Forum O√Ė Geschichte

Städtisches Handwerk und städtischer Handel


Die wirtschaftlichen Voraussetzungen und die damit verbundene Entwicklung sind die ma√ügebenden Faktoren der Stadtgeschichte in Ober√∂sterreich. Die Fernhandelssituation ist von drei wesentlichen Momenten bestimmt: die zur Verf√ľgung stehenden Verkehrswege und -mittel, die Austauschm√∂glichkeiten mit anderen L√§ndern und der durch das Land laufende Transit.

Flussschifffahrt
Die Flussschifffahrt bildete bis weit in die Neuzeit hinein die wichtigste Verkehrsm√∂glichkeit. Allen voran ist hier nat√ľrlich die Donau als gr√∂√üter Fluss zu nennen. Die St√§dte Eferding, Linz und Enns (das nat√ľrlich auch vom gleichnamigen Fluss profitierte) konnten die Donauschifffahrt nutzen. Die bayerischen St√§dte Braunau und Sch√§rding liegen am Inn, Gmunden und Wels an der Traun und Steyr an der Enns. V√∂cklabruck konnte zumindest die Fl√∂√üerei auf der Ager nutzen, wohingegen Freistadt als einzige ober√∂sterreichische Stadt nicht an einem schiffbaren Gew√§sser liegt. Die beiden gro√üen Fl√ľsse Donau und Inn sorgten daf√ľr, dass bis weit hinein in das deutsche Gebiet und in die Alpen Handel getrieben werden konnte. Sie bildeten einen ‚ÄěSchiffverkehrstrichter‚Äú, der im ober√∂sterreichischen St√§dteviereck mit seinen verschiedenen Landwegen Richtung Norden und Nordosten f√ľr eine geballte Konzentration an Transitm√∂glichkeiten sorgte. Hier wurden vor allem Tuche nach Osten (Krems-Stein, Wien) und Wein nach Westen (Regensburg, Passau) transportiert.

Aufgrund des √úbergewichts der Flussschifffahrt hatten im ober√∂sterreichischen Gebiet nur wenige Stra√üen Bedeutung f√ľr den Handel. Wichtig war vor allem die alte R√∂merstra√üe von Salzburg √ľber Enns nach Wien, die bei Linz √ľber Freistadt nach B√∂hmen abzweigte. Aus diesem Grund ist auch hier 1497 die erste Donaubr√ľcke im Bereich des Landes Ober√∂sterreich entstanden.

Eisen- und Salzproduktion
Wirtschaftlich gesehen waren sicher die Eisen- und Salzproduktion im Land ob der Enns der wichtigste Sektor. Die Steyrer Eisenprodukte gelangten neben Böhmen, Mähren, Ungarn und Venedig bis an die Hafenstädte der Nord- und Ostsee. Neben Steyr selbst waren nur die Städte Linz, Wels, Enns und Freistadt zum Eisenhandel befugt.
Mit der verst√§rkt einsetzenden Salzgewinnung im Hallst√§tter Salzberg erlangte die Salzproduktion in Ober√∂sterreich zunehmendes Gewicht. Die Verteilung und der Handel mit ober√∂sterreichischem Salz lagen in der Hand der Stadt Enns, die 1340 sogar einen eigenen Hafen f√ľr die Salzschifffahrt anlegte.
In der Textilproduktion stand die Leinenweberei an der Spitze. Ober√∂sterreich konnte hier aber trotz seiner guten Verkehrs- und Handelslage nie √ľberregionale Bedeutung erringen. Das lag vor allem daran, dass nur wenige St√§dte eine gr√∂√üere Anzahl von Handwerkern beheimatete, die f√ľr den Export arbeiteten. Allein Steyr mit seinen Eisenwerkst√§tten und Wels konnten eine gr√∂√üere Zahl von Handwerksbetrieben aufweisen.
In den bayerischen Städten Braunau und Schärding herrschte vor allem die Tuch- und Leinenerzeugung vor und auch Eferding wurde im Spätmittelalter zusehends zu einer Handwerkerstadt.

