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KlöstergrĂŒndungen des Mittelalters in Oberösterreich


Kolonisation und Mission
KlostergrĂŒndungen im Mittelalter erfolgten fast durchwegs durch Vergabungen von weltlichen Potentaten. Dabei wurden strategisch wichtige Gebiete zur wirtschaftlichen Erschließung, zur politischen Konsolidierung und (in der Folge) zur seelsorglichen Betreuung ĂŒbergeben. Die meist nicht unbedeutende Schenkung von Land war ein Arbeitsauftrag, der mit anderen Worten Kolonisation und Mission umfasste – beide Aspekte betrafen Herrschaftsziele der GrĂŒnder bzw. Stifter und Stifterinnen. Die Klöster spielten also sowohl bei der Verbreitung des christlichen Glaubens als auch bei der Erschließung und Urbarmachung des Landes eine entscheidende Rolle.

Erste KlostergrĂŒndungen
In Oberösterreich erfolgten im Zuge der baierischen Landnahme (nach der Völkerwanderung) die KlostergrĂŒndungen in Mondsee (748) und KremsmĂŒnster (777). Diese Stiftungen der baierischen Herzöge Odilo und Tassilo waren nach dem Sturz der GrĂŒnderfamilie der Agilolfinger durch Karl den Großen gefĂ€hrdet. Aus dem ersten Kloster im Zentralraum von Oberösterreich erwuchs das spĂ€tere Chorherrenstift St. Florian; weitere frĂŒhe Klosterzellen sind untergegangen. Ihre ehemalige Existenz hat sich nur mehr im Ortsnamen erhalten (z. B. AurolzmĂŒnster, AltmĂŒnster). Die frĂŒheste Klosterzelle, deren Kirche von Bischof Vivilo 739 eingeweiht wurde und die sich im Mattiggau (vielleicht in Pischelsdorf) befand, kann heute nicht mehr exakt lokalisiert werden. Der bis in diezweite HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts ‚unsichere’ Donauraum ließ dort zunĂ€chst keine weiteren Klöster entstehen und selbst die Stifte Mondsee und KremsmĂŒnster verloren viel an SelbststĂ€ndigkeit zu Gunsten der Bischöfe.

Nach der Schlacht bei Pressburg (907), in der das baierische Heer vernichtet wurde, gelang am Laurentiustag (10. August) des Jahres 955 eine ‚Trendumkehr’. Durch diese Schlacht am Lechfeld, in der Otto I. die Ungarn vollstĂ€ndig besiegen konnte, wurde fĂŒr lange Zeit die Bedrohung ‚aus dem Osten’ gestoppt. Auch die kirchliche Organisation – Passau wurde zum Donaubistum – konnte nun planerisch Fuß fassen. Etwa zwei bis drei Generationen spĂ€ter war ein enormes Aufbauwerk initiiert worden – wieder insbesondere durch Ordensgemeinschaften.

Reformklöster
Die fĂŒr heutige VerhĂ€ltnisse kaum vorstellbare Zugkraft der Reformklöster im 11. und 12. Jahrhundert – insbesondere von Cluny ausgehend – bot die Basis fĂŒr eine GrĂŒndungswelle in diesem Zeitabschnitt auch in Oberösterreich. Der massive Einfluss der Ordensgemeinschaften hatte allgemein von der epochalen Umwandlung von der Reichskirche zur Papstkirche (z. B. in der Frage der Auswahl der Bischöfe) profitiert und eine prononcierte Klerikalisierung des Kirchenwesens ausgelöst, vor allem auch das Priesterbild wurde nach monastischen Prinzipien ausgerichtet.

Zwei GrĂŒndungswellen
In zwei GrĂŒndungswellen (d. h. im 11. und dann im 12. Jahrhundert) wurden strategisch wichtige Zentralorte Ausgangspunkte fĂŒr Klöster: am Inn, an der Donau, an der Enns, am Eingang zum Salzkammergut, im Kremstal. Zuletzt wurde das weitgehend noch unerschlossene MĂŒhlviertel in diese Konzeption einbezogen.
Ordensniederlassungen der Mendikanten (Bettelorden) fĂŒgten sich im ausgehenden 13. Jahrhundert in den (neuen) stĂ€dtischen Siedlungen hinzu. Ihr Orden unterschied sich von den ‚alten’ Orden sichtbar: keine Stabilitas loci (BestĂ€ndigkeit an einem Ort), kein Eigentum an Grund und Boden.

Die nachfolgenden spĂ€tmittelalterlichen GrĂŒndungen von Ordensniederlassungen hatten eher den Charakter von Insellösungen. In der Reformationszeit (etwa um die Mitte des 16. Jahrhundert) sind viele der MĂ€nnerordensklöster, die Frauenordenskonvente aber zur GĂ€nze erloschen.


Autor: Johannes Ebner, 2009

 

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