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Soziale Struktur am Hof


F√ľr alle H√∂fe, seien es nun die kaiserlichen oder erzbisch√∂fichen, ist festzuhalten, dass sie Zentren f√ľr Kultur, Politik, soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten bildeten.
Man kann deren Funktionen auch wie folgt benennen: Zun√§chst gab der Hof die Rahmenbedingungen vor, die das t√§gliche Leben strukturieren sollten. Der Hof bot die Grundlage f√ľr Sicherheit und Kontinuit√§t. Er bot dar√ľber hinaus ein gewisses Regulativ f√ľr die Machteliten, d. h. diese erhielten dort ihre Aufgaben, die ihnen Einfluss und Bedeutung verliehen, aber eben diese in kontrollierbaren Bahnen hielt. Ganz allgemein ausgedr√ľckt wurde regiert und verwaltet.

Hofämter
Wer waren nun diese Machteliten und welche Aufgaben wurden ihnen zugeteilt? ‚ÄěKonrad von Megenberg (14. Jahrhundert), Domprobst in Regensburg, unterscheidet [...] zwischen der curia minor, dem (kleineren) Haushalt des K√∂nigs oder F√ľrsten, und der curia maior, dem (gr√∂√üeren) Hof. W√§hrend zum Hof der Adel (servi honesti) z√§hlt, der sich in der Umgebung des K√∂nigs aufh√§lt, besorgen die Hofbediensteten (servi utiles) den t√§glichen Haushalt. Als wichtigste Einrichtungen am K√∂nigshof bildeten sich bereits unter den Frankenk√∂nigen aus dem Geschlecht der Merowinger die Hof√§mter des Marschalls, des K√§mmerers, des Mundschenken, des Seneschalls und des Hausmeiers heraus. Unter ihnen avancierte der Hausmeier zum m√§chtigsten Hofbeamten, bis die karolingischen Hausmeier selbst die Herrschaft √ľbernahmen.‚Äú (Dopsch 2001)
Daran ankn√ľpfend entstanden die vier Haupthof√§mter unter den Ottonen. Die m√§chtigsten F√ľrsten √ľbten sie (Truchsess, K√§mmerer, Mundschenk, Marschall) aus. Der Sachsenspiegel des 13. Jahrhunderts best√§tigt diese als ‚ÄěErz√§mter‚Äú. Konrad von Megenburg nennt noch weitere √Ąmter: den K√ľchenmeister, den J√§germeister, Sch√ľtzen- und Forstmeister. Wer konstant am Hofe t√§tig war, geh√∂rte zur familia, zum ‚ÄěHofgesinde‚Äú des Herrschers.

Hofkapelle und Hofrat
Weitere Institutionen am Hof waren die Hofkapelle als geistliche Einrichtung, ab dem 12. Jahrhundert die Kanzlei f√ľr politische Funktionen und das Gremium des Hofrates, curia maior. Dieser vereinigte in seiner fr√ľhen Phase wechselnde und dennoch wichtige Berater des Herrschers und schloss sp√§ter die oben genannten Haupthof√§mter mit ein. Damit wurde der Hofrat zur wichtigsten Institution f√ľr Verwaltung, Regierung, Rechtssprechung, Hof- und Hausmacht.


Autorin: Siegrid Schmidt, 2009

 

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