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Soziale Struktur in den mittelalterlichen Klöstern Oberösterreichs


Klösterliche Karrieren
Echte Berufung zum Leben als Mönch oder Nonne war die eine Seite, aber mittelalterliche Klöster wurden immer wieder auch als AdelsspitĂ€ler gesehen. Die nachgeborenen Söhne und Töchter der MinisterialitĂ€t und des Adels wurden in die Klöster ‚gesteckt’, was einerseits die Ganzheit des Erbes garantierte, andererseits auch familieneigene Beter fĂŒr das Seelenheil der weltlichen Familienmitglieder gewĂ€hrleistete. Die Möglichkeit einer beachtlichen geistlichen Karriere im Kloster war ein zusĂ€tzlicher Ansporn, der dann wiederum dem ganzen Geschlecht zugute kam.

WĂ€hrend die adelige Oberschicht des Landes – wie beispielsweise die Wallseer, die Grafen von Schaunberg oder die Starhemberger – eher versuchte, ihre Kinder in den Domkapiteln von Passau und Salzburg unterzubringen, waren fĂŒr die Ministerialen vor allem der Orden der Augustiner Chorherren und jener der Benediktiner interessant. Diese Orden galten im Mittelalter als weniger streng, was jenen jungen MĂ€nnern und Frauen zugute kam, die ihren ritterlich-adeligen Lebensstil nicht aufgeben wollten. Reformen im kleineren Stile versuchten immer wieder dieser regelwidrigen und unmönchischen Lebensart entgegenzuwirken. Adelige und ministeriale Mitgifte sowie die Kontakte zu den einflussreichen weltlichen Verwandten der nunmehrigen Mönche und Nonnen wirkten sich jedoch Ă€ußerst positiv vor allem auf die wirtschaftliche Situation der Klöster aus. So sah man immer wieder ĂŒber die Regelwidrigkeiten hinweg, die sich vor allem im Privatbesitz der adeligen Mönche und Nonnen manifestierten.

Bedingter sozialer Aufstieg
Erst ab der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts fanden im Land ob der Enns auch die Söhne und Töchter der gehobenen (und reicheren) BĂŒrgerschaft Aufnahme in die Konvente der Chorherren und der Benediktiner. WĂ€hrend Handwerker und Bauern im Mittelalter der Eintritt bei den Chorherren noch verweigert wurde, stand diesen der Orden der Benediktiner offen. In den seltensten FĂ€llen gelang aber dieser sozialen Schicht der Aufstieg zum Priestermönch. Das Erlernen der Fertigkeiten des Lesens und Schreibens wurde den Mönchen und Nonnen aus den unteren Gesellschaftsschichten ebenfalls verwehrt. Dieses Lernangebot schlugen ĂŒbrigens auch die adeligen und ministerialen Konventmitglieder des Öfteren aus.
Handwerker- und Bauernsöhne bzw. -töchter konnten jedenfalls auch im Kloster der körperlichen (Schwer-)Arbeit nicht entfliehen und fanden BeschÀftigung in den klösterlichen Wirtschaftsbetrieben. Dennoch galten diese Mönche und Nonnen, in den Quellen zumeist als Konversen bezeichnet, als vollwertige Konventmitglieder, die auch den Nekrologen (= Aufzeichnungen der Sterbedaten von Mönchen und Gönnern des Klosters) erwÀhnt werden.

Standesunterschiede in den Konventen
Es liegt auf der Hand, dass jene Vertreter der MinisterialitĂ€t und des Adels, die durch die Erbfolge zum klösterlichen Leben oftmals regelrecht gezwungen waren, nicht die besten Mönche und Nonnen abgaben und hier von Berufung kaum die Rede sein kann. Zudem kam es im SpĂ€tmittelalter auch immer wieder zu Streit und Zwistigkeiten zwischen dem Klostervorsteher und den Mönchen, wie dies beispielsweise fĂŒr das Kloster Garsten um 1260 oder fĂŒr Lambach im Jahre 1377 belegt ist. Grund und Anlass waren in all diesen StreitfĂ€llen die Standesunterschiede innerhalb der Konvente und die daraus resultierenden Privilegien und VergĂŒnstigungen fĂŒr einen Teil der Mönche bzw. Nonnen und das Nachsehen des anderen Teiles. Die im Kloster lebenden Angehörigen des Adels und der MinisterialitĂ€t waren vielfach ‚Selbstversorger’, da sie von ihren weltlichen Verwandten bestens mit LĂ€ndereien und Bargeld ausgestattet waren und oft völlig unabhĂ€ngig von den Zuweisungen des Cellarius waren.

Nachwuchssorgen
Dies alles trug zu einer regelrechten Krise der alten Orden bei, denn wer eine Berufung zum geistlichen Leben verspĂŒrte oder Buße fĂŒr vergangene Missetaten tun wollte, wandte sich strengen Orden oder den sich mehr und mehr etablierenden Bettelorden zu, die in der Regel keine Standesunterschiede kannten. Vor allem die Benediktiner im Land ob der Enns hatten ab der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts mehr und mehr mit PersonalengpĂ€ssen zu kĂ€mpfen. Erst die 1419 einsetzende Melker Reform kehrte dies ins Gegenteil, was dann auch die Zahl der Konventualen im Benediktinerorden wieder steigen ließ, bis die oberösterreichischen Klöster im Zuge der Reformation mit einer erneuten Krise konfrontiert waren.

Klösterliches Netzwerk
Rege Kontakte pflegten die Klöster auch untereinander und zwar nicht nur innerhalb des Ordens – so tauschten sich z. B. die oberösterreichischen Benediktiner (KremsmĂŒnster, Lambach, Garsten und Gleink) untereinander aus –, sondern man stand auch mit anderen OrdenshĂ€usern im Land ob der Enns und darĂŒber hinaus in Verbindung. Diese ‚Freundschaften’ wurden ab dem 14. Jahrhundert auch schriftlich in den so genannten VerbrĂŒderungsurkunden festgemacht. Rotelboten - reisende Mönche, die wichtige Informationen aus ihren Klöster in andere OrdenshĂ€user trugen – waren aber wĂ€hrend des gesamten Mittelalters viel unterwegs.

Bestrebungen der PĂ€pste, aber auch der Passauer Bischöfe, die Klöster gleichzuschalten und gleichsam zentral zu verwalten, scheiterten stets an den UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen der Klosterleitungen. Kontakte waren sehr wohl erwĂŒnscht, Einmischungen in Klosterinterna – sei es seitens der geistlichen Obrigkeit oder durch andere Klostervorsteher - wusste man allerdings stets erfolgreich abzuwenden.


Autor: Christoph Stöttinger, 2009

 

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