Forum O√Ė Geschichte

Meilensteine zum "Anschluß"


Vieles hat zur hohen Akzeptanz des "Anschlusses √Ėsterreichs an das Deutsche Reich" 1938 beigetragen. Der erste wesentliche Faktor ist der seit Anfang des 19. Jahrhunderts wachsende Deutschnationalismus, der durch den Ausschluss √Ėsterreichs aus dem Deutschen Bund im Jahre 1866 und den Zusammenbruch der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg noch verst√§rkt wurde. Die gro√üen wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch die Aufl√∂sung des √∂sterreichisch-ungarischen Wirtschaftsraums und die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise 1929 - 1934 verst√§rkten die Sehnsucht nach dem Zusammenschluss mit dem gro√üen Deutschland.

Das zweite Element bildete die erhebliche politische Krise auf Bundesebene ab 1924, die zu einem un√ľberwindlichen Misstrauen zwischen den gro√üen Gruppierungen (Christlichsoziale, Sozialdemokraten, Gro√üdeutsche), zum Aufstellen von politischen Wehrverb√§nden (Schutzbund, Heimwehr) und zu einer weitgehend handlungsunf√§higen Regierung zwischen 1929 und 1934 f√ľhrte.

Die politische Ausschaltung der Opposition, der B√ľrgerkrieg 1934, vier Jahre Diktatur durch die Einf√ľhrung des St√§ndestaates unter den Bundeskanzler Engelbert Dollfu√ü (bis 1934) und Kurt Schuschnigg (1934-38) und den sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Ver√§nderungen (Vaterl√§ndische Front), bereiteten den Weg f√ľr den auch in √Ėsterreich seit Ende der 1920 Jahre wachsenden Nationalsozialismus. Und dies trotz der anti√∂sterreichischen (Wirtschafts-)Politik Adolf Hitlers.


Wels in der 1. Republik


Schwerpunkte der kommunalpolitischen Arbeit bildeten trotz mangelnder finanzieller Mittel die Bek√§mpfung von Lebensmittelmangel und Wohnungsnot sowie die Schulpolitik (Er√∂ffnung der M√ľllereifachschule und der privaten Frauengewerbeschule). Die Zeit bis 1924 war auch in Wels von Lebensmittelnot, galoppierender Inflation und Wirtschaftskrise gepr√§gt.

1925 begannen mit der Umstellung von Krone auf Schilling (10.000:1) langsam die "Goldenen Zwanziger", die mit der Weltwirtschaftskrise sp√§testens 1930/31 ihr Ende fanden und Wels √ľberdurchschnittlich traf (Arbeitslosigkeit in der Industrie: 66,3%!). Die gespannte politische Lage hatte auch auf Wels Auswirkungen: 1924 kandidierten das nationale und das b√ľrgerliche Lager als Antimarxistischer Block gegen die Sozialdemokraten. Die "Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutsch√∂sterreich" erreichte bei dieser Wahl vier Mandate. Nur eine √Ąnderung der Gesch√§ftsordnung verhindert den Einzug der Nationalsozialisten in die Stadtregierung. Erst ab 1929 kam es √ľber pers√∂nliche Kontakte zu einer Ann√§herung zwischen "Rot" und "Schwarz", die nach dem B√ľrgerkrieg 1934 ein abruptes Ende findet. Der St√§ndestaat f√ľhrte auch in Wels trotz mancher Abmilderungen durch die handelnden Personen zu massiven Ver√§nderungen.


"WELS 1938". Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.

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