Forum O√Ė Geschichte

Ernährung und Landwirtschaft


Die Ern√§hrungslage im Ersten Weltkrieg stellte, unter anderem auch aufgrund der kurzsichtigen Planung und Kalkulation eines kurzen, schnellen und siegreichen Krieges, ein nahezu unl√∂sbares Problem dar. Die M√§nner waren im Krieg, sie fehlten in der Landwirtschaft und bei der Bewirtschaftung der Felder, diese Arbeiten mussten die Daheimgebliebenen und Frauen √ľbernehmen. Es fehlten aber auch Zugtiere, die ebenso rekrutiert wurden wie die Arbeitskr√§fte. Eine L√∂sung des Ern√§hrungsproblems konnte nicht gefunden werden. Der Hunger war bald allgegenw√§rtig und f√ľhrte 1915 zur Einf√ľhrung der Brot- und Mehlkarte in ganz Ober√∂sterreich, ebenso wurden fleisch- und fettlose Tage eingef√ľhrt. Ab M√§rz 1916 wurde Zucker nur mehr rationiert ausgegeben, ab September folgte die Einf√ľhrung der Fettkarte und im November 1916 auch der Milchkarte. Die staatliche Bewirtschaftung der Kartoffeln setzte im Winter 1916/17 ein. 1917 war selbst Saatgut war kaum mehr zu erhalten. [EK]

An die k.k. Bezirkshauptmannschaft in Perg

Anton Trauner, Karlingberg Nr. 10

An die k.k. Bezirkshauptmannschaft in Perg

Ansuchen des Anton Trauner, √Ėkonomiebesitzer in Karlingberg Nr. 10, um einen Einr√ľckungsaufschub f√ľr sein Evidenzzugpferd mit nachstehender Begr√ľndung:
Mein 4jähriges Pferd, Wallach, wurde bei der am 20. April l.J. in Perg stattgefundenen Pferdeklassifikation als Evidenzzugpferd klassifiziert. Das Evidenzblatt trägt die Evidenzblatt Nr. 536.
Da mein Pferdestand blo√ü 3 Pferde betr√§gt, meine Landwirtschaft 45 Joch Grundst√ľcke umfasst, wovon 2/3 Ackerland sind, die Feld- und sonstigen Zugdienste im Falle einer Einberufung meines Evidenzpferdes mit zwei Pferden unm√∂glich bew√§ltigen k√∂nnte, da ein Pferdersatz sehr schwer zu beschaffen ist, die Bitte zu stellen, mir f√ľr das betreffende Evidenzpferd bis Oktober 1917 belassen zu wollen.
Erlaube mir noch zu bemerken, dass ich 68 Jahre alt bin und als männliche Arbeitskraft einen kriegsinvaliden Sohn und einen alten Knecht besitze.
Bis nun habe ich 2 Zugpferde mit Bespannung f√ľr Kriegszwecke abgegeben.

Archiv der Stadtgemeinde Perg


An die k.k. Bezirkshauptmannschaft in Freistadt

Marktgemeinde-Vorstehung Perg
Perg, 23. April 1917

An die k.k. Bezirkshauptmannschaft in Freistadt

Die hierorts Nr. 99 wohnhafte Hedwig Ehrentraut, welche Mutter von sieben unm√ľndigen Kindern ist und deren Gatte seit Kriegsbeginn einger√ľckt ist, ben√∂tigt dringendst Saatkartoffeln. Die Genannte w√ľrde sich laut ihrer Angabe bei der in der Ortschaft Tannbach des dortigen Bezirkes wohnhaften Frau Maria Schabas 60 ‚Äď 70 kg Saatkartoffeln erwerben k√∂nnen.
Unter Best√§tigung des Umstandes, dass die Ehrentraut die angef√ľhrte Menge Saatkartoffeln f√ľr ihre eigenen Zwecke dringend ben√∂tigt und dieselbe keine M√∂glichkeit besitzt, dieselben im hiesigen Bezirke verschaffen zu k√∂nnen, wird das Ersuchen gestellt, der Genannten die Bewilligung zur Ausfuhr der angegebenen Menge Saatkartoffeln aus dem dortigen Bezirke erteilen und diese Bewilligung anher senden zu wollen.

Der B√ľrgermeister: Dirnberger


R√ľckseite:
k.k. Bezirkshauptmannschaft Freistadt
Freistadt, O√Ė., 30.4.1917

An die k.k. Bezirkshauptmannschaft Perg

Das Ansuchen muß prinzipiell abgewiesen werden, da der Saatgutbedarf des eigenen Bezirkes gefährdet ist.
Hievon wolle die Gesuchsstellerin verständigt werden.


Archiv der Stadtgemeinde Perg


"Gold gab ich f√ľr Eisen. Das Leben der Landbev√∂lkerung unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges." Eine Dokumentation zur Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg vom 5. Mai bis 26. Oktober 2014.

 

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