimschulen der SchulbrĂŒder in Bad Goisern sowie die Lehrerbildungsanstalt und die Übungsschule der Marianisten in Freistadt betroffen. Die Frauenorden verloren 134 Pflichtschulen, 38 mittlere und höhere Schulen sowie 120 KindergĂ€rten und vier WaisenhĂ€user. Auch das geistlich gefĂŒhrte Pensionat fĂŒr schwer erziehbare MĂ€dchen in Baumgartenberg wurde im Herbst 1938 geschlossen und seine Zöglinge teilweise von der NS-Volkswohlfahrt in die NS-Erziehungsanstalt nach Gleink verbracht.

1941 wurde das Stift Lambach beschlagnahmt und auf Wunsch Hitlers eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NAPOLA) eingerichtet, mit deren erster Klasse des Gymnasiums man im Herbst 1943 begann. Schon im Februar 1945 wurde der Schulbetrieb wieder eingestellt.

Angleichung der Schulorganisation
Mit dem Schuljahr 1938/39 begann die Angleichung der Schulorganisation in Oberdonau an die des Altreiches. Bis zum Schuljahr 1941/42 war dieser Prozess abgeschlossen. Die bisherigen österreichischen Mittelschulen wurden in Höhere Schulen umgewandelt, deren Hauptformen die Oberschule fĂŒr Jungen bzw. die Oberschule fĂŒr MĂ€dchen war. Das Gymnasium als Sonderform der Höheren Schulen gab es nur fĂŒr Knaben und wurde auch nur dort geduldet, wo der Bestand der Oberschule nicht gefĂ€hrdet war. Neben dem Aufbau und der Vereinfachung des Sonder-, Grund- und höheren Schulwesens wurde auch die Hauptschule sowie eine Berufsschulpflicht eingefĂŒhrt: Begabung und Beruf wurden zur Ausbildungsverpflichtung.

SchulneugrĂŒndungen
In Oberdonau wurden von den ehemals 66 konfessionellen Schulen die meisten in öffentliche umgebildet, viele neue Schulbauten errichtet, zahlreiche Hauptschulen und landwirtschaftliche Berufsschulen neu gegrĂŒndet. Bis zum Dezember 1940 wurden zehn landwirtschaftlichen MĂ€dchenschulen neu errichtet: in Feldkirchen/Donau, Mauerkirchen, Tragwein, St. Florian, Enns, KremsmĂŒnster, Sierning, Hohenfurt, Oberplan und Kaplitz.

NS-PĂ€dagogik
Die NS-PĂ€dagogik beruhte auf FĂŒhrer- und Leistungsprinzip mit Ausrichtung auf Über- und Unterordnung sowie auf körperliche und seelische Robustheit. Der „Schuldienst“ wurde dem Dienst an der Volksgemeinschaft untergeordnet. Selbstredend wurden die LehrplĂ€ne – insbesondere die der FĂ€cher Geschichte und Deutsch – in den Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung gestellt. WĂ€hrend des Krieges stand die Schule ganz im Dienst der Wehr- und Kampfgemeinschaft. Oft wurden SchĂŒlerInnen klassenweise in kriegswirtschaftliche Sammelaktionen, Luftwaffenhelferdienste, landwirtschaftliche Arbeiten oder FabrikeinsĂ€tze eingebunden. Im Dienste der Volksgemeinschaft versĂ€umte man viele Lehrstunden. „Ob die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen ist nicht interessant“, beklagt sich ein Lehrer aus Hallstatt. Es gehe nur darum, „sie eine möglichst hohe Stundenzahl pro Woche zu beschĂ€ftigen.“

Der Krieg beeintrĂ€chtigte den Schulalltag nachhaltig: Lehrermangel, Brennstoff- und Ressourcenmangel herrschten vor. Mit 1. Februar 1945 wurde im Gau Oberdonau die Schließung aller Schulen angeordnet, da die GebĂ€ude vorwiegend zur Unterbringung von FlĂŒchtlingen zur VerfĂŒgung gestellt werden mussten. Der ersatzweise aufgenommene Notunterricht war meist sehr mangelhaft.


Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]

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