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Alltag und Arbeit der lÀndlich-agrarischen Bevölkerung im Mittelalter


Die bĂ€uerliche Wirtschaftsweise des Mittelalters war primĂ€r Subsistenzwirtschaft, sie diente also vorrangig der Selbstversorgung. Alle der Hausgemeinschaft angehörenden Menschen widmeten sich den landwirtschaftlichen TĂ€tigkeiten sowie den Arbeiten im Haus. Die Arbeit war sehr hart und die ProduktivitĂ€tsrate bei den landwirtschaftlichen Produkten demgegenĂŒber gering.

Getreidewirtschaft und Ackerbau
Der bedeutendste Zweig der bĂ€uerlichen Wirtschaft im Hochmittelalter war zweifelsohne die Getreidewirtschaft, u. a. auch deshalb, weil die stĂ€ndig wachsende Bevölkerung versorgt werden wollte. Der zunehmende Ackerbau brachte wegen der aufwendigen Bestellung der Felder allerdings ein Mehr an Arbeitsaufwand fĂŒr die Bauern mit sich.
Trotz vieler agrarwirtschaftlicher Fortschritte blieben die Ertragsquoten in der Getreidewirtschaft relativ gering; sie lagen im Durchschnitt bei 1 : 3–4. Zudem musste eine entsprechende Menge an Saatgut fĂŒr die neue Aussaat zurĂŒckgelegt werden, was gerade in Jahren mit schlechter Ernte zu besonders gravierenden Einschnitten bei der Versorgung fĂŒhrte. Hungersnöte waren daher keine Seltenheit.

Außerhalb des Flurzwangs liegende AckerflĂ€chen wurden fĂŒr den Eigenbedarf intensiv bewirtschaftet und mit HĂŒlsenfrĂŒchten, RĂŒben, Kohl, aber auch Waid und Krapp sowie Hanf und Flachs bebaut. Auch der Garten in unmittelbarer NĂ€he des Hauses wurde mit GemĂŒse und ObstbĂ€umen bepflanzt; die Pflege des Gartens war Aufgabe der Frau. Neben der Kindererziehung war sie auch fĂŒr die Versorgung der gesamten Hausgemeinschaft mit Nahrung und die Vorratshaltung sowie die Versorgung des Viehs – vor allem des Kleinviehs wie HĂŒhner und GĂ€nse, aber auch Ziegen – zustĂ€ndig. Ebenso spielte die Bienenzucht eine nicht unwesentliche Rolle. Das Weben und Spinnen stellte ebenfalls eine typisch weibliche BeschĂ€ftigung dar, die vor allem in die Wintermonate verlegt wurde. Bei der Ernte mussten die Frauen aber auch auf dem Feld mithelfen und waren dort unverzichtbar; zu Frondiensten wurden Frauen ebenfalls herangezogen.

Viehzucht und Viehhaltung
GegenĂŒber dem Ackerbau nahm die Viehzucht eindeutig eine untergeordnete Position ein. Dies erklĂ€rt u. a. auch die geringe ZuchtqualitĂ€t und KleinwĂŒchsigkeit bei den Haustieren, etwa bei den Rindern, die trotz ihrer im Vergleich zum Pferd geringen Arbeitsleistung als robuste Zugtiere eingesetzt wurden. DarĂŒber hinaus war es fĂŒr viele Bauern unerschwinglich, ein Pferd zu kaufen.
Die Tiere wurden generell nicht besonders versorgt, vielmehr befanden sie sich meist auf der gemeinschaftlichen Weide, wo sie der Obhut des Dorfhirten anvertraut wurden.

Der Hauptlieferant an Fleisch wĂ€hrend des gesamten Mittelalters war zweifelsohne das Schwein,  dessen fetteres Fleisch besonders geschĂ€tzt wurde. Das Schwein darf man sich allerdings nicht als dem Hausschwein Ă€hnlich vorstellen, vielmehr glich es dem heutigen Wildschwein. Schweine wurden in der Regel frei gehalten und nicht gehĂŒtet bzw. in den Wald getrieben, wo sie sich vollfressen sollten. Auch in den StĂ€dten liefen Schweine frei herum und fraßen dort den Unrat auf. In alpinen Regionen wurden dagegen naturgemĂ€ĂŸ meist die genĂŒgsameren Schafe gehalten.

