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StÀdtische Kultur im mittelalterlichen Oberösterreich


Bauen und Wohnen in der Stadt
Der Aufbau der StĂ€dte in Oberösterreich war annĂ€hernd gleich: Um einen großen Stadtplatz standen BĂŒrgerhĂ€user, die jeweils einer Familie als Wohnung dienten. Sie waren zumeist einstöckig aus Holz erbaut und mit einem anschließenden StĂŒck Grund an der RĂŒckfront versehen. Innerhalb der Stadtmauern befanden sich zudem die Pfarrkirche, gegebenenfalls auch Klöster und ein HerrschaftsgebĂ€ude fĂŒr den Stadtherrn. Die Wohn- und ArbeitsstĂ€tten der Handwerker, die Schmutz oder Gestank mit sich brachten – etwa der Lederer/Gerber oder Fleischer – lagen außerhalb der Stadtmauern. Auch die handwerklichen Betriebe der BĂ€cker und Schmiede wurden aufgrund der Brandgefahr bisweilen aus dem Kernbereich der Stadt entfernt, wie etwa die Welser BĂ€ckergasse bezeugt, die nördlich der Stadtmauern (entlang der heutigen Ringstraße) lag.

Der wirtschaftliche Vorrang drĂŒckt sich auch in der Anlage und GrĂ¶ĂŸe der Stadt aus: WĂ€hrend in Linz die BĂŒrgerhĂ€user zumeist aus Holz gebaut wurden, die sich in ihrer mittelalterlichen Form nicht bis in die Gegenwart erhalten haben, existieren noch heute spĂ€tmittelalterliche SteinhĂ€user in Steyr, beispielsweise das berĂŒhmte Bummerlhaus. Zwischen den HĂ€usern lagen schmale ZwischenrĂ€ume, die so genannten Reichen, die zum einen dem Übergreifen von BrĂ€nden auf das Nachbarhaus entgegenwirken sollten, zum anderen auch als Platz fĂŒr das Verrichten der Notdurft verwendet wurden.

Das bĂŒrgerliche SelbstverstĂ€ndnis im SpĂ€tmittelalter manifestierte sich auch in der Erweiterung, Renovierung oder dem Neubau der Pfarrkirchen im gotischen Stil. Zu diesem Zweck wurden renommierte und ĂŒberregional tĂ€tige BauhĂŒtten in die Stadt geholt, etwa die Wiener BauhĂŒtte sowie die unter deren Einfluss stehende Steyrer, Passauer und Burghausener BauhĂŒtte. So schuf der Wiener Dombaumeister Hans Puchsbaum den Grundriss fĂŒr den Chor der Steyrer Stadtpfarrkirche, Stephan Krumenauer zeichnete um die Mitte des 15. Jahrhunderts fĂŒr die Neugestaltung der Stadtpfarrkirche von Braunau verantwortlich und der Passauer Dombaumeister Georg Windisch arbeitete zur selben Zeit an der gotischen Stadtpfarrkirche von Eferding. Adel und gehobenes BĂŒrgertum finanzierten diese Bauten mit umfassenden Stiftungen mit. Von ihrer Rolle, die sie bei der Errichtung der Kirchen spielten, zeugen heute noch die Grablegen in den von ihnen geförderten Bauten, in denen sich zum Teil fein ausgestaltete Marmorgrabsteine erhalten haben. Daneben entstanden in Linz und Wels auch die Kirchen der neuen Bettelorden. Die schmucklosen großen Hallen standen in einem bewussten Gegensatz zu den durch Stiftungen reich ausgestatteten Stadtpfarrkirchen und sollten in erster Linie den stark wachsenden stĂ€dtischen Unterschichten Platz bieten.

