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Reichsarbeitsdienst fĂŒr die weibiche Jugend

Sechsmonatiger verpflichtender Arbeitsdienst fĂŒr Jugendliche
Neben der staatlich organisierten Lenkung und Kontrolle des Arbeitsmarktes hatte der 1935 in Deutschland gegrĂŒndete Reichsarbeitsdienst auch explizit politische, ideologische und erzieherische Funktionen. In Österreich wurde die sechsmonatige Arbeitsdienstverpflichtung fĂŒr 17- bis 25-jĂ€hrige Jugendliche ab Oktober 1938 fĂŒr die mĂ€nnliche und ab September 1939 fĂŒr die weibliche Jugend eingefĂŒhrt. Bei der Rekrutierung der weiblichen Jugend beschrĂ€nkte man sich auf jene Frauen, die nicht voll berufstĂ€tig waren, in Ausbildung standen oder als mithelfende Familienmitglieder benötigt wurden.

Einsatz in der Landwirtschaft
WĂ€hrend der Reichsarbeitsdienst fĂŒr die mĂ€nnliche Jugend anfĂ€nglich vor allem fĂŒr Meliorationen, Straßenbau- und Forstarbeiten und ab 1941 hauptsĂ€chlich fĂŒr militĂ€rische Zwecke herangezogen wurde, kamen die Arbeitsmaiden zunĂ€chst fast ausschließlich in der Landwirtschaft zum Einsatz. Die Vorbehalte der lĂ€ndlichen Bevölkerung gegenĂŒber dieser Institution verschwanden bald.

Der klar strukturierte Lageralltag der Arbeitsmaiden umfasste neben den Arbeiten im Lager und den EinsÀtzen in den landwirtschaftlichen Betrieben, in denen sie die deutsche Landfrau entlasten sollten, auch Morgen- und Abendappelle, Leibeserziehung, kulturelle AktivitÀten und ideologische Schulungen.

Kriegshilfsdienst ab 1941
FĂŒr die weibliche Jugend wurde mit EinfĂŒhrung des Kriegshilfsdienstes im Juni 1941 die Dienstpflicht auf ein Jahr verlĂ€ngert. Durch die Arbeit an der Heimatfront sollten die Frauen ihren „kĂ€mpfenden BrĂŒder und VĂ€tern zum Endsieg verhelfen“. Bereits seit 1939 hatte es massive Forderungen von Wehrmacht und RĂŒstungsindustrie gegeben, Frauen auch dort einzusetzen. Ab 1941 gaben die Verantwortlichen der Frauenorganisationen zögerlich nach: nach und nach kam es zum Einsatz der weiblichen Jugend in Dienststellen der Wehrmacht, in KrankenhĂ€usern, Lazaretten und anderen sozialen Einrichtungen, ab 1942/43 auch in der RĂŒstungsindustrie. Der Reichsarbeitsdienst fĂŒr die weibliche Jugend steht damit sinnbildlich auch fĂŒr die Aufweichung der nationalsozialistischen Frauen- und Mutterideologie zu Gunsten ökonomischer und kriegsbedingter Erfordernisse. Ab 1944 wurden Frauen auch als Luftwaffenhelferinnen und bei Stellungen von Flugabwehrkanonen (Flak) eingesetzt.


Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]

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