Forum OÖ Geschichte

Volksabstimmung


Im Vorfeld der Abstimmung am 10. April 1938 betrieben die Nationalsozialisten einen enormen propagandistischen Aufwand. In dem gesamten Ablauf dieses „Kampfes fĂŒr die Volksabstimmung“ (Gauleiter Josef BĂŒrckel) ist ein dramaturgischen Regeln folgender Plan deutlich erkennbar, dessen Höhepunkt die letzte Woche vor dem 10. April darstellt: Schmuck der PlĂ€tze, Gassen und Straßen, Beflaggung, Auslagendekorationen.

Am Vortag der Volksabstimmung versank Wels in einem Fahnenmeer begleitet von Wimpeln, KrĂ€nzen und Girlanden, FĂŒhrerbildern und FĂŒhrerworten in vielen Auslagen. Die Stadt selbst und ihre Bewohner wurden zum WerbetrĂ€ger. Am Ledererturm und am Semmelturm waren gigantische, elektrisch beleuchtete „Ja“ angebracht worden, am Dach des Hotel Greif ein Hakenkreuz. Auf allen PlĂ€tzen und Straßen waren Lautsprecher installiert worden, damit die Stimme des „FĂŒhrers“ und sein abschließender Aufruf an die Bevölkerung auch noch den letzten Winkel der Stadt erreichte. Am Abend kam es zu einer pathetischen Propagandaveranstaltung am Stadtplatz, der schon in Adolf-Hitler-Platz umbenannt worden war. Es wurde den 13 hingerichteten Nationalsozialisten des gescheiterten Juliputsches 1934 gedacht. 13 Pylonen mit den Namen der „Helden“, gekrönt mit Feuerschalen waren aufgestellt. Der „FĂŒhrer“ sprach via Radio nochmals zum gesamten deutschen Volk (auch hier in der Ostmark), um es auf eine positive Stimmabgabe einzuschwören.

Mit der Abstimmung am 10. April 1938 gab Adolf Hitler dem Anschluss Österreichs eine scheinbare Legitimation durch das Volk als nachtrĂ€gliche Zustimmung fĂŒr einen bereits geschaffenen Tatbestand. Die Volksabstimmung selber geriet durch die massive Propagandaschlacht, durch EinschĂŒchterungen, Druck seitens der NS-Organisationen, Missachtung des Wahlgeheimnisses - wer eine Wahlzelle benutzt, hat etwas zu verbergen – und einem manipulativ gestalteten Wahlzettel zur Farce. 12.714 WĂ€hler waren in Wels stimmberechtigt, ebenso viele gingen zur Wahl, was den Druck deutlich zeigt. Laut offiziellem Wahlergebnis stimmten nur drei mit „Nein“! Entsprechend enthusiastisch dankte die Welser NS-FĂŒhrung in einem öffentlichen Anschlag, der die eigenen Verdienste hervorhob. In den damals noch selbstĂ€ndigen Gemeinden Puchberg stimmten 5 mit „Nein“, in Pernau einer und in Lichtenegg zwei. Nur Thalheim erreichte eine 100-prozentige Zustimmung!


"WELS 1938". Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.

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