Aufgrund der dominanten Stellung der Kaufleute in den Städten konnten jedoch die Handwerker nie entscheidenden Einfluss gewinnen. Die Kaufleute, die das Gewerbe am Land und in der Stadt beherrschten, konzentrierten sich hauptsächlich auf das Verlagswesen, vertrieben also die Erzeugnisse der Handwerker.
Die unterschiedlichen Handwerksgruppen organisierten sich im sp√§ten 14. bzw. im 15. Jahrhundert in Z√ľnften und versuchten so, ihre Rechte und Interessen entsprechend durchzusetzen, was naturgem√§√ü immer wieder zu sozialen und wirtschaftlichen Spannungen f√ľhrte.

Märkte und Messen
Eine ‚Äď wenn auch nur regionale - Bedeutung gewannen manche St√§dte und zusehends immer mehr M√§rkte in ihrer Funktion als Marktpl√§tze, die f√ľr die Verteilung der landwirtschaftlichen Produkte n√∂tig waren. Diese bewusste Verteilung von St√§dten und M√§rkten als wirtschaftliche Zentren durch die Landesf√ľrsten im 14. Jahrhundert nannte der Historiker Karl Gutkas ‚Äěraumordnendes Prinzip‚Äú. Er geht davon aus, dass sowohl der Landesf√ľrst als auch die Landesherren bestrebt waren, wirtschaftliche, zum Teil auch kulturelle und soziale Mittelpunkte in ihrem Einflussgebiet zu schaffen. Wichtiger als diese Wochenm√§rkte, die offensichtlich besonders in Gmunden und Wels einen guten Ruf genossen, waren die Messen. Diese zu bestimmten Terminen stattfindenden Fernhandelsm√§rkte reichen mindestens bis in das fr√ľhe 10. Jahrhundert zur√ľck ‚Äď sie werden in der Raffelstetter Zollordnung erw√§hnt ‚Äď und erreichten in Enns und Linz √ľberregionale Bedeutung. Das Jahrmarktsrecht geh√∂rte zu den begehrtesten Privilegien im Sp√§tmittelalter und setzte ein besonderes Wohlwollen des Landesf√ľrsten voraus.

Vorrechte f√ľr St√§dte
Nicht nur an diesen Messen sieht man, dass das oberösterreichische Städteviereck in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes eine entscheidende Rolle spielte. Von der Römerzeit bis in das Spätmittelalter kann man generell eine gewisse Dominanz und Bevorzugung dieser Städte erkennen.
Bereits 1228 wurden von Herzog Leopold VI. den B√ľrgern von Ottensheim die gleichen Maut- und Zollbeg√ľnstigungen zu Wasser und zu Lande gew√§hrt, deren sich schon die B√ľrger von Enns und Linz erfreuten. 1287 wurde Steyr ein Niederlagsprivileg f√ľr Eisen und Holz, 1372 Wels f√ľr Holz allein gew√§hrt. Enns beanspruchte ein Niederlagsrecht f√ľr Salz und Linz f√ľr Salz und H√§ute. Au√üerdem konnte Freistadt 1277 neben einem wirksamen Stra√üenzwang ein Vorrecht auf alle Wahren, die nach B√∂hmen gingen oder von dort kamen, vorweisen (Stapelrecht). Dieser Stra√üenzwang stellte einen schweren Eingriff in die nat√ľrlichen Verh√§ltnisse dar, besonders weil die Strecke √ľber Linz und Leonfelden durch den Haselgraben eigentlich die k√ľrzere Strecke war. Au√üerdem galt f√ľr alle landesf√ľrstlichen St√§dte die Bannmeile, die das Monopol der Stadtwirtschaft im Umland vor allem f√ľr das Bierbrauen sowie die Bier- und Weinschank sichern sollte.