Geschlachtet wurde meist im SpĂ€therbst, da die Tiere nicht immer durch den Winter gefĂŒttert werden konnten. Kalender zeigen daher nicht umsonst im Monat November hĂ€ufig das MĂ€sten der Tiere bzw. deren Schlachten als bĂ€uerliche TĂ€tigkeit. Was nicht sofort gegessen wurde, wurde durch RĂ€uchern und Pökeln haltbar gemacht oder zu ebenfalls gerĂ€ucherten WĂŒrsten verarbeitet, was den Vorteil hatte, auch minderwertiges Fleisch und FleischabfĂ€lle verwenden zu können.

Handwerkliche TĂ€tigkeiten
Neben der landwirtschaftlichen Arbeit und der Abwicklung der Hauswirtschaft waren natĂŒrlich viele handwerkliche TĂ€tigkeiten zu verrichten, etwa das Instandhalten der Wohn- und WirtschaftsgebĂ€ude sowie der ArbeitsgerĂ€te. Durch das Aufkommen eiserner GerĂ€teteile (z. B. beim Pflug) waren manche Arbeiten nicht mehr selbst zu bewerkstelligen, da dies spezielles Wissen und Fertigkeiten erforderte. Diese Reparaturen oder Neuanfertigungen ĂŒbernahm nun vermehrt der Schmied. Die Tendenz hin zur Arbeitsteilung und zum ‚Einkaufen’ bestimmter Arbeitsleistungen wurde mit dem AufblĂŒhen der StĂ€dte, die einen Absatzmarkt fĂŒr bĂ€uerliche Produkte boten, zunehmend forciert.

Feste im Jahreskreis
Eine willkommende Abwechslung zum entbehrungsreichen und harten Alltag der lĂ€ndlich-agrarischen Bevölkerung boten Feste, die auch Anlass dazu waren, ĂŒber die StrĂ€nge schlagen zu können. Essen und Trinken im Übermaß waren daher nicht selten. Ob Hochzeiten oder Taufen, die Dorfgemeinschaft war in die Feierlichkeiten sicherlich in irgendeiner Weise involviert. Auch die kirchlichen Feste wurden dementsprechend begangen, sie prĂ€gten den Jahreskreis in besonderer Weise. WĂ€hrend heute allerdings Weihnachten von vielen als das höchste Fest des Jahres gesehen wird, spielte dieses im Mittelalter keine Rolle, dagegen scheint das Dreikönigsfest eine gewisse PopularitĂ€t gehabt zu haben. Dem kirchlichen Festkreis entsprechend war und ist Ostern das höchste Fest. Auch den Tag des Dorfheiligen bzw. die Kirchweihe begingen die Bewohner in entsprechender Form, bildete der Kirtag doch den Höhepunkt des Jahresablaufes, der dementsprechend ausgelassen begangen wurde. Daneben sind auch heute noch gepflegte BrĂ€uche wie die Johannisfeuer oder das Setzen des Maibums, das fĂŒr Deutschland seit dem ausgehenden Mittelalter belegt ist, zu nennen.
Gefeiert wurde meist auf dem Dorfplatz, der das Zentrum der Siedlungen darstellte, durchaus aber auch auf dem Friedhof; dieser galt im Mittelalter als Kommunikationsort. Im Winter feierten die Menschen dagegen zusehends in den Stuben. Dies war aber erst demenstprechend möglich, nachdem sich durch den Einbau von Kaminen bzw. das Aufstellen einfacher Kachelöfen rauchfreie WohnhÀuser durchsetzten.


Der Text wurde auf Basis der in der Literaturliste angegebenen Publikationen verfasst.

Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2009

 

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