Forum OÖ Geschichte

Reichenstein in der frühen Neuzeit (1550-1700)


Christoph Haym baute in den Jahren 1567–1571 die Burg zum Renaissanceschloss um mit neuen Kellern, zwei gewölbten Sälen sowie mehreren wohnlich eingerichteten Kammern und Stuben. An der Nordwestecke der Kernburg kam ein tief in den Hang fundamentierter Trakt hinzu. Im Norden wurde die Kapelle durch ein Profangeschoß aufgestockt und mit der Kernanlage verbunden. Im Hof entstand ein hoher, der Kernburg vorgelagerter Treppenturm mit Uhrwerk, den ein neuer kurzer Arkadengang mit dem östlichen Zwischentrakt verband.

Neben der Kapelle entstand als Küchenbau das sogenannte Aiststöckl. Die hohen Baukosten brachte Christoph Haym durch Zahlungen und Robotleistungen seiner bäuerlichen Hintersassen auf. Beim Reichensteiner Robotaufstand (1567–1582) wurde Haym 1571 ermordet. Sein Epitaph befindet sich bis heute in der Burgkapelle.

Sein Sohn Hans setzte das Werk des Vaters 1574–1616 fort mit einem eigenständig vorgelagerten Schlossgeviert mit monumentalem Festsaal und mehreren Wohn- und Verwaltungsräumen und zwei hohen Türmen an der Zugangsseite. Heute steht nur noch der östliche Teil des Tortraktes mit einem der beiden Türme.

Die Herren von Sinzendorf schufen in der Ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an Stelle des nie fertig gestellten Südtrakts der Vorburg einen terrassierten Burggarten mit Brunnen, vielleicht auch einem Bad. Die in dieser Zeit im Umfeld der Burg errichteten Wirtschaftsbauten stehen bis heute.


Der Rundgang basiert auf der Dauerausstellung im Oö. Burgenmuseum Reichenstein in Tragwein, das am 21. April 2013 eröffnet wurde.

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