Bildung in der Stadt
Die schulische Ausbildung wurde im FrĂŒh- und Hochmittelalter fast ausschließlich von der Kirche getragen. Dabei wirkte es sich fĂŒr Oberösterreich nachteilig aus, dass sich die kirchlichen Zentren, etwa Salzburg und Passau, außerhalb des Landesgebietes befanden und den oberösterreichischen StĂ€dten dadurch keine Domschule zur VerfĂŒgung stand. So beschrĂ€nkte sich die Bildung zunĂ€chst vor allem auf die Klöster und damit in der Regel auf den stadtfernen Bereich. WĂ€hrend die angehenden Geistlichen in der „inneren Schule“ des Klosters ausgebildet wurden, lernten Kinder aus dem Adel und aus dem wohlhabenden BĂŒrgertum der StĂ€dte in einer eigenen „Àußeren“ Klosterschule.

Neben Klosterschulen existierten seit dem Hochmittelalter auch Pfarrschulen. Sie sind in engem Zusammenhang mit Gottesdiensthandlungen zu sehen. So waren die Schulknaben zumeist mit den Kirchenchorknaben identisch. Mit Sicherheit existierte im 14. Jahrhundert eine Pfarrschule an der Linzer Stadtpfarrkirche, die im Jahr 1286 geweiht worden war. Die Schule befand sich seit 1335 in jenem Haus, das fĂŒr den Gesellpriester (Kaplan) bei der Annakapelle am Friedhof bei der Stadtpfarrkirche bestimmt war (heute im Bereich des Hauses Pfarrplatz 4?). SpĂ€ter war in diesem GebĂ€ude die Lateinschule untergebracht.
FĂŒr die Lehre wurde unter Mitwirkung der BĂŒrgerschaft ein Schulmeister bestellt. Wie gut die SchĂŒler neben Messtexten und MessgesĂ€ngen auch Lesen und Schreiben lernten, lĂ€sst sich allerdings nicht mehr genau ermitteln.
Im 14. Jahrhundert existierte in Linz auch schon eine jĂŒdische Schule, die sich im alten jĂŒdischen Bethaus in der Altstadt (Hahnengasse) befand.

Mit dem gesteigerten Selbstbewusstsein der StĂ€dte im SpĂ€tmittelalter errichteten diese im Einvernehmen mit der Kirche eigene Stadtschulen, in denen neben dem Elementarunterricht auch Kenntnisse der lateinischen Sprache vermittelt wurden. Schulmeister bzw. Schulen dieser Art sind in Oberösterreich 1242 erstmals fĂŒr Enns, 1273 fĂŒr Wels, 1306 fĂŒr Eferding, 1336 fĂŒr Braunau, 1344 fĂŒr Steyr, 1355 fĂŒr Linz, 1371 fĂŒr Gmunden und Freistadt sowie 1397 fĂŒr Vöcklabruck bezeugt. Seit dem 14. Jahrhundert stammten die Lehrer an diesen Schulen auch aus dem Laienstand.

Als Linz am Ende des 15. Jahrhunderts Residenzcharakter erlangte, hielten sich am Hofe Friedrichs III. auch zahlreiche humanistisch gebildete Gelehrte auf, etwa Petrus und Franciscus Bononus, Bernhard Perger, Johann Fuchsmagen, der kaiserliche Rat Johann Krachenberger, Johannes Reuchlin oder Konrad Peutinger. Durch sie verbreiteten sich humanistisches Gedankengut und vor allem ein höher stehendes Latein, vielleicht sogar Griechisch und HebrĂ€isch, unter dem Linzer BĂŒrgertum. 1501 weilte schließlich der berĂŒhmte Dichter Konrad Celtis (1459–1508) in Linz, um seine Komödie Ludus Dianae (Schauspiel ĂŒber die römische Göttin Diana) vor Kaiser Maximilian I. vorzufĂŒhren.

BĂŒrgerliche Festkultur
Die IdentitĂ€t der stĂ€dtischen BĂŒrgerschaft wurde auch durch gemeinsame Feste gestiftet. Über die religiösen und privaten Feste hinaus stĂ€rkten diese den Zusammenhalt innerhalb der einzelnen sozialen Gruppen in der Stadt und der stĂ€dtischen Bevölkerung in ihrer Gesamtheit.

