Forum OÖ Geschichte

Verleumdung, Gewalt und Verfolgung

In den ersten Monaten nach dem "Anschluß" gab es auch Opfer. Die Politiker des StĂ€ndestaates wurden massiv in der Presse geschmĂ€ht und verleumdet – vor allem der bisherige BĂŒrgermeister von Wels Johann Hartl stand im Mittelpunkt der NS-Medien. Andere FunktionĂ€re und politische Gegner wurden verhaftet und teilweise ins KZ Dachau gebracht (Primar Dr. Hittmair, der christlich-soziale Gewerkschafter Alois Wurmhöringer, der Polizeijurist Dr. Franz Bayer, der Gymnasiallehrer Dr. Hubert Marschall, der WĂ€schereibesitzer Leopold Lindner, Hans Stadlinger und Heinrich Gassner). Der Rest stand unter polizeilicher Kontrolle. So wurde jegliche politische Opposition im Vorhinein ausgeschaltet.

Auch die Kirchen standen als mögliche Opposition im Schussfeld der Nationalsozialisten. So kontrollierten Gestapo-Beamte die heiligen Messen. Die Pfarren wurden in der AusĂŒbung ihrer TĂ€tigkeit massiv eingeschrĂ€nkt, die katholischen Jugendorganisationen und Vereine (die meisten mit 6. April 1938) aufgelöst, Wallfahrten und Seelsorge massiv behindert.

Besonders die jĂŒdische Bevölkerung wurde, wie in Deutschland, zum Ziel des NS-Regimes und fiel unter die NĂŒrnberger Rassengesetzgebung, welche ab 20. Mai 1938 auch in Österreich gĂŒltig war. Antisemitische Propaganda in den Medien, gesellschaftliche Ausgrenzung, Kennzeichnung der jĂŒdischen GeschĂ€fte, (wilde) Arisierungen und letztendlich Deportationen (u.a. die Familien Hoffmann, GrĂŒnberg, Grabenstein, Jellinek und Hand) gehörten auch in Wels zum „Alltag“ der ersten Monate nach dem Einmarsch. Der Großteil der Welser Juden wurde bis Juli 1938 zum Umzug nach Wien in elende VerhĂ€ltnisse gezwungen, ein Teil davon bis Kriegsende ermordet.


"WELS 1938". Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.

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