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Heimatfront: Situation zu Kriegsbeginn


├ľsterreich-Ungarn war auf einen l├Ąngeren Krieg ├╝berhaupt nicht vorbereitet. Die milit├Ąrische Ausr├╝stung war zum Teil veraltet und nicht einheitlich, die Ausbildung befand sich auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts ("Man├Âversoldaten", "Sandkastenspiele"). Mindestens genau so gravierend war das Fehlen der zivilen Kriegsvorbereitung wie die Sicherstellung der Nahrungsmittelgrundlage und die Versorgung mit kriegswichtigen G├╝tern. Nach der ersten Euphorie und der Hoffnung auf einen schnellen Sieg stellte sich bald Ern├╝chterung ein.

Versorgungsschwierigkeiten, Hunger, Krankheit
Die verheerenden Verluste zu Beginn des Krieges in Russland dr├╝ckten auch auf die Stimmung der Bev├Âlkerung, da gerade Ober├Âsterreich viele Gefallene zu verzeichnen hatte. Mit Fortschreiten des Krieges wurden auch die Auswirkungen im Hinterland immer gravierender. Es fehlten die Arbeitskr├Ąfte in Industrie und Landwirtschaft. Die Versorgung mit kriegswichtigen Dingen und Lebensmitteln wurden immer schwieriger. Die Ablieferungsverpflichtungen dr├╝ckten schwer auf die Bev├Âlkerung. Hunger und Seuchen (spanische Grippe, Ruhr, Blattern) breiteten sich aus. In Ober├Âsterreich gab es zahlreiche Kriegsgefangenenlager. Das Kronland hatte damals 800.000 Einwohner und musste f├╝r 200.000 Kriegsgefangene und Internierte sorgen.

Kriegsfinanzierung
Der ganze Krieg wurde durch Kriegsanleihen finanziert. Diese Anleihen waren bald nicht einmal das Papier wert auf dem sie gedruckt waren. Zur Not kam nun auch der Verlust der Ersparnisse; viele Menschen lieferten auch ihr Edelmetall ab (ÔÇ×Gold gab ich f├╝r EisenÔÇť). Alle Metalle, vor allem aber Buntmetalle von Kupferd├Ąchern, Kirchenglocken, Orgelpfeifen, T├╝rschnallen,ÔÇŽ wurden eingesammelt.

Versorgung der Bev├Âlkerung
Zu Kriegsbeginn sorgten sich die Beh├Ârden kaum um die Versorgung. Aber schon 1915 mussten zahlreiche Lebensmittel und andere wichtige Gebrauchsg├╝ter rationiert werden: Zucker, Fette und ├ľle, Fleisch, Milchprodukte, Brot, Mehl, Kartoffeln, Most und Kohle. Trotzdem traten Hunger, Mangelwirtschaft und Schwarzmarkthandel immer mehr in Erscheinung. Ein sogenanntes "Kriegskochbuch" lieferte "100 Rezepte zur Bereitung billiger, auf Grund kriegswichtiger Forderungen zusammengestellter und erprobter Speisen". An eigens eingerichteten Sammelstellen mussten Knochen, Haare, Obstkerne usw. abgeliefert werden; die Kinder schickte man aus um Brombeerbl├Ątter zur Teebereitung in den Lazaretten zu sammeln.

Kriegsf├╝rsorge
Kriegsf├╝rsorgeorganisationen sammelten "Liebesgaben" wie Bekleidung, Sachspenden, Nahrungsmittel f├╝r die Frontsoldaten. ├ťber Postkarten, Briefpapier, Verschlussmarken und Briefmarken mit Aufschlag versuchte man Geld f├╝r die Versorgung der Lazarette und Spit├Ąler, f├╝r Witwen und Waisen hereinzuspielen.


Dokumentation zur Ausstellung "Vorchdorf im Ersten Weltkrieg" im Heimatmuseum Vorchdorf in der Museumssaison 2014 und 2015.

 

┬ę 2018