Stadtfeste fanden hĂ€ufig im Rahmen der JahrmĂ€rkte statt. An ihnen zeigt sich die enge Verbindung von Fest und stĂ€dtischem Wirtschaftsleben. Das Recht JahrmĂ€rkte abzuhalten wurde vom Kaiser oder vom Landesherrn als Privileg verliehen und war zumeist mit dem Festtag eines prominenten Heiligen verbunden. Der Stadt wurde fĂŒr den Jahrmarkt auch die gesicherte An- und Abreise der auswĂ€rtigen HĂ€ndler innerhalb eines bestimmten Zeitraumes garantiert, sodass bei diesen Stadtfesten auch zahlreiche Besucher von auswĂ€rts anwesend waren. Es fĂ€llt auf, dass fĂŒr die JahrmĂ€rkte meist Termine im Juni oder von August bis November ausgewĂ€hlt wurden, war doch im Juli meist Erntezeit.

Um die MarktstĂ€nde der Kaufleute herum fand das Volksfest fĂŒr die Stadtbewohner statt: Spielleute und Gaukler zeigten ihre KĂŒnste, ebenso boten Wahrsager und Quacksalber ihre Dienste an. Tanz und sportliche Bewerbe waren wohl bei jedem Jahrmarkt anzutreffen; Turniere zeichneten die großen JahrmĂ€rkte aus.

In den mittelalterlichen StĂ€dten gab es in der Regel mehrere berufliche Gemeinschaften und Festgemeinschaften, die besonders zu festlichen AnlĂ€ssen öffentlich auftraten: egal ob bei Prozessionen, beim Totengedenken, beim Karneval, beim Jahrmarkt oder zu Tanz und Spiel, die Menschen formierten sich in ZĂŒnften, religiösen Bruderschaften und anderen Gesellschaften. Gerade an diesen Gemeinschaften wird die stĂ€ndige Überschneidung von Arbeit, Fest und Religion im mittelalterlichen Leben deutlich.

Musikpflege in der Stadt
Bis zum Ausgang des Mittelalters konzentrierte sich die Musikkultur in Oberösterreich auf die Klöster und Stifte, wo die Choralmusik eine entscheidende Rolle in der Liturgie einnahm. Mit der wachsenden Bedeutung der StĂ€dte entwickelten sich auch dort Formen der Musikpflege auf einem höheren Niveau. Am Hof Friedrichs III. in Linz gab es etwa eigene Trompeter und Pfeifer. Diese werden auch in dem Reisebericht einer venezianischen Gesandtschaft 1492 erwĂ€hnt. Dennoch kann dies nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass die Gesandten aus der damaligen Weltstadt Venedig das stĂ€dtische Kulturleben und die Stadt Linz an sich als sehr provinziell wahrnahmen.
TĂŒrmermeister (Turner/Thurner, Stadtpfeifer) gab es allerdings auch in den anderen oberösterreichischen StĂ€dten. Die TĂŒrmer gaben Signale, um vor Gefahren zu warnen und begleiteten mit ihrer Musik auch zeremonielle AnlĂ€sse.

Im handwerklichen Milieu von Wels, Steyr und Eferding entstanden am Ausgang des Mittelalters Singschulen, in denen der Meistersang gelehrt wurde, eine Tradition, die schließlich in Richard Wagners Oper Die MeistersĂ€nger von NĂŒrnberg (1868) verewigt wurde. Der wichtigste Protagonist in diesem Werk, der NĂŒrnberger Schuhknecht Hans Sachs, hielt sich 1513, 1515 und 1518 in Wels auf und schloss in der dortigen Singschule seine Gesangsausbildung ab.

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Autor: Christian Rohr, 2009

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