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Die Donaumonarchie. (Österreich-Ungarn) 1867 – 1918


Seit dem Ausgleich des Jahres 1867 setzte sich das Habsburgerreich aus zwei Staaten zusammen, den "im Reichsrat vertretenen Königreichen und LĂ€ndern" (ab 1915: "Österreich") und den "LĂ€ndern der heiligen ungarischen Stephanskrone" (Ungarn). Als Staatsoberhaupt von beiden amtierte Franz Joseph I. (geb. 1830 – gest. 1916) als "Kaiser von Österreich" und "apostolischer König von Ungarn".


Im Staatsgebiet der Donaumonarchie fanden sich ĂŒber zehn Sprachen und zwanzig verschiedene Königreiche und LĂ€nder mit den beiden HauptstĂ€dten Wien und Budapest. Seit dem Jahr 1867 gab es neben dem k. u. k. Heer auch die beiden Territorialarmeen: fĂŒr "Österreich" die "Landwehr" und fĂŒr Ungarn die "HonvĂ©d", in deren Bereich auch die jeweilige Gendarmerie fiel. In beiden LĂ€ndern gab es eigene Parlamente, den "Reichsrat in Wien" und der "Ungarische Reichstag" (Magyar OrzeĂĄggyulĂ©s) in Budapest, sowie zwei Regierungen und drei gemeinsame Ministerien (Außenpolitik, Finanzen, k.u.k. Armee mit der Kriegsmarine). Es existierten auch zwei Parlamente in der Donaumonarchie, der "Reichsrat" in Wien und in Budapest der "Ungarische Reichstag ( Magyar OrszĂĄggyĂ»lĂ©s)". In beiden Staaten gab es gleiche WĂ€hrungen (1858 – 1892: Gulden/Forint und Neukreuzer, 1892 – 1918: Kronen/Korona und Heller/Filler).

FlĂ€che: 680.887 kmÂČ (1907)
Einwohner: 52,8 Millionen (1914)
HauptstĂ€dte:    

  • Wien: 2,031.000 Einwohner, 1910
  • Budapest: 880.000 Einwohner, 1910

Die Einheit der Doppelmonarchie war zunehmend durch nationalistische Strömungen innerhalb der einzelnen Volksgruppen gefĂ€hrdet, gegen die man in der ungarischen ReichshĂ€lfte durch eine „Magyarisierung“ viel schĂ€rfer vorging.

Die gesellschaftliche Ungleichheit und die Armut innerhalb der Industriearbeiterschaft und den lĂ€ndlichen Unterschichten fĂŒhrte immer mehr zu einer Unzufriedenheit, die sich – wie 1911 in Wien – auch gewaltsam entladen konnte.

Neue Massenparteien entstanden: Sozialdemokraten, Christlich-Soziale und Deutschnationale. Berufs- und Standesvereinigungen (Gewerkschaften, Kammern, BauernverbĂ€nde) versuchten die Anliegen ihrer Klientel zu unterstĂŒtzen. Viele Untertanen von Franz Joseph sahen in den beiden LĂ€ndern keine Zukunft mehr und wanderten nach Nord- und SĂŒdamerika aus (von 1876 bis 1910: etwa 3,5 Mio. Menschen).

Österreich-Ungarn war ein agrarisch strukturiertes Land, dessen Industriezentren sich vor allem in Böhmen, in der Obersteiermark, in Vorarlberg und rund um Wien befanden. In Schlesien und Böhmen befanden sich auch die ĂŒberlebenswichtigen Kohlereviere fĂŒr die Industrie, den expandierenden Eisenbahnverkehr und die beginnende Stromproduktion. Die grĂ¶ĂŸten Waffenfabriken befanden sich in Steyr und in Böhmen (Skoda in Pilsen). Durch die AdriahĂ€fen (Triest, Rijeka, Pola) hatte die Monarchie auch Zugang zum Überseehandel. Das Finanzkapital (mit einem hohen deutschen Anteil) konzentrierte sich auf die Wiener Bankenwelt und die dortige Börse. Insgesamt hinkte die Doppelmonarchie trotz aller BemĂŒhungen dem gesamteuropĂ€ischen Durchschnitt erheblich hinterher.


Dokumentation zur Ausstellung "Weyer und der Große Krieg" im Ennsmuseum Weyer, Museumssaison 2014 und 2015.


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