Neben diesen Privilegien hatten nur landesf√ľrstliche St√§dte das Recht, die Pyhrnpassstra√üe, die den k√ľrzesten Weg nach Venedig darstellte, zu benutzen. Aus dem Jahr 1311 ist uns der erste Beleg daf√ľr √ľberliefert, dass bald versucht wurde, ein einheitliches, ober√∂sterreichisches Handelsrecht zu etablieren. Hallstatt wurden in einem Freiheitsbrief alle Rechte, die die B√ľrger von Lauffen und Gmunden und andere St√§dte ob der Enns auf dem Wasser und auf dem Lande genossen, zugesprochen. Es ist hier erstmals die Struktur zu erkennen, die sich im 14. und 15. Jahrhundert zum ober√∂sterreichischen St√§dtebund verdichtet. 1358 finden wir das erste gemeinsame Privileg f√ľr Enns, Linz, Wels, Steyr und Gmunden, vollst√§ndig traten die sieben landesf√ľrstlichen St√§dte allerdings erst in einem st√§ndischen Bundbrief von 1406 auf.

Handelsverbindungen
Die engsten wirtschaftlichen Verbindungen unterhielten die ober√∂sterreichischen St√§dte nat√ľrlich mit Nieder√∂sterreich bzw. Wien, der Steiermark, Salzburg, Passau und dem K√∂nigreich B√∂hmen. Trotz der verschiedenen Privilegien ist das Monopol der St√§dte in Handel und Gewerbe im Land ob der Enns nie ganz durchgedrungen. In den grundherrschaftlichen M√§rkten und D√∂rfern wurde regelm√§√üig Handel mit Vieh, Getreide und Lebensmitteln getrieben. Auch nach verschiedenen Erl√§ssen aus dem 14. und 15. Jahrhundert waren diese Kirchtage und Gaum√§rkte weit verbreitet. Hier ist im Besonderen die Urkunde von Albrecht III. von 1372 zu nennen, die besagt, dass nur auf M√§rkten und Kirchtagen, auf denen immer schon Handel mit Kaufmannswaren getrieben wurde, dies auch weiterhin geschehen darf.
Neben dem teilweise illegalen Abhalten von M√§rkten versuchten die Landesherren mit ihren Warentransporten die landesf√ľrstlichen St√§dte und ihre Mautst√§tten zu umgehen. Dies geschah mittels Packtieren auf Schleichwegen oder im Bereich des Flussverkehrs mit halb- und illegalen Ladest√§tten. Diese Mautausf√§lle stellten f√ľr den Landesf√ľrsten ein ernstes Problem dar, war doch sein Haushalt zu einem betr√§chtlichen Teil von diesen Einnahmen abh√§ngig. Eine weitere f√ľr den Landesf√ľrsten unliebsame Entwicklung stellten die Vorst√§dte dar, die au√üerhalb des Hoheitsbereiches der St√§dte lagen und damit in ihrem Tun nur wenig beeinflusst werden konnten. Im Schutze der Grundherren siedelten sich hier Gewerbe, Handwerk und Gastst√§tten an. Als beispielhaft f√ľr diese Konstellation k√∂nnen; Urfahr (Linz), D√∂rfl (V√∂cklabruck) und Traundorf (Gmunden) angef√ľhrt werden.

Gegen Ende des 15. Jahrhundert ging der Fernhandelscharakter der St√§dte zusehends zur√ľck, besonders weil von den aufstrebenden Grundherrschaften gegen die wirtschaftliche Monopolstellung der St√§dte interveniert wurde. Durch die Erhebung von Residenzst√§dten bildeten sich einzelne wirtschaftliche und nat√ľrlich politische Zentren heraus, die teilweise mit den heutigen Landeshauptst√§dten korrespondieren. Bedeutende St√§dte und √ľberregional bekannte St√§dte konnten sich also am Ende des Mittelalters nicht mehr entwickeln. Daran konnten auch die Stadterhebung von Grein (1491) und von Steyregg (1474/1504) nichts √§ndern.

--> Mehr zum mittelalterlichen Handel in Oberösterreich


Autor: Elmar Mattle, 2009